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Migration und Integration in Deutschland

Er [ein Paß] kommt auch nicht auf so einfache Weise zustand wie ein Mensch. Ein Mensch kann überall zustandkommen, auf die leichtsinnigste Art und ohne gescheiten Grund, aber ein Paß niemals. Dafür wird er auch anerkannt, wenn er gut ist, während ein Mensch noch so gut sein kann und doch nicht anerkannt wird.

Bertolt Brecht, Flüchtlingsgespräche, 1940

Sommer-Umfrage

Wen mögen deutsche Urlauber gar nicht

Amerikaner und Italiener sind deutschen Urlaubern zu laut, Chinesen ohne Manieren, Polen betrunken. Schweizer, Österreicher und Japaner hingegen sind beliebt, wie eine repräsentative Befragung herausfand. Und was denken Deutsche über Urlauber aus Deutschland?

DATUM6. Juni 2014

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RESSORTAktuell, Gesellschaft

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Die Sommerferien sind nur noch ein paar Wochen entfernt. Doch wer nicht gerade auf eine einsame Insel verreist, trifft am Urlaubsort auf viele andere Touristen aus aller Herren Länder. Genauso unterschiedlich wie die Herkunftsländer sind die Erfahrungen der deutschen Touristen mit den fremden Urlaubern. Vorurteile und Klischees sind zum Teil weit verbreitet.

Der Reiseveranstalter Urlaubstours wollte es genau wissen und hat über 8.100 Deutsche bevölkerungsrepräsentativ befragen lassen: „Welche Touristen mögen Sie im Urlaub am wenigsten und warum?“ Zur Wahl standen zwölf Nationalitäten: Russen, Briten, Polen, Niederländer, US-Amerikaner, Chinesen, Franzosen, Italiener, Japaner, Österreicher, Schweizer und natürlich die Deutschen selbst.

Deutsche mögen Deutsche nicht
Fakt ist: Mit ihren eigenen Landsleuten möchten 18 % der Befragten im Urlaub nichts zu tun haben. Aber: Auch wenn die Deutschen mit den Russen gerne Geschäfte machen, so sind russische Touristen bei deutschen Urlaubern am unbeliebtesten. 65 % der Befragten haben bereits negative Erfahrungen mit ihnen im Urlaub gemacht. Meistgenannte Störfaktoren: Zu laut (69 %) und zu betrunken (74%). Platz zwei der unbeliebtesten Urlauber belegen die Briten. 42% haben bereits negative Erfahrungen mit „Globetrottern“ aus dem Vereinigten Königreich gemacht. Die Insulaner seien, so die Befragten, ebenfalls zu betrunken (80 %), zu laut (66 %) und hätten schlechte Manieren beim Essen (40 %).

Auf dem dritten Platz der „Unbeliebtheits-Skala“ folgen mit rund 29 % Touristen aus Polen. Hauptärgernis: zu betrunken (46 %) und zu laut (37 %). Platz vier geben sich die deutschen „Touris“ (18 %) selbst. An ihren eigenen Landsleuten lassen die deutschen Befragten kein gutes Haar: Sie besetzen Sonnenliegen (69%) und sind unhöflich (47 %).

Beliebt sind Österreicher
Auf Platz fünf landen die Niederländer mit 15%. Wie nicht anderes zu erwarten, empfinden die Befragen die Touristen aus dem „Grachten-Land“ als zu laut (49 %) und zu betrunken (31 %). Mit den sehr häufig im Karibik-Urlaub anzutreffenden US-Amerikanern haben fast 15% der Befragten negative Erfahrungen gemacht. Sie seien zu laut (46 %) und zu unhöflich (31 %). Die Chinesen (Platz sieben, 12,5 %) haben, so die Befragten, schlechte Manieren beim Essen (38 %) und seien unsympathisch (26 %).

