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Migration und Integration in Deutschland

Wenn ich mir die Hauptschulen in Ballungszentren anschaue, sehe ich es als zentralen bildungspolitischen Auftrag für diese Schulart, dass sie […] Schülern ein niederschwelliges Bildungsangebot macht […]. Gerade für Jugendliche mit Migrationshintergrund.

Präsident der Kultusministerkonferenz Ludwig Spaenle (CSU), taz, 20. Januar 2010

Augsburger Kulturcafé

Neruda und die Hinterzimmer der Interkultur

Verträgt das Kunstideal des Bildungsbürgertums eine interkulturelle Öffnung? Diese Frage löste in Augsburg eine heftige, teils erschreckende Debatte aus. Fikret Yakaboylu beantwortet sie auf seine Weise.

VONJanosch Freuding

 Neruda und die Hinterzimmer der Interkultur
Der Verfasser, 1987 in Füssen geboren, studierte Germanistik, Katholische Theologie und Islamwissenschaften an der Universität Augsburg und der Otto-Friedrich Universität Bamberg. Nach einem Austauschjahr an der Ege Universität Izmir initiierte er das länderübergreifende deutsch-türkische Jugendfilmprojekt „bu bizimki / es sind wir“. Heute arbeitet er als Sprachlehrer für Deutsch als Fremdsprache in Berlin und bereitet sich auf seine Promotion im Bereich interreligiöses und interkulturelles Lernen vor.

DATUM17. Juli 2014

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Denn in so einem Hinterzimmer hat alles angefangen mit dem Neruda. Hier wurden die Augsburger Kültürtage geplant, erstmalig interkulturelle Lyrik-Lesungen veranstaltet. Als das Hinterzimmer vor lauter Andrang aus allen Nähten platzte, sei ihnen klar geworden, dass es jetzt Zeit wurde, aus dem Hinterzimmer nach draußen zu gehen, Präsenz zu zeigen. Die stattgefundene Veränderung forderte ihren Raum. Ein Raum, wo sich Menschen, Kulturen und Kunst begegnen können – die Idee Neruda war geboren.

„Ich stieg auf einen Pflaumenbaum und aß dort Trauben“, zitiert Fikret einen Satz, der fast schon sein persönliches Mantra geworden ist. Er stammt vom anatolischen Mystiker Yunus Emre. „Ein wunderbares Bild für das, was wir hier machen. Yunus Emre hat nicht von einem Fantasiebaum gesprochen. Das wollte ich den Leuten zeigen. Und Augsburg war der Ort, diesen Baum zu pflanzen.“

Was wünscht sich Fikret eigentlich vom Stadtrat? Kein Geld. Aber eine Anerkennung dessen, was hier passiert. Er wird einen Moment ganz ernst. „Für die Stadt sind wir immer noch ein Café.“

Szenenwechsel. Es ist kurz vor elf in der Nacht. In einem Zelt auf einer Wiese vor dem Theater Augsburg sitzen dreißig Jugendliche, leise wummert Techno-Musik. In Eigenregie haben die Jugendlichen künstlerisch und organisatorisch eine ganze Menge auf die Beine gestellt, um das 10. bayerische Theater-Jugendklubtreffen zu einem Erfolg werden zu lassen. Viele wirken müde, und manche sitzen dabei, weil es etwas zu feiern gibt. Da hebt sich plötzlich die Plane des Zelts. Es ist Fikret – mit einem Backblech selbst gebackener Poğacas – türkische Teigtaschen. Sofort kommt Leben in die müde Gruppe, die Gesichter strahlen, und es bildet sich eine Traube um Fikret und sein Backblech. Schnell ist es leer. Fikret: „Wenn ich gewusst hätte, dass hier so viele Jugendliche sind, hätte ich noch ein zweites Backblech gemacht.“

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