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Migration und Integration in Deutschland

Wir haben unsere Behörden über Jahrzehnte in eine Abschottungskultur hineinentwickelt. Man hat gesagt: Haltet uns die Leute vom Hals, die wollen alle nur in unsere Sozialsysteme einwandern. Jetzt müssen wir deutlich machen, dass wir Fachkräfte brauchen, dass wir um sie werben müssen.

Peter Clever, Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, April 2013

Rassismus an der Discotür

Polizei: Sie haben nun einmal einen ausländischen Touch

Hamburger Kiez. Samstagabend. Haluk und seine Freunde von der Uni wollen feiern. Sie kommen nicht weit. An der Discotür ist Schluss. Sie werden nicht reingelassen. Der Ausländeranteil sei zu hoch. Haluk beschwert sich. Die Polizei kommt und macht ihn zum Täter.

Hamburger Kiez an einem typischen Samstagabend Anfang September. Haluk (21) hat sich mit Freundinnen und Freunden aus der Uni (alle zwischen 21 und 24) verabredet. Sie möchten feiern, weg vom Prüfungsstress und dem Studenten-Alltag. Gegen 0:30 Uhr stehen sie im Foyer eines Szenen Clubs an der Simon-von-Utrecht Straße. Der Türsteher zögert nicht lange und sagt es geradeaus: „Tut mir leid, ich würde euch gerne rein lassen, aber der Ausländer-Anteil ist schon zu hoch“.

Die Studenten sind überrascht und suchen das Gespräch. Vergeblich. Drei von ihnen haben keinen Migrationshintergrund. Sie trauen ihren Ohren nicht. Sie sind verunsichert und beschämt zugleich. Hätten sie es nicht selbst erlebt, würden sie es nicht glauben. Wären sie doch bloß wegen der Kleidung zurückgewiesen worden, denken sie sich. Auch am „Männeranteil“ liegt es nicht; Haluk ist mit mit vier Frauen und drei Männern unterwegs. Ein Versuch, die Club-Leitung zu überzeugen, endet immer wieder in der Sackgasse. Die Studenten geben auf. Die Nacht ist noch jung und Hamburg groß; es gibt auch andere Discos.

Gegen 1:30 Uhr stehen sie vor einem anderen Club am Reeperbahn und mit anderen Türstehern aber mit demselben Szenario. „Tut mir leid Leute. Ihr seht gut aus und ich würde euch sofort rein lassen, aber wir haben einen gewissen Anteil, der schon überschritten ist“, sagt eine Türsteherin in freundlichem Ton. Haluk und seine Freunde haben schon eine Vermutung, wollen aber genau wissen, was gemeint ist. Der „Ausländer-Anteil“, sagt die Türsteherin nach kurzem Zögern.

Ich bin Deutscher, kein Ausländer!

Das ist zu viel. Haluk zückt seinen Personalausweis: „Ich bin Deutscher, kein Ausländer!“, beschwert er sich. Vergeblich. Der Türsteherin sind offensichtlich die Hände gebunden. Haluk und seine Freunde sind sauer und wollen diese Praxis offiziell zur Sprache bringen. Als sie die Türsteherin nach ihrem Namen fragen, zieht sie sich zurück und verlässt den Eingangsbereich. Auch die anderen Türsteher weigern sich, ihre Namen zu nennen. Als die Studenten nicht nachgeben und auf ihr Recht bestehen, rufen die Türsteher zur Überraschung aller Anwesenden die Polizei.

‚Das ist ein Schuss nach hinten für die Türsteher‘, sind Haluk und seine Freunde überzeugt. Damit dürfte sich der Fall erledigen. Die Polizei wird schon dafür sorgen, dass diese Diskriminierung ein Ende findet, denken sie sich. Schließlich verbietet es das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), Menschen aus Gründen der ‚Rasse‘ oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu benachteiligen. Eine Anzeige sollte genügen, sind sie sich sicher.

Die Polizei kommt

Als die Polizei zu dritt eintrifft, ist die Erleichterung bei den Studenten groß. Sie suchen gleich das Gespräch mit den Ordnungshütern in Uniform. In einem Eins-zu-Eins-Gespräch mit einem der Beamten erklärt Haluk immer noch fassungslos, was sich ereignet hat. Ihm fällt es schwer, seine Gefühle im Zaum zu halten: „Deutschland ist meine Heimat und ich bin kein Ausländer“, erklärt er dem Beamten und macht klar, dass er die Diskriminierung nicht hinnehmen möchte. Er bittet die Polizei, eine Anzeige aufzunehmen. Die Personalien der Türsteher könne die Polizei ja ohne Weiteres feststellen und die diskriminierende Einlasskontrolle dokumentieren. Doch es kommt anders.

Die Türsteher müssten ihre Namen nicht nennen, wird Haluk von einem der Polizisten belehrt. Der Club mache von seinem Hausrecht Gebrauch. Da könne die Polizei nichts machen. Haluk versteht die Welt nicht mehr. Er weiß nicht, worüber er sich inzwischen mehr aufregt: über die Diskriminierung an der Discotür oder über die Untätigkeit der Polizei. Die Atmosphäre wird zunehmend unerträglich, die Diskussion mit der Polizei immer lauter. Haluk versucht, sich zu beherrschen, nicht ausfallend oder beleidigend zu werden. Seinen Unmut kann er aber nicht gänzlich zurückhalten. Er gestikuliert mit den Händen. Das ist den Polizisten offensichtlich schon zu viel. Plötzlich findet sich der 21-jährige auf dem Boden wieder. Die zwei anderen Ordnungshüter halten ihn fest und legen ihm Handschellen an.

