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Migration und Integration in Deutschland

Bei dem Lebensalter der ausländischen Arbeitnehmer wirkt sich das z. Z. vor allem für die deutsche Rentenversicherung sehr günstig aus, weil sie weit höhere Beiträge von den ausländischen Arbeitnehmern einnimmt, als sie gegenwärtig an Rentenleistungen für diesen Personenkreis aufzubringen hat.

Ludwig Kattenstroth, Staatssekretär im Arbeitsministerium, März 1966, Bundesvereinigung der Dt. Arbeitgeberverbände, 1966

Winter auch in Syrien

„Sie dürfen nicht mehr Kinder sein“

Während wir in Deutschland darüber debattieren, ob die Aufnahme von 5.000 syrischen Flüchtlingen genug ist, bricht in Syrien der Winter ein. Nasreen Ahmadi sprach mit Sahin Kotan, einem humanitären Helfer von „Kindertränen“. Er war noch vor wenigen Tagen in Syrien.

VONNasreen Ahmadi

Die Verfasserin (22) hat einen afghanischen Migrationshintergrund. Sie studiert Wirtschaftswissenschaften und Islamische Studien an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Neben dem Studium ist sie ehrenamtlich in dem Verein InteGREATer e.V. aktiv, denn sie glaubt, dass Integration nur durch Bildung zustande kommt.

DATUM18. Dezember 2013

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RESSORTAusland, Interview, Leitartikel

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Der Winter ist eingebrochen. Wurden Vorkehrungen getroffen und sind die Flüchtlinge ausreichend geschützt?

Kotan: Nein, das sind die Menschen leider nicht. Sie waren schon vor dem Wintereinbruch nicht ausreichend versorgt. Die Menschen, die schon bei der Bewältigung von Hunger und Armut vor großen Problemen stehen, haben jetzt noch ein weiteres Problem. In den Zelten aus Latten, Planen und vernähten Plastiksäcken sind sie nicht vor dem Winter geschützt. Letzten Winter sind viele Menschen erfroren, darunter sehr viele kleine Kinder und ältere Menschen. Besonders schwer haben es die neuankommenden Flüchtlingsfamilien. Viele von ihnen mussten ihr ganzes Hab und Gut zurücklassen. In den ersten Wochen haben diese Familien noch nicht einmal ein Zelt, geschweige denn Decken. Diese Flüchtlinge sind dem Schnee, den eisigen Regenschauern und dem Frost komplett ausgesetzt. Es ist schrecklich, zusehen zu müssen, dass Kinder zitternd unter dem Frost leiden und den Winter so nicht überleben werden. Der massive Ausbau der humanitären Hilfe ist mit dem eiskalten Wintereinbruch deshalb noch dringender erforderlich.

In den Medien wird davon berichtet, dass in den Camps die Mädchen von reichen arabischen Scheichs gekauft werden. Wie viel Wahrheit steckt dahinter und was erzählen Ihnen die syrischen Flüchtlinge?

Kotan: In Zataari ist das sehr stark der Fall und inzwischen ist das auch kein Geheimnis mehr. Im syrisch-türkischen Grenzgebiet wird ebenfalls von solchen Vorfällen berichtet. Einer der Plätze, wo diese Eheschließungen stattfinden, wurde mir gezeigt. Mädchen aus Syrien werden zunehmend in eine Zwangsheirat mit Ausländern gedrängt. Meist sind das aus der Not heraus entstandene Eheschließungen. Die Frauen und Mädchen sind in einer sehr schlimmen Situation und werden vor eine schwere Wahl gestellt. Es ist unglaublich, dass Ehevermittler die Not der Flüchtlinge aufs Rücksichtsloseste ausnutzen und sich damit bereichern. Die Brautschau unter den Flüchtlingen gleicht mehr einem Menschenhandel als einer freien Zukunftsplanung. Deshalb enden die Hochzeiten auch oftmals nicht gut.

Was konnte Sie aus ihrem Aufenthalt mitnehmen und was hat Sie am meisten bewegt?

Kotan: Das Gesehene und das Erlebte ist nicht spurlos an mir vorbei gegangen. Das Leiden der Kinder – mittlerweile gibt es 1,1 Millionen syrische Flüchtlingskinder – hat mich sehr berührt. Wie sie auf den Straßen mit hauchdünnen Kleidern, auf sich allein gestellt, den Lebensunterhalt ihrer Familien bestreiten müssen, werde ich nicht vergessen können. Sehr viele Flüchtlingsfamilien müssen ohne Vater zurechtkommen. Die Erkenntnis, dass für viele Menschen diese schlimme leidvolle Lebensweise normal geworden ist, macht es noch schrecklicher. Wenn nicht schnell etwas geschieht, wächst eine ganze Generation unter einem Trauma und ohne Bildung heran. Je länger dies anhält, desto fürchterlicher sind die Langzeitfolgen des Krieges in Syrien.

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2 Kommentare
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  1. Edith Hofmann sagt:

    Könnten Sie zum Beispiel nicht mehr gebrauchte Herzmedikamente (hoher Blutdruck, eingeschweisst, nicht abgelaufen brauchen? Wohin schicken oder bringen? Es fehlt mir überhaupt eine Adresse, auch für Spenden?

  2. […] Interview wurde für das Migazin geführt. http://www.migazin.de/2013/12/18/sie-duerfen-nicht-mehr-kinder-sein/ Kindertränen e.V. ist ein humanitärer Hilfsverein aus Frankfurt am Main, eine Zusammenkunft […]



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