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Migration und Integration in Deutschland

Es wird selbstverständlich sein, dass jemand Mehmet heißt und nicht Hans – wir halten das aus.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), Deutsche Presse-Agentur (18.01.2013)

Nach dem SZ-Artikel

„Es gab die üblichen Abwehrreaktionen, sobald das Gespräch auf Rassismus kommt.“

Alex Müller ist ein schwarzer Deutscher, 32 Jahre alt und lebt in Leipzig. In einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung beschreibt er den Rassismus, der ihm im Alltag widerfährt. MiGAZIN sprach mit ihm über die Reaktionen auf seinen Text und sein Verständnis von Rassismus.

Rassismus, Ausländerfeindlichkeit, Rasse, Fremdenfeindlichkeit
Rassismus © MiG

VONAnanda Grade

 „Es gab die üblichen Abwehrreaktionen, sobald das Gespräch auf Rassismus kommt.“
Die Verfasserin ist freie Kulturjournalistin, spezialisiert auf Neue Medien. Nach ihrem Studium der Theater-, Film-, und Fernsehwissenschaft, Soziologie und Germanistik arbeitete sie in verschiedenen Medienbereichen. Heute produziert sie Netzartikel und Vodcasts rund um die Themen Gesellschaft und Kultur. www.anandagrade.de

DATUM9. Dezember 2014

KOMMENTARE19

RESSORTAktuell, Gesellschaft, Interview

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Gibt es auch Rassismus-Vorwürfe in Deutschland, die Sie für übertrieben halten?

Müller: Grundsätzlich halte ich Rassismus-Vorwürfe nicht für übertrieben, allenfalls für diskutabel, weil es darum geht, wie der Empfänger eine Nachricht auffasst. Wenn eine Person sagt, dass sie etwas als rassistisch empfindet, dann habe ich das zu akzeptieren, sofern es sich nicht um Ablenkungsmanöver weißer Menschen handelt oder ein Vorwurf an der Sache vorbeigeht. Ich selbst bin bei einigen Dingen eher entspannt. Ich verzeihe z.B. Günter Wallraff Blackfacing, der damit auf Rassismus aufmerksam gemacht hat. Ich kann aber alle schwarzen Menschen verstehen, die Blackfacing grundsätzlich ablehnen, und ich akzeptiere das. Ein diskutabler Fall war der Imagefilm der AStA Hamburg, in dem schwarze Menschen ausgerechnet als Putzkräfte porträtiert wurden. Also könnten die nicht auch als Dozenten auftreten. Ein Kritikpunkt, den ich nicht nachvollziehen kann, bezieht sich auf die Verwendung des Begriffs „Urgewalt“, der sich eindeutig auf die Werktätigkeit bezieht und nicht auf die schwarzen Menschen. Hier wurde aber unterstellt, dass „Urgewalt“ nur deshalb gewählt wurde, WEIL schwarze Menschen dargestellt wurden. Der Film wie auch das Verhalten des AStA, damals vertreten durch Timo Hempel sind ohne Frage kritikwürdig, hier aber nicht.

Glauben Sie, dass die Fremdenfeindlichkeit durch Brennpunkte mit einem hohen Migrantenanteil zunimmt?

Müller: Studien zeigen ja immer wieder, dass die „Fremdenfeindlichkeit“ (der Rassismus) dort am höchsten ist, wo die Menschen am wenigsten Kontakt zu Ausländern und solchen Menschen, die man dafür hält, haben. Es verwundert mich daher nicht, dass ausgerechnet in Halle-Silberhöhe Kinder und Jugendliche eine Roma-Frau und ihr Kind angriffen haben. Bei meiner Arbeit merke ich immer wieder, dass die Menschen recht offen gegenüber als fremd empfundenen Menschen sind, die selbst eine Weile im Ausland (etwa im Rahmen von Erasmus) waren oder die schon früh Kontakt mit nichtweißen Menschen hatten. Wenn ich durch Berlin-Wedding laufe, dann begegnet mir in einer Woche vielleicht mal eine Frau, die ihre Handtasche festkrallt, wenn sie mich sieht. In Leipzig, egal wo, ist das an der Tagesordnung.

