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Ein Besuch bei Eltern schwarzer Kinder in Berlin

Die KiTa Kwetu ist eine vorurteilsfreie Zone. Sie ist ausgestattet mit Spielzeug und Büchern, in denen sich alle Kinder wiederfinden können. Hier haben 70 Prozent der Kinder mindestens einen schwarzen Elternteil.

VONSybille Biermann

 Ein Besuch bei Eltern schwarzer Kinder in Berlin
Die Verfasserin arbeitet als freie Journalistin und wissenschaftliche Assistentin in Berlin und verwirklicht nebenher eigene Projekte.

DATUM25. April 2013

KOMMENTARE8

RESSORTGesellschaft, Leitartikel

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„Ich denke es ist ganz wichtig und das sage ich auch den Frauen in meinen Kursen, erst einmal das ungute, manchmal auch diffuse Gefühl zu spiegeln, und den Kindern nicht zu vermitteln, dass sie sich das einbilden oder übertreiben.“ Genau dieses „du übertreibst“ ist einem in der Kinderbuchdebatte begegnet, so werden Rassismusvorwürfe als Empfindsamkeit der Betroffenen abgewehrt, weiß Tupoka. Aus dieser Erfahrung heraus entsteht dann oftmals ein Gefühl der Ohnmacht. Genau hier setzt sie in ihren Seminaren an. „Die Mütter kommen alle mit dem Bedürfnis, konkrete Strategien zu entwickeln. In meinen Workshops versuchen wir dann gemeinsam ein möglichst großes Repertoire an Reaktionsmöglichkeiten zu erarbeiten.“ Oftmals geht es dabei um Gespräche mit Lehrern.

„Ein Beispiel war, als ein Kind