Franzosen und Italiener kommen als unbeliebte Touristen auf 11,7 % und 11,3 %. Besonders negativ fielen unhöfliche (44 %) und unsympathische (40 %) Franzosen (44 %) und zu laute (55 %) und aufdringliche (44 %) Italiener auf.

Beliebt bei deutschen Touristen sind hingegen die Schweizer. 96 % der Befragten können sich an keine schlechten Erfahrungen mit den Eidgenossen erinnern. Gerne teilen sich die „teutonischen Urlauber“ das Hotel, die Sonnenliegen oder die Restaurants auch mit Österreichern (93 % ohne negative Erfahrungen) und Japanern (92 %). (hs)

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9 Kommentare
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  1. Fritz Goergen sagt:

    Die Befragten merkten wohl nicht, dass es sich bei ihren Erlebnissen nicht um die Begegnung mit Nationalitäten handelte, sondern um Urlaubstypen: Mit Einzelnen kommt man fast immer gut aus. In Gruppen sind die Leute oft ungenießbar, egal von wo.

  2. Italo sagt:

    Amerikaner und Italiener sind deutschen Urlaubern zu laut, Chinesen ohne Manieren, Polen betrunken. Und die Deutschen vereinen alle diese Eigenschaften gleichzeitig in sich. Die mag ich im Urlaub am wenigsten.

  3. Stimme sagt:

    Interessant ist nur, dass Deutsche gutes Benehmen von in DE lebenden Ausländern erwarten, doch im Ausland sind deutsche Urlauber für schlechtes Benehmen bekannt…

  4. global player sagt:

    Oh Mann, ich finde diese Pauschalurteile schon ziemlich rassistisch. Aber an anderer Stelle Toleranz bis zum geht nicht mehr einfordern, gelle Stimme? Und Italo, warum lebt er in diesem Land, wenn er die Menschen nicht mag? Ach, er mag sie nur im Urlaub nicht, na dann. Peinlich!

  5. huni sagt:

    “ Und Italo, warum lebt er in diesem Land, wenn er die Menschen nicht mag? Ach, er mag sie nur im Urlaub nicht, na dann. Peinlich!“

    muss er denn die menschen unbedingt mögen ??? muss er wegen den menschen hier sein ? vielleicht verdient er sein geld hier ! oder geht seinen geschäften hier nacht

  6. Sinan A. sagt:

    In keinem anderen Land in Europa habe ich schlechtere Erfahrungen gemacht als in der Schweiz. Und ich bin rumgekommen, Ich weiß, wovon ich schreibe. So eine grundlose Feindseligkeit wie in der Schweiz habe ich nirgendwo anders erlebt.

    Konsequenz aus dem Erlebten: Schweizer Produkte kaufe ich nicht, und ich empfehle auch jedem anderen, Schweizer zu meiden.

  7. Gero sagt:

    Stimme: Interessant ist nur, dass Deutsche gutes Benehmen von in DE lebenden Ausländern erwarten, doch im Ausland sind deutsche Urlauber für schlechtes Benehmen bekannt…

    Sinan: Schweizer Produkte kaufe ich nicht, und ich empfehle auch jedem anderen, Schweizer zu meiden.
    ______________

    Wer nicht weiß, was Rassismus und Vorurteile sind – oben gibt es ein paar schöne Beispiele. ich könnte über kein Land derartige Pauschalurtele abgebeben – und mittlerweile habe ich fast 90 Länder auf dem bereist, viele davon mehrfach…

  8. Kolibri sagt:

    @huni
    „muss er denn die menschen unbedingt mögen ???“

    Muss er nicht, aber er sollte sich dann auch nicht wundern, wenn ihm ähnliche Ablehnung entgegengebracht wird!

  9. global player sagt:

    Gero, ich sage es ja. Unsere Ausländer hier fordern Toleranz an jeder Ecke, nur selber, tja, siehe Aussagen. Aufruf zum Boykott, Aufruf zur Diskriminierung. Vertauschen Sie mal „Schweizer“ mit „Türke“…. ohne Worte.



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