MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

Wenn die deutsche Gesellschaft die Muslime toleriert, hat das noch nichts mit Gleichberechtigung zu tun.

Prof. Dr. Hans-Peter Großhans, MiGAZIN, 20. Januar 2010

Fachtagung

Rechtsextremismus unter Frauen wird unterschätzt

Weiblicher Rechtsextremismus ist erst mit dem NSU und dem Gerichtsprozess gegen Beate Zschäpe zu einem Thema geworden. Rechtsextreme Frauen haben jedoch eine lange Tradition und sind ein bedeutender Faktor in der rechten Szene.

Die Mischszene von Hooligans und Neonazis stellt nach Einschätzung der Journalistin und Rechtsextremismus-Expertin Andrea Röpke für Frauen in der rechten Szene ein attraktives Umfeld dar. Mit einer derart großen Zahl weiblicher Teilnehmer wie auf der Kundgebung am Wochenende in Hannover habe sie nicht gerechnet, sagte Röpke am Montag in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar. Auf einer Tagung über Rollenverständnisse von rechtsextremen Mädchen und Frauen diskutieren bis Mittwoch rund 40 Praktiker aus Justiz, Polizei, Schule und Jugendhilfe über Möglichkeiten der Prävention.

Weiblicher Rechtsextremismus sei erst mit dem Nationalsozialistischen Untergrund und dem Gerichtsprozess gegen Beate Zschäpe zu einem Thema geworden, sagte Ministerialrat Marc Schwalm vom Thüringer Justizministerium. Rechtsextreme Frauen hätten jedoch eine lange Tradition und seien als bedeutender Faktor in der rechten Szene „nicht zu unterschätzen“. Dazu gehörten insbesondere die Möglichkeiten einer breiten Einflussnahme. Als Beispiele wurden unter anderem die Mitarbeit in Elternvertretungen sowie die Organisation und Ausgestaltung von Familienveranstaltungen genannt.

Die Sensibilisierung für den weiblichen Aspekt des Rechtsextremismus sei jedoch „bundesweit viel zu gering“, stellte Röpke fest. Der großen Nachfrage zu diesem Thema stehe eine nur spärliche Aufklärung gegenüber. Zur präventiven Mitwirkung von Jugendämtern vor Ort etwa bei Familienangeboten von Rechtsextremisten gebe es „ein großes Manko“. Dazu gehöre auch die Auseinandersetzung mit dem Alltagsrassismus, der im rechtsextremen Milieu schon frühzeitig an Kinder weitergegeben werde. „In diesem Umfeld lernen Kinder keine ethisch-moralischen Grundwerte“, fügte die Journalistin hinzu.

Die Fachtagung ist eine gemeinsame Veranstaltung der Gedenkstätte Buchenwald und des Justizministeriums mit Initiativen und Einrichtungen der Jugendhilfe. Die vor über zehn Jahren begründete Reihe richtet sich vor allem an Multiplikatoren aus verschiedenen Bereichen zur Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus. (epd/mig)

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:
Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...