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Migration und Integration in Deutschland

Bei dem Lebensalter der ausländischen Arbeitnehmer wirkt sich das z. Z. vor allem für die deutsche Rentenversicherung sehr günstig aus, weil sie weit höhere Beiträge von den ausländischen Arbeitnehmern einnimmt, als sie gegenwärtig an Rentenleistungen für diesen Personenkreis aufzubringen hat.

Ludwig Kattenstroth, Staatssekretär im Arbeitsministerium, März 1966, Bundesvereinigung der Dt. Arbeitgeberverbände, 1966

Deutschlands Akademiker

Fast jeder zehnte Hochschulabsolvent ein Ausländer

Von den rund 413.000 Hochschulabsolventen des Jahres 2012 waren 39.600 Ausländer. Im Vorjahresvergleich ist das ein Plus von 3,4 Prozent. Das geht aus aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor.

Im Prüfungsjahr 2012 erwarben 413.300 Absolventen einen Hochschulabschluss an deutschen Hochschulen. Wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilt, hat sich damit die Zahl der Hochschulabsolventen im Vergleich zum Prüfungsjahr 2002 nahezu verdoppelt. Damals hatten 208.606 Absolventinnen und Absolventen ein Studium erfolgreich abgeschlossen.

Der starke Anstieg der bestandenen Prüfungen ist – neben erhöhten Studienanfängerzahlen – maßgeblich von der Bologna-Reform beeinflusst. Wegen der Umstellung auf das System der gestuften Studiengänge können Studierende ihr Studium mit dem Bachelor schneller abschließen. Außerdem erwerben viele Studierende zuerst einen Bachelor- und anschließend einen Masterabschluss – in der Folge erhöht dies die Zahl der Abschlüsse insgesamt deutlich. Während es 2002 nur 1.000 Bachelor- und 2.200 Masterabschlüsse gab, waren es 2012 rund 183.200 Bachelor- und 58.600 Masterabschlüsse.

Mehr ausländische Absolventen
Dieser allgemeine Anstieg verlief nach Recherchen des MiGAZIN auf Grundlage weiterer Zahlen des Statistischen Bundesamtes bei ausländischen Absolventen ähnlich: Absolvierten im Jahre 2002 nur 1.254 Studenten die Hochschule mit einem Bachelor- oder Masterabschluss, waren es im Jahr 2012 schon fast 24.000. Insgesamt waren im vergangenen Jahr von den rund 413.300 Hochschulabsolventen rund 39.600 oder 9,3 Prozent Ausländer. Im Jahr davor absolvierten noch 38.300 ausländische Studenten eine deutsche Hochschule (Plus 3,4 %).

Hochschulabsolventen mit ausländischem Pass an deutschen Hochschulen 1993 - 2012 Quelle: Statisitisches Bundesamt © Berechnungen MiGAZIN

Hochschulabsolventen mit ausländischem Pass an deutschen Hochschulen 1993 – 2012
Quelle: Statisitisches Bundesamt © Berechnungen MiGAZIN

Im Prüfungsjahr 2012 erwarben Absolventen mit einer deutschen Staatsbürgerschaft mit einem Anteil von 41,4 % am häufigsten einen Bachelorabschluss. An zweiter Stelle standen die traditionellen universitären Abschlüsse mit 17,3 %, gefolgt von Masterabschlüssen mit 11,3 %. Eine Lehramtsprüfung legten 9,2 % der Absolventen erfolgreich ab, 5,5 % erwarben eine Promotion und 5,7 % erreichten einen herkömmlichen Fachhochschulabschluss.

Ausländer studieren häufiger Ingenieurwissenschaften
Anders viel die Aufteilung unter den ausländischen Absolventen aus: Zwar erwarben auch sie mit einem Anteil von 30,7 % am häufigsten einen Bachelorabschluss, doch folgte knapp dahinter schon der Masterabschluss (29,7 %). An dritter Stelle rangiert der traditionelle Universitätsabschluss (21,8 %) gefolgt von Promotionen (10,4 %). Einen Fachhochschulabschluss erwarben knapp 5,6 Prozent der ausländischen Absolventen und vergleichsweise wenige (1,8 %) legten eine Lehramtsprüfung ab.

Unterschiede zwischen deutschen und ausländischen Absolventen gab es auch in Bezug auf die Fachrichtung: Zwar absolvierten sowohl deutsche (32,6 %) als auch ausländische Absolventen (29,6 %) am häufigsten eine der Fachrichtungen Rechts-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, doch folgten bei deutschen Absolventen (18,2 %) Sprach- und Kulturwissenschaften, wohingegen Ausländer zu knapp 25 % Ingenieurwissenschaften abschlossen.

Top Herkunftsländer: China und Türkei
Die meisten ausländischen Hochschulabsolventen hatten eine chinesische Staatsangehörigkeit (4.900) und machten 12,4 % aller ausländischen Akademiker aus. Es folgten Türken (3.000 bzw. 7,5 %), Russen (2.200 bzw. 5,6 %) sowie Polen, Österreicher und Ukrainer mit etwa 1.500 bzw. 4 %. (bk)

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2 Kommentare
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  1. Han Yen sagt:

    Ein informativer Artikel ! Jedoch wird man mit Data Journalism nicht zum Debattenführer. In der Wissenschaft debattiert man seit Jahrzehnten über Diaspora Skills Networks, Brain Circulation, Global Knowledge Flows etc. Diese Themen haben Konjunktur in den supranationalen Institutionen der Nationalstaaten. Wie immer ist Deutschland Schlusslicht, wenn es um wissenschaftliche und populäre Debatten geht. Viele Nationalstaaten haben inzwischen virtuelle Universitäten errichtet. Bekannt sind die Open MIT, Open Yale,… Kurse der Ivy League. Indien hat ein umfassendes Programm für distant learning in den Bereichen engineering, social science, management, chemistry,… Nicht zu sprechen von Südkorea, Singapur etc. Anhand der Analyse von Patentinhabern kann man sehr genau sehen, wo Immigranten intellektuelles Eigentum produzieren – vor allem an den angelsächsischen Universitäten. Die Bill Gates Foundation finanziert die Khan Academy in der Produktion von Nachhilfevideos in allen wichtigen Sprachen. UNO, Weltbank und Auswanderungsstaaten streamen zum Teil ihre Vorstellungen zur Diaspora Politik. Überall entstehen Geschäftsmodelle für private virtuelle Universitäten. In dieser neuen Welt der digitalen Wissensallmende kommen so viele neue Ideen und Konzepte zu den Diasporas in der BRD, so dass ich gar nicht verstehen kann, weshalb die alten Kulturzentren nicht schon längst ihr Programm umgestellt haben. Es gibt nicht einmal zarte Stimmen, die Integrationskurse, Citizenship Education in die digitale Wissensallmende befördern wollen. Einzig die Amerikaner streamen die Debatten ihrer Asian Anmerican, African American und Hispanic American Studies und lassen die Immigranten zu Wort kommen. Die BRD kann noch immer ihr unsinniges Integrationskursprogramm durchziehen. Die Citizenship Education Programme der Nationalstaaten müssen ins Netz, weil man dann sehen kann, was die BRD für eine skurrile Praxis mit den Integrationskursen hat. Der Vergleich ist erhellend. Hinzu kommen Pläne eine weltweite Digitale Bibliothek in allen Sprachen zu schaffen. Man kann also hoffen, dass die kulturelle Hegemonie der Dominanzgesellschaft sich wandeln wird.

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