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Migration und Integration in Deutschland

Es waren vor allem die übrig gebliebenen einheimischen Geringqualifizierten, die die Gastarbeiter als ungeliebte Konkurrenten empfanden.

Stefan Luft, Staat und Migration, 2009

Wahn & Sinn

Nippel für die Massen

Endlich wissen wir, wie die Krankheiten dieser Welt zu heilen sind: Mit harten Nippeln unter nassen T-Shirts und Spam auf Facebook. Halleluhja!

VONSven Bensmann

 Nippel für die Massen
Der Verfasser (geb. 1983 bei Osnabrück), hat Philosophie, mittlere und neuere Geschichte, sowie europäische Ethnologie in Kiel studiert und einige Jahre von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt ein politisches Blog betrieben. Heute ist sein Blog erreichbar unter s10n.tk

DATUM2. September 2014

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Dieser Tage passierte etwas Seltenes: Krankheiten bestimmten die Schlagzeilen, vom Boulevard bis hin zur richtigen Presse. Zum Einen die fortdauernde Ebola-Epidemie, die sich langsam in den afrikanischen Ländern ausbreitet und kaum zu kontrollieren ist, und zum Anderen die amyotrophe Lateralsklerose, eine Nervenkrankheit, die Facebooknutzer, Promis und solche, die es gern wären, zu begossenen Pudeln degeneriert.

Dabei mag es ja durchaus sein, dass ALS eine schlimme Sache ist, dass sie plötzlich zur Schlagzeile tauge, ist ein Riesenschwachsinn und seinerseits Zeichen von Degeneration – wer bei einer Eiseimerherausforderung, neudeutsch: Ice bucket challenge, mitgemacht hat und tatsächlich weiß, was ALS ist, werfe den ersten Stein; denn um die Krankheit selbst geht es ja gar nicht. Vielmehr geht es um den Darstellungsdrang der soziopathischen Opfer einer verlorenen Generation von Castingopfern. Um F-Promis, die sich für einen vermeintlich guten Zweck in einem verkappten Wet-T-Shirt-Contest für die RTL2-Nachrichten prostituieren, und um Follower, die nun jene fünfzehn Minuten einfordern, die ihnen Warhol einst versprochen hat, jene konformistischen Nullen von denen Nietzsche sagte, man möge sie suchen, wolle man sich multiplizieren.

Sicher, das Ganze hat einen positiven Kollateraleffekt, jenen, dass die Social Media Zombies mit ihren Spenden helfen, eine Hirnkrankheit zu bekämpfen – welche Ironie; einen guten Zweck vermag ich jedoch nicht zu erkennen.

Derweil wütet eine der tödlichsten bekannten Krankheiten in Afrika. Quarantäneversuche und andere Strategien waren bisher kaum von Erfolg geprägt, immer mehr Länder sind betroffen, eine Eindämmung scheint kaum noch möglich – fast tausend Menschen starben bereits, offiziell. Und in Zeiten weltweiter Vernetzung durch Fluglinien ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis der Sprung auf einen anderen Kontinent gelingt und die Epidemie endgültig außer Kontrolle gerät. Eine Frage der Zeit ist es deswegen, weil die finanziellen Möglichkeiten fehlen. Für Ebolakranke macht sich nämlich kaum einer das Fell nass; bei der Eiswasserherausforderung hingegen – noch mehr Ironie – sind ihrerseits bereits Menschen gestorben.

Besonders tragisch daran ist, dass es vermutlich nicht einmal etwas mit Rassismus zu tun hat, dass sterbende Afrikaner der Welt ziemlich egal sind, während ein paar weiße Spastiker jederzeit für ein hohes Spendenaufkommen gut sind. Vielmehr sind es die Regeln unserer perversen Mediengesellschaft, in der es eben normal ist, Schwarzafrikaner krepieren zu sehen: und Normalität ist keine Nachricht.

Helene Fischer im nassen T-Shirt allerdings, das ist was anderes. Und dann geht’s ja auch noch um den guten Zweck. Das ist eine gute Nachricht.

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4 Kommentare
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  1. Slevowitsch sagt:

    Mich würde interessieren, wie der Verfasser sich bisher engagiert hat. Hat er etwas für die Kranken (Ebola, ALS oder eine der vielen anderen Krankheiten, die zur Zeit nicht „en vouge“ sind) unternommen? Hat er gespendet oder vielleicht selbst geholfen? Oder erfüllt er seine soziale Verantwortung, die jeder Mensch für seine Mitmenschen hat, in pessimistischen Kommentaren?
    Die Art & Weise, wie auf ALS aufmerksam gemacht und wie über Ebola berichtet wird, empfinde ich ebenfalls als unzulänglich. Trotzdem spende und engagiere ich mich für soziale Projekte und rede nicht alles madig…

  2. henry sagt:

    @Slevowitsch
    Bitte den Text nochmals so langsam lesen, dass sie ihn auch verstehen.
    Vielleicht klappt es dann auch mit einem Kommentar …

  3. Slevowitsch sagt:

    @henry: Dem komme ich gerne nach (und empfehle Ihnen dieses ebenfalls!)

    „Sicher, das Ganze hat einen positiven Kollateraleffekt, jenen, dass die Social Media Zombies mit ihren Spenden helfen, eine Hirnkrankheit zu bekämpfen – welche Ironie; einen guten Zweck vermag ich jedoch nicht zu erkennen.“
    Der positive Kollateraleffekt ist der gute Zweck! Wer nur meckert, ohne eigene Ideen einzubringen/umzusetzen, ist leider ebenfalls Normalität

  4. posteo sagt:

    Was will uns der Dichter sagen?
    Dass es in Afrika nur Seuchen und nicht ebenso neurologische Krankheit wie ALS gibt?
    Dass die Tropeninstitute in der westlichen Welt nicht bereits fieberhaft an der Erforschung der neuen Seuche Ebola arbeiten?
    Oder gar, dass nur weibliche „Nippel“ sexy wirken können?
    Ich bin verwirrt!



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