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Migration und Integration in Deutschland

Demnach waren die Arbeitgeber bestrebt, diejenigen ausländischen Arbeitnehmer zu halten, die sich in mehrjähriger Beschäftigung bewährt hatten, zumal bei ihnen die Anpassungs- und hier vor allem die Sprachschwierigkeiten … überwunden waren.

Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, 1968

Flüchtlingspolitik

Bundespräsident fordert mehr Engagement für Asylsuchende

Bundespräsident Joachim Gauck fordert Deutschland und die Europäische Union zu mehr Engagement für Schutzsuchende auf. Flüchtlingspolitik habe nicht nur die europäischen Grenzen zu schützen, sondern auch Menschenleben. Die Regierung reagiert zurückhaltend.

Bundespräsident Joachim Gauck unterstrich am Montag in einer eindringlichen Rede, dass er mehr Engagement für Schutzsuchende erwartet. Deutschland und Europa täten nicht so viel, „wie es uns selbst manchmal scheint“, sagte Joachim Gauck beim Flüchtlingsschutzsymposium in Berlin: „Blicken wir nur auf uns selbst, neigen wir nicht selten zur Selbstgerechtigkeit.“

Die Flüchtlingspolitik gewinnt in diesen Tagen, an denen sich wie in jedem Jahr Kirchen und Hilfsorganisationen zum Symposium treffen, an Brisanz. Das zeigte nicht zuletzt der lautstarke Protest von Flüchtlingen und Sympathisanten während der Veranstaltung der Evangelischen Akademie am Montag. Mehr als 51 Millionen Menschen, meldete kürzlich das UNHCR, sind weltweit auf der Flucht. Es sind so viele wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Zudem schockieren immer wieder Meldungen über Flüchtlingstragödien im Mittelmeer. Am Montag berichteten italienische Medien, dass auf einem Boot 30 Leichen entdeckt wurden. Sie waren vermutlich in einem Raum unter Deck erstickt.

Über neue Wege nachdenken
Gauck mahnte: Eine gemeinsame europäische Flüchtlingspolitik habe nicht nur die europäischen Grenzen zu schützen, sondern auch Menschenleben. „Auch die Hohe See ist kein rechtsfreier Raum, auch dort gelten die Menschenrechte“, sagte er und forderte eine Öffnung Europas für Flüchtlinge. Dabei müsse auch über neue Wege im Bereich der Migrationspolitik nachgedacht werden. Es sei zu überlegen, wie mehr Durchlässigkeit zwischen den Zugangswegen „Asyl“ und „Arbeitsmigration“ geschaffen werden könne. Viele der Flüchtlinge, die es bis nach Deutschland geschafft hätten, seien mobil, flexibel, mehrsprachig, leistungs- und risikobereit. Zudem sei Migration zugleich auch „Entwicklungsmotor“.

Dafür erntete der Bundespräsident lauten Applaus der Zuhörer. Pro-Asyl-Geschäftsführer Günter Burkhardt sagte, die Rede sei eine Handlungsaufforderung auch an die deutsche Politik, das Sterben auf dem Meer zu stoppen. Der Vertreter des Hohen Flüchtlingskommissars in Deutschland, Hans ten Feld, begrüßte Gaucks Forderung nach mehr Engagement zur Aufnahme von Flüchtlinge und verwies auf die Lage in Syrien. In den EU-Ländern seien bislang insgesamt rund 100.000 Asylanträge von Syrern gestellt worden. Angesichts der Tragödie des syrischen Volkes, die sich vor den Toren Europas abspiele, „ist das eine eher geringe Zahl“, betonte ten Feld.

Regierung zurückhaltend
Aus der Bundesregierung kamen indes zurückhaltende Töne. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, die Bundesregierung helfe Flüchtlingen nicht nur in Deutschland, sondern auch durch Hilfe und Entwicklungsmaßnahmen in den Herkunftsländern. Ein Sprecher des Innenministeriums verwies auf die deutschen Kontingente für Syrien-Flüchtlinge. Sie sollten Vorbild für andere Länder sein, betonte er.

Die 20.000 Plätze, die Deutschland bereit stellt, sind tatsächlich ein einmaliges humanitäres Aufnahmeprogramm in Europa. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hatte wiederholt erkennen lassen, dass er deshalb nun erst einmal die anderen Staaten Europas in der Pflicht sieht. Der Bundespräsident war da am Montag allerdings anderer Meinung: „Eines sollten wir nicht tun: einander vorrechnen, was erst der andere tun muss, bevor wir selbst uns bewegen.“ (epd/mig)

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Ein Kommentar
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  1. H.P.Barkam sagt:

    Solange der Bundespräsident die unverschämt räuberische Diätenerhöhung nicht durchgewunken hat, wird sich der Großteil des Deutschen Bundestages auch weiterhin mit allzu heftiger Kritik an Herrn Gauck zurückhalten.

    In diesem Sinne



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