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Viele wollen sich aber nicht entscheiden. Da schlagen zwei Seelen in ihrer Brust. Lassen wir doch beide Herzen schlagen! Wir brauchen die jungen Leute.

Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) über die doppelte Staatsbürgerschaft, Neujahrsempfang am 17. Januar 2010

Satire unter uns

Interview mit Bundeskanzlerin Angela Merkel

Ob doppelte Staatsbürgerschaft oder das kommunale Wahlrecht für Nicht-EU-Ausländer. Bundeskanzlerin Angela Merkel im 4-Augen-Gespräch mit dem MiGAZIN über den Verlauf der bisherigen Koalitionsverhandlungen mit der SPD und den Grünen und ihre Strategie für die Zukunft.

MiGAZIN: Liebe Frau Bundeskanzlerin, sie befinden sich mitten in den Koalitionsverhandlungen mit der SPD und den Grünen. Wie läuft’s denn?

Angela Merkel: Kann mich nicht beschweren. Unter uns: Zu meiner Überraschung läuft‘s besser, als ich dachte. Ein kleiner Kompromiss hier, ein Ministerposten da… es wird schon.

MiGAZIN: Was überrascht Sie?

Angela Merkel: Na schauen Sie mal. Wegen dem Abgang der FDP sind wir ja auf SPD oder Grüne angewiesen. Eigentlich könnten die uns abzwacken, was die wollen.

MiGAZIN: Zum Beispiel…

Angela Merkel: Na beispielsweise die doppelte Staatsbürgerschaft. Mal unter uns: Eigentlich sind wir ja am Ende mit unserem Latein in dieser Frage. Das Loyalitätsargument nimmt uns ja sowieso niemand mehr ab bei über 50 Prozent Doppelpassquoten bei Neueinbürgerungen. Nur noch einige wenige Ewiggestrige ein paar Reihen hinter mir träumen noch davon.

Jetzt könnten SPD und die Grünen uns ja mal in die Ecke drängen in dieser Frage und wir müssten ja der Koalition wegen „notgedrungen“ zustimmen – Staat geht schließlich vor, ohne unser Gesicht zu verlieren. Und dann könnten wir das leidige Thema ein für alle Mal begraben. Aber da kommt nichts. *kopfschüttel*

MiGAZIN: Wie meinen Sie das?

Angela Merkel: Nun, das Thema spielt keine Rolle. Als ich das Thema mal vorsichtig zur Sprache bringen wollte, hat Gabriel mich forsch unterbrochen *Die Raute löst sich das erste und letzte Mal*, wir hätten Wichtigeres zu besprechen.

MiGAZIN: Was glauben Sie, wieso umgeht die SPD das Thema?

Angela Merkel: Das haben die sich selbst eingebrockt mit dem kleinen Parteitag. Die wollen ja nach den Sondierungsgesprächen die Basis entscheiden lassen, ob eine große Koalition zustandekommen soll. Und ich glaube – so meine Vermutung, dass die mit der doppelten Staatsbürgerschaft in der Basis einfach keine Punkte holen. Die tun immer nur so.

MiGAZIN: Wie sieht’s mit dem kommunalen Wahlrecht für Ausländer aus? Wurde das schon angesprochen.

Angela Merkel: Ja, das schon, aber nur am Rande. Aber das kommt uns nicht in die Tüte. Dafür ist’s noch zu früh. Darüber können wir uns nach der nächsten Wahl unterhalten.

MiGAZIN: Wieso nach der nächsten Wahl?

Angela Merkel: Ist doch einfach. Würden wir das jetzt einführen, würden wir alle anstehenden kommunalen Wahlen in den Ballungsgebieten verlieren, wo die meisten Ausländer leben. Ich verrate Ihnen mal meine Strategie, wenn es unter uns bleibt: So wie sich SPD und die Grünen bisher anstellen, werden die ihre Wähler mit Migrationshintergrund verlieren – und zwar alle, das sage ich Ihnen. Und wenn diese Wähler aus Enttäuschung endlich rübergewechselt sind zu uns, können wir das Kommunalwahlrecht und von mir aus auch das generelle Wahlrecht einführen.

MiGAZIN: Frau Bundeskanzlerin, vielen Dank für das Gespräch.

Angela Merkel: Bleibt aber unter uns, oder?

MiGAZIN: Aber klar doch, Frau Bundeskanzlerin.

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