Der ausländische Touch

Aus Sicht der Polizei „echauffierte“ sich Haluk „so stark, dass eine Gefahrenlage“ hervorgerufen wurde. Daher sei er „kurzfristig in Gewahrsam genommen“ worden, rechtfertigt die Hamburger Polizei das körperliche Eingreifen später gegenüber dem MiGAZIN. An dem Abend sind die Freunde von Haluk aber geschockt. Sie beobachten das Geschehen ungläubig und schalten sich schließlich ein. Die Diskussion wird fortgesetzt. Allen Beteiligten, auch den Polizisten, ist klar, die Studenten haben recht. Natürlich sei es nicht schön, wenn man auf diese Art zurückgewiesen wird, versucht ein Polizist, die Studenten zu beschwichtigen. So seien Türsteher eben. Und „Sie haben nun einmal einen ausländischen Touch, egal ob Sie Deutscher sind oder nicht“, sagt einer der Polizisten.

Die Studenten sind ratlos und verwirrt. Anstatt Unrecht zu bekämpfen, hat die Polizei die Aufnahme der Anzeige verweigert, die Personalausweise der Studenten kontrolliert anstelle die der Türsteher und einen ihrer Freunde gewaltsam mit Handschellen gefesselt. Einen guten Tipp gibt einer der Polizisten den Studenten noch mit auf den Weg, als sie Haluk schließlich befreien. Im Internet könnten die Studenten ja nach dem Impressum des Clubs suchen und sich Adresse und Namen notieren für eine Beschwerde. Würden sich die Beschwerden häufen, würden die Türsteher ausgewechselt, meint einer der Polizisten.

Und wer wechselt die Polizei aus, fragen sich die Jugendlichen.

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26 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. fremd im eigenen land sagt:

    Wegen Menschen wie „krause“ schäme ich mich des Öfteren, Deutscher zu sein. Nicht, weil „Deutsch-sein“ schlecht ist, sondern viele Deutsche wirklich unfassbar ignorant und einfältig sind, was das Thema „Deutsch mit Migrationshintergrund“ betrifft. Es ist zum Haare raufen…

  2. Normal sagt:

    Ja so kenne ich das auch. Habs das schön des öfteren erlebt. Deutschland ist nicht mehr mal das, was es mal war. Toleranz gibt es, und zwar für schwule und hippies! Oder die meisten machen einen auf tolerant, zb in einer Talkshow, im Interview und ..naja Ihr wißt selbst

    Wurde mal mit 3! Frauen nicht reingelassen. Ich kam vom Urlaub war schön braun. Es ist oft die Eifersucht der Türsteher, wenn jemmand mit einem fetten Benz da ankommt und Klamotten im Wert von 500€ trägt.

    In dem Fall sag ich Haluk: „Gut gemacht, mach sie vor Gericht fertig!“
    Alle Menchen sind vor dem Gesetz gleich, das gilt auch für Discobesitzer, wenn er Menschen abweisen darf, dass wenn sie sich daneben benehmen, oder der Laden voll ist. Aber bestimmt Menschen nach Herkunft auszusortieren ist ist „Diskriminierung“

    Eine schande für die Polizei, denen würd ich was erzählen…
    Dienstnummer und Wagennummer aufschreiben, falls euch mal sowas passiert!

  3. surviver sagt:

    Was einige in Deutschland nicht kapieren: Diskutieren, Herumbrüllen, auch freundlich sein, bringt leider manchmal nicht viel.
    Das ist nur EIN Beispiel von Alltagsrassismus. Natürlich kommt es auch auf den Einzelfall an.
    Sowas kommt ja auch in Behörden, beim Jobcenter, beim Sozialamt, beim Verkehrsunfall etc. etc. vor.
    Viele wissen in den meisten Fällen gar nicht, dass sie vorab erst mal eine Anzeige erstatten oder, gegen Polizeibeamte, eine Dienstaufsichtsbeschwerde an den Dienstvorgesetetzten machen können.
    Hier sollte man sich der Deutschen Leitkultur anpassen und einige Leute anzeigen, anzeigen, anzeigen und nochmal anzeigen, bis sie’s lernen.

  4. Mike sagt:

    >Eine schande für die Polizei, denen würd ich was erzählen…
    Dienstnummer und Wagennummer aufschreiben, falls euch mal sowas passiert!<

    Und dann? Wenn Sie den Artikel vollständig gelesen hätten, wüssten Sie, dass sich die Polizei korrekt verhalten hat.

  5. Mike sagt:

    >Hier sollte man sich der Deutschen Leitkultur anpassen und einige Leute anzeigen, anzeigen, anzeigen und nochmal anzeigen, bis sie’s lernen.<

    Anzeigen weswegen?

  6. Rahel Adam Feigenbaum sagt:

    Ihr habt doch alle ein Smartphone, oder zumindest viele von euch…

    Warum startet ihr nicht die Kamera- oder Diktier-App bevor ihr vor die Türsteher steht und nehmt alles auf bis ihr drinnen seid?

    Warum nicht?
    Wozu kauft ihr euch diese Smartphones?


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