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Migration und Integration in Deutschland

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Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister, Anlässlich „50 Jahre deutsch-türkisches Anwerbeabkommen“, 28.03.11, Hannover

Der 1. Juli

Marwa, die Fremde

Seit der Ermordung von Marwa El-Sherbini sind fünf Jahre vergangen. So gut wie gar nichts hat sich seitdem getan, vor allem politisch nichts. Nach wie vor sind Muslime Fremde in diesem Land – ganz offiziell.

Heute vor fünf Jahren wurde Marwa El-Sherbini im Dresdner Landgericht mit 18 Messerstichen getötet. Getrieben wurde der Täter von seinem Hass auf Muslime. Als „Islamistin“ und „Terroristin“ hatte er die Marwa aufgrund ihres Kopftuchs zuvor beschimpft, ihr während des Prozesses die Beleidigungsfähigkeit abgesprochen. Der herbeieilende Polizist hatte instinktiv den südländisch aussehenden Ehemann von Marwa angeschossen anstatt den nichtausländisch aussehenden Täter.

Die Empörung hielt sich zunächst in Grenzen – ein offensichtlich geistig gestörter Einzeltäter hatte eine Frau umgebracht. Politiker wie Medien schwiegen im Chor, von Empörung keine Spur. Erst Wochen später, als der Mord im Ausland hohe Wellen schlug, wurde der Mord in Deutschland ein Thema und die Motivation des Täters offen benannt: Islamfeindlichkeit.

Das Übel hat seitdem einen Namen, nicht amtlich zwar aber immerhin. Nicht amtlich, weil islamfeindliche Straftaten im Katalog des Innenministeriums für politisch motivierte Kriminalität nach wie vor nicht existieren. Solche Straftaten werden – halten Sie sich fest – unter „fremdenfeindlich“ registriert.

Hierbei spielt es keine Rolle, ob das Opfer Ausländer oder Deutscher ist, weiß oder schwarz ist. Mit anderen Worten: Wenn jemand aus islamfeindlichen Motiven heraus getötet wird, wurde er getötet, weil er fremd war. Anders bei Juden. Bei ihnen wird nach antisemitischen Straftaten differenziert. Schließlich gehört das Judentum zu Deutschland. Und der Islam? Der existiert in diesem Sinne überhaupt nicht. Deutschland macht aus Muslimen Fremde – egal, was Bundespräsidenten sagen.

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3 Kommentare
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  1. Simon sagt:

    Vielleicht bin ich ja der einzige, dem das auffällt:
    Nach dem Mord an der Muslima Marwa El-Sherbini gab es in den Zeitungen Fotos von ihr – aber nicht von ihrem Mörder, was normalerweise sonst immer geschieht. Kein Mensch weiß bis heute, wie der deutsche Mörder Alex Wiens aussieht.

    Und dann: Wer war der Polizist, der so zielsicher auf den schwarzhaarigen Ehemann geschossen hat statt auf den hellhäutigen und vermutlich blonden Mörder?
    […]

    Und Überraschung: Der Polizist war kein einfacher Parkwächter, sondern Bundespolizist und ein CDU-Kommunalpolitiker in Hessen!

  2. posteo sagt:

    Der Täter war ein Alexander Wiens. Er wurde als Sohn eines russischen Vaters und einer russlanddeutschen Mutter in der russischen Stadt Perm geboren. Als junger Mann siedelte er mit seiner inzwischen geschiedenen Mutter nach Deutschland um und nahm ihren Mädchen-Nachnamen an.
    Sein Bild findet sich hier:
    […]

    Über die genauen Umstände der Schussverletzung durch den aus Hessen stammenden Polizisten erfährt man hier: http://www.welt.de/vermischtes/article5069620/Alex-W-wollte-von-Polizei-erschossen-werden.html

  3. Mika sagt:

    Dass sich viele Russen als Deutsche betrachten, erstaunt mich immer wieder!

    Und dass Justitia auf dem rechten Auge blind ist, ist trauriger Alltag in Deutschland und Europa!



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