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Migration und Integration in Deutschland

Es wird selbstverständlich sein, dass jemand Mehmet heißt und nicht Hans – wir halten das aus.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), Deutsche Presse-Agentur (18.01.2013)

Focus Online

Wie man mit Zahlen Stimmungen erzeugt

Es kommt immer wieder vor, dass Medien auf der Suche nach Schlagzeilen gerne mal übertreiben oder bedrohliche Szenarien konstruieren – manchmal so gut verpackt, dass man das Spiel nicht durchschaut. Wie man es schlecht macht, zeigt Focus Online – zu Lasten von Bulgaren und Rumänen.

Focus Online berichtet, dass sich die Zahl der Armutszuwanderer aus Bulgarien und Rumänien verdreifacht hat und gibt damit Innenminister Friedrich Recht, der zurzeit unermüdlich davor warnt, dass Migranten aus Rumänien und Bulgarien die Sozialsysteme belasten. Verdreifacht? Klingt dramatisch! 0,5 Prozent – klingt das ebenso dramatisch? Eher nicht.

So winzig ist aber der Anteil der Rumänen und Bulgaren an der Gesamtzahl derer, die in Deutschland Hartz IV beziehen. 22.000 Rumänen und Bulgaren sind das – von insgesamt über 300.000 Rumänen und Bulgaren, die zurzeit in Deutschland leben. Und „verdreifacht“ haben sich die Zahlen – aber nicht innerhalb eines Jahres, wie man nach Lektüre der Focus-Überschrift zunächst mutmaßen könnte, sondern seit Beitritt der beiden Länder zur EU im Jahr 2007.

Zahlen hoch übertrieben
Mit anderen Worten: Es gibt verschwindend wenige Hartz-IV-Bezieher aus Rumänien und Bulgarien. Oder wie es die EU-Kommission am Mittwoch gesagt hat: Die Zahlen zur Armutszuwanderung nach Deutschland sind „hoch übertrieben“.

Übrigens: Der Focus-Online-Text, der am Dienstag erschienen ist, wärmt einen Artikel der Süddeutschen Zeitung (SZ) auf vom 3. Mai 2013 auf. Warum? Weil es sich so gut integrieren lässt in die von Innenminister Friedrich inszenierte Debatte. Und damit keinem auffällt, dass der SZ-Artikel fünf Monate alt ist, wird er im Focus-Text konsequenterweise auch nicht verlinkt. Sonst könnte man ja auf den ersten Blick sehen, mit welch fragwürdigen Methoden Focus hier „Journalismus“ simuliert.

Überlesen
Dazu passt, dass Focus Online praktisch alle Zahlen des SZ-Beitrags, auf den sich der Focus-Beitrag nach eigenen Angaben bezieht, nach oben hin übertreibt – und den letzten Satz des SZ-Artikels geflissentlich überlesen hat, in dem eine Mitarbeiterin der Bundesagentur für Arbeit mit der Aussage zitiert wird: „Angesichts der sehr überschaubaren niedrigen Größenverhältnisse besteht aber überhaupt kein Anlass, Alarm zu schlagen.“ Es sei denn, man arbeitet bei Focus Online.

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2 Kommentare
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  1. Heinrich sagt:

    Egal ob links (Migazin) ode rechts (Focus), alle tunen ihre Zahlen doch so, dass die Meinung wiedergespiegelt wird, die man gerade verteten will/muß. Das ist nichts neues, deshalb gibt es ja auch das Zitat von Gorbatschov: „Glaube keiner Statisitk die du nicht selbst gefälscht hast“

    Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen, aber aufjedenfall außerhalb unserer Ideologen mit Tastaturen!



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