Der Begriff „Fremdenfeindlichkeit“ sagt es ja schon: Der Hass gegen das Fremde. Liegt hinter diesem Hass die Angst vor dem Fremden? Warum gibt es diese Angst?

Müller: „Fremdenhass“ trifft es meistens nicht, weil der suggeriert, dass hier nur „Fremde“ betroffen seien, also Menschen, die nicht Deutsch wären. Als nichtdeutsch gilt noch immer, wer nicht weiß ist. Von Fremdenhass zu sprechen bietet eine super Gelegenheit zu tun, als seien da nur ein paar Idioten am Werk, die nicht auf dem Boden der freiheitlichen demokratischen Grundordnung stünden. Rassismus, das System, das Wirkung aus einer Kombination aus Vorurteilen und Macht bezieht, ist dagegen ein gesamtgesellschaftliches Problem. Deutschland weigert sich bis heute, dieses Problem anzugehen, siehe die abweisenden Antworten auf Fraktionsanfragen zu Racial Profiling. „Fremdenhass“ klingt so nach Nazi, Rassismus ist überall zu finden, wird aber abgestritten. Deshalb reagieren meiner Meinung Menschen auch so bösartig, wenn man sie auf rassistisches Verhalten oder Wörter hinweist.

Angst speist sich aus Unkenntnis. In Leipzig sieht man kaum schwarze Menschen im normalen Leben. Man verlässt sich entsprechend auf rassistisch gefärbte Medienberichte auf das, was der Stammtisch so von sich gibt. Darüber hinaus wird darum gekämpft, nichtweiße Menschen aus Positionen rauszuhalten, in denen sie in Kontakt mit weißen Menschen kommen. Für mich war es Zeit meines Lebens schier undenkbar, einen Nebenjob in Läden oder auch nur einfache Hilfsjobs zu kriegen. Typische Sätze sind: „SO WAS kann ich meinen Kunden nicht antun“, oder „Da bleibt mir die Kundschaft fern.“ Ikea war eine Ausnahme, das aber auch nur, weil sich die Firma als solches gern einen Anstrich von Diversität gibt. Aber auch dort blättert der Lack.

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19 Kommentare
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  1. Ein wichtiger Beitrag. Vielen Dank dafür! Alleine der Grund, den Namen wechseln zu müssen, um über die eigenen Erfahrungen im strukturellen und/oder direkten Rassismus zu erzählen, zeigt die Notwendigkeit solcher Artikel und Interviews.

  2. Comrigu sagt:

    Ganz ehrlich: wäre meine Haut schwarz, so würde ich lieber in Brasilien oder in den USA wohnen. In Deutschland lebt es sich nicht gut als Schwarzer. Eventuell wenn man viel Geld hat und man einem das ansieht…

  3. surviver sagt:

    Ich denke das dieses Phänomen im „Osten“ Deutschlands ausgeprägter ist als im Westen liegt auch daran, dass die „Ossis“ oder die Menschen in Ostdeutschland damals in der „DDR“ 40 Jahre in Kommunismus-Gefangenschaft gelebt und daher den Bezug zum „Menschen“ verloren haben.
    Sie haben im Krieg gelernt, nur an sich zu denken. Ja, egoistisch zu sein um zu überleben.
    Jeder, der anders aussieht oder einer anderen Rasse angehört, ist ihnen ein Dorn im Auge und Schuld an ihrer unzufriedenen sozialen Situation.
    Hier ist definitiv die Politik gefordert zu handeln. Sie müssen die Medien, die auch die Gesellschaft merkwürdigerweise enorm manipulieren können, unter Druck setzen, um die Hetze gegen „Ausländer“ und die Spaltung der Gesellschaft durch negative, verzerrte und einseitige Berichterstattung zu unterbinden.
    Durch die politisch motivierte und „zionistische“ Presse wird bei dem „naiven“ Bürger der Eindruck erweckt, Rassismus ist gesellschaftsfähig geworden.
    Bei Behörden und Verwaltung muss ebenso eingegriffen werden ggf. müssen Personen in Führungspositionen zwangsversetzt werden.
    Dies ist bei institutionellem Rassismus besonders von Nöten; denn die „kleinen“ Angestellten in der Verwaltung handeln vermutlich nach „Anweisung von oben“.
    Als Letztes sollte man sich die überfällige Frage langsam stellen, in wie weit die CDU-Regierung mit den „Öffentlich-Rechtlichen“ und der Presse zusammenarbeitet und WARUM nichts unternommen wird???

  4. Tai Fei sagt:

    surviver sagt: 9. Dezember 2014 um 19:23
    „Ich denke das dieses Phänomen im “Osten” Deutschlands ausgeprägter ist als im Westen liegt auch daran, dass die “Ossis” oder die Menschen in Ostdeutschland damals in der “DDR” 40 Jahre in Kommunismus-Gefangenschaft gelebt und daher den Bezug zum “Menschen” verloren haben.
    Sie haben im Krieg gelernt, nur an sich zu denken. Ja, egoistisch zu sein um zu überleben.“
    Blödsinn, auch in der DDR sind mindestens zwei Generationen aufgewachsen, die den Krieg nur aus Geschichtsbüchern kennen. Im Artikel wird deutlich angesprochen, wo die Ursache liegt. DDR-Bürger sind zwangläufig provinzieller aufgewachsen. Die Frage ist halt nur, ob man seit der Wende immernoch gerne diese gewisse Spiessigkeit weiterpflegt oder halt offener reagiert.

  5. Ex-FDPler sagt:

    @Tei Fei Ihre Argumente sind nicht realitätsnah. Hier geht es nicht um „Menschen“, sondern um das „Geld“, also die Frage, ob und wie viel umverteilt werden soll. Den „Rechten“ unter den Ostdeutschen ist es egal, wo die Migranten konkret leben, entscheidend ist doch, wie viel sie aus ihrer Sicht „kosten“. Wenn man jemand als Konkurrent empfindet, ist es egal, wo er lebt. Wenn Sie anderer Meinung sind, dann überzeugen Sie Leute, die in einer Region mit 10, 15, 20% Arbeitslosigkeit leben, davon, dass die Zuwanderung ihnen etwas bringt. Viel Spass! Der Begriff „Rassismus“ greift hier viel zu kurz, „kapitalistischer Konkurrenzkampf“ unter Einheimischen und Nichteinheimischen wäre besser.

  6. Omowale sagt:

    @Taifei Mag sein, dass die von surviver aufgeführten Gründe diskutabel sind, auch das provinzielle Aufwachsen kann man gerne diskutieren, aber eine Sache ist Tatsache, die man nicht leugnen sollte. Der Rassismus in Ostdeutschland entlädt sich in roher menschenverachtender Gewalt in einer Form, die so in Westdeutschland nicht beobachtbar ist. In Westdeutschland erfährt man Diskriminierung strukturell, aber latent. In Ostdeutschland in den nationalbefreiten Zonen wird die Abneigung gegenüber allem was nicht deutsch ist offen zur Schau gestellt und endet nicht allzu selten mit brutaler Gewalt, nur wird über die tagtäglichen Angriffe in den deutschen Medien kaum berichtet.

  7. Tai Fei sagt:

    Ex-FDPler sagt: 10. Dezember 2014 um 11:30
    „@Tei Fei Ihre Argumente sind nicht realitätsnah. Hier geht es nicht um “Menschen”, sondern um das “Geld”, also die Frage, ob und wie viel umverteilt werden soll. Den “Rechten” unter den Ostdeutschen ist es egal, wo die Migranten konkret leben, entscheidend ist doch, wie viel sie aus ihrer Sicht “kosten”. Wenn man jemand als Konkurrent empfindet, ist es egal, wo er lebt. Wenn Sie anderer Meinung sind, dann überzeugen Sie Leute, die in einer Region mit 10, 15, 20% Arbeitslosigkeit leben, davon, dass die Zuwanderung ihnen etwas bringt. Viel Spass! Der Begriff “Rassismus” greift hier viel zu kurz, “kapitalistischer Konkurrenzkampf” unter Einheimischen und Nichteinheimischen wäre besser.“

    Ich hab´noch gar keine Argumente vorgebracht, sondern lediglich Survivers Kriegsgeneration zerpflückt. 😉
    Was die Rechten in Ostdeutschland angeht, so dürfte denen jedes Argument so ziemlich egal sein. Dem Verfasser geht es auch weniger um diese Gruppe als mehr um den strukturellen Rassismus in der sogenannten bürgerl. Mitte. Daher geht eigentlich auch die Diskussion, ob Zuwanderung was bringt, am grundsätzlichen Problem vorbei. Gerade hier im Osten würde es den Menschen ohne Migranten, egal wo untergebracht, auch nicht besser gehen. Nur führt diese Diskussion hier nicht weiter, dass ist NICHT der Punkt des Artikels.
    Rassismus gehörte in der DDR eigentlich nicht zur offiziellen Propagandalinie. Das Gegenteil war der Fall. Basis war hier dass kommun. Manifest mit seiner Aussage „Proletarier aller Länder vereinigt euch“! Das ändert nichts daran, dass es in der Bevölkerung jede Menge Ressentiments gegen Ungarn (lustigste Baracke des Ostblocks) Polen (kleptomanische Arbeitsverweigerer) und natürlich auch Russen gab. Allerdings kam der „gemeine“ DDR-Bürger auch kaum mit anderen in Kontakt. Die Vertragsarbeiter der anderen „Bruderstaaten“ lebten komplett isoliert und Auslandsreisen selbst ins sozialistische Ausland waren keineswegs die Regel. Spießige Provinzialität wurde in der DDR damit quasi gefördert. So ein Klima ist ein perfekter Nährboden für rassistische Vorurteile. Da viele DDR-Bürger durch die „Einheit“ schließlich gar zu Verlierern wurden, sowohl materiell als auch ideologisch, suchten diese nach Schuldigen, gemäß ihres Prinzips „kapitalistischer Konkurrenzkampf“, was ich eher als „nach oben buckeln – nach unten treten“ bezeichnen würde. Ihre Definition unterschlägt nämlich, dass Konkurrenzkampf eigentlich eine Auseinandersetzung auf gleichem Niveau zumindest aber mit Chancengleichheit ist. Ferner können Sie ökonomische Formeln nicht ohne weiteres auf gesellschaftliche Prozesse ausweiten. Allerdings legt Ihr Name nahe, dass Sie das Konzept des Homo Oeconomicus bereits verinnerlicht haben, welches jeder Anthropologe bereits in der Luft zerrissen hat.

  8. Miriam Kohn sagt:

    @Tei Fei

    1. Sie diskutieren an der Sache vorbei. Die Welt besteht nicht nur aus Ideologie. Verteilungsrivalitäten gehören nun mal zur Politik. Wer arm ist, wählt eher links, wer reich ist, wählt meist schwarz, freie Unternehmer eher gelb, wer Migrant ist, wählt oft grün, wer von Hartz IV lebt, die Ultralinken. Wer deklassiert ist, tendiert in die Extreme. Besitzende Außenseiter, die über ein bisschen Vermögen verfügen, also etwas zu verlieren haben, tendieren eher nach rechts, solche Außenseiter, die nichts haben, nach links. Ich finde daran nichts Schockierendes. Jede Gruppe beruft sich bei der Formulierung ihrer spezifischen Interessen auf die höhere Moral und die demokratische Gesinnung. Das kennt man alles. Wer ist nicht der Beste, der Edelste und der klügste Bürger?

    2. Die Frage ist, ob Deutsche (mit oder ohne Migrationswurzeln egal) und Ausländer Konkurrenten sein können. Wenn Sie 10 Arbeitslose in einer Schlange haben und 5 kommen hinzu, ist der Konkurrenzkampf vorprogrammiert. Wenn sich nicht drei, sondern sechs Bewerber um einen Arbeitsplatz bewerben, gilt das Gleiche. Entsteht hier Rassismus, weil man zusätzliche Konkurrenz an Äußerlichkeiten erkennt?

    3. Die ehemalige DDR ist sicher kein Sonderfall, da in anderen westlichen Ländern wie Frankreich, Großbritannien, Österreich, Niederlande, usw. ganz ähnliche Phänomene auftreten. Sie ist lediglich insofern etwas „Besonderes“, als sie eigentlich immer noch am Tropf der Subventionstöpfe hängt, die desto kleiner werden, je mehr unser Staat verteilen muss. Darum trifft der Beitrag des Ex-FDPlers meiner Meinung nach durchaus den Kern.

  9. Tai Fei sagt:

    Omowale sagt: 10. Dezember 2014 um 12:07
    „@Taifei Mag sein, dass die von surviver aufgeführten Gründe diskutabel sind, auch das provinzielle Aufwachsen kann man gerne diskutieren, aber eine Sache ist Tatsache, die man nicht leugnen sollte. Der Rassismus in Ostdeutschland entlädt sich in roher menschenverachtender Gewalt in einer Form, die so in Westdeutschland nicht beobachtbar ist. In Westdeutschland erfährt man Diskriminierung strukturell, aber latent. In Ostdeutschland in den nationalbefreiten Zonen wird die Abneigung gegenüber allem was nicht deutsch ist offen zur Schau gestellt und endet nicht allzu selten mit brutaler Gewalt, nur wird über die tagtäglichen Angriffe in den deutschen Medien kaum berichtet.“

    Also Mölln und Solingen liegen aber im Westen und die NSU hat ihre Anschläge auch vor allem im Westen verübt. Sicher war die Gruppe aus ostdeutschen Landen, dass sie im Westen jedoch jede Menge Unterstützung fand, steht wohl außer Zweifel. Ich gebe zu, dass ich diese sogenannten „nationalbefreiten Zonen“ nicht persönlich kenne, da dass meisten auch ziemlich tote Käffer sind, in die ich mich selten verirre. Da im Osten zurzeit noch der größere Teil der Bevölkerung zu den gesellschaftlichen Verlierern zählt (was natürlich nichts entschuldigt), ist die Gefahr hier auf Radikalisierung zu treffen wesentlich höher. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich das in den nächsten Jahren auch noch ändern wird. Allerdings geht diese rohe Gewalt auch selten von der Mitte der Gesellschaft aus, die steht dann i.d.R. allenfalls applaudierend daneben.

    Der Artikel behandelt aber mehr diesen strukturellen Rassismus aus der Mitte der Gesellschaft. Nach meinen Erfahrungen (bzw. die meiner Frau, mich direkt betrifft das nicht) kann ich diese Beobachtungen des Autors durchaus bestätigen, allerdings nur teilweise. Da wir auch in Leipzig leben bekomme ich das aus Erzählungen meiner Frau auch oft mit. Mitunter verunsichert das meine Frau sogar so sehr, dass sie hier Zugeständnisse macht, die mich fast zur Weißglut treiben, da ich so ein devotes Verhalten sonst nicht von ihr kenne.
    Allerdings scheint mir Berlin als Gegenbsp. eher ein Sonderfall in Deutschland zu sein, da sich dort etliche Communitys konzentrieren. Auch wenn ich das Wort „Parallelgesellschaft“ albern finde, weil es immer Schnittmengen gibt, was dieses Wort eigentlich ausschließt, so muss man zugeben, das es viele parallele Strukturen gibt. Je größer und konzentrierter die Community umso perfekter funktionieren diese und Berlin ist hier ein gutes Bsp., was ich persönlich so interessant an Berlin finde, auch wenn die alte Erbfeindschaft dem im Grunde im Wege steht 😉 . Allerdings lässt sich das Bsp. Berlin nicht unbedingt auf ganz Deutschland übertragen, weder in Ost noch West. Fakt ist aber auch, dass meine Frau oder mehr noch dort lebende Freunde, ebenfalls diese kleinen alltäglichen Rassismen erleben.

    Richtig ärgerlich finde ich diese latenten Diskriminierungen seitens staatlicher Organe. So bin ich erst im August wieder mal einen Passkontrolleur am Flughafen angegangen. Auch auf unserer Ausländerbehörde hab´ ich mir schon viele „Freunde“ gemacht. Allerdings kann ich hier überhaupt einen Ost-West-Unterschied feststellen.

  10. Tai Fei sagt:

    Miriam Kohn sagt: 10. Dezember 2014 um 17:19
    „1. Sie diskutieren an der Sache vorbei. …?“

    Mache ich gar nicht, denn dieses Pamphlet ist überhaupt nicht Gegenstand des Artikels. Ferner kann ich ihre Kausalitäten zum Wahlverhalten nicht unbedingt nachvollziehen, mal davon abgesehen, dass Migranten in DE gar nicht wählen dürfen.

    Miriam Kohn sagt: 10. Dezember 2014 um 17:19
    „2. Die Frage ist, ob Deutsche (mit oder ohne Migrationswurzeln egal) und Ausländer Konkurrenten sein können. Wenn Sie 10 Arbeitslose in einer Schlange haben und 5 kommen hinzu, ist der Konkurrenzkampf vorprogrammiert. Wenn sich nicht drei, sondern sechs Bewerber um einen Arbeitsplatz bewerben, gilt das Gleiche. Entsteht hier Rassismus, weil man zusätzliche Konkurrenz an Äußerlichkeiten erkennt?“

    Die Frage des Rassismus hat doch mit diesem „Konkurrenzkampf“ nicht wirklich etwas zu tun. Wenn 10 Leute sich um EINE Stelle bewerben spielt es keine Rolle, ob noch 5 oder 50 hinzukommen. Es ist auch völlig egal wo die herkommen. Was wollen Sie denn hiermit zum Ausdruck bringen?

    Miriam Kohn sagt: 10. Dezember 2014 um 17:19
    „3. Die ehemalige DDR ist sicher kein Sonderfall, da in anderen westlichen Ländern wie Frankreich, Großbritannien, Österreich, Niederlande, usw. ganz ähnliche Phänomene auftreten. Sie ist lediglich insofern etwas “Besonderes”, als sie eigentlich immer noch am Tropf der Subventionstöpfe hängt, die desto kleiner werden, je mehr unser Staat verteilen muss. Darum trifft der Beitrag des Ex-FDPlers meiner Meinung nach durchaus den Kern.“

    Auch hier ist die ehemalige DDR kein Sonderfall. In Europa gibt es jede Menge Regionen, die an Subventionstöpfen hängen, siehe Wales, Süditalien, Wallonien usw.usf.
    Ferner müssen Sie mir mal verraten, wieso Sie die Grundproblematik Ihrer Aussage immer noch nicht begriffen haben. Wieso haben wir denn angeblich immer weniger zum Verteilen? Sie unterschlagen das Wirtschaftswachstum. Heute wird an einem Tag mehr produziert als vor 50 Jahren in einem Monat, wenn nicht gar noch mehr. Unsere heutige weltweite Landwirtschaft ist in der Lage 12 Mrd. Menschen zu ernähren und dennoch verhungern täglich tausende. Es muss also gar nicht immer WENIGER an immer MEHR verteilt werden. Die Praxis sieht so aus, dass immer Mehr an immer WENIGER verteilt wird. Genau deshalb ist der Beitrag de Ex-FDPlers eben nicht zutreffend. Ganz davon abgesehen geht sein und auch IHR Beitrag am Inhalt des Artikels vorbei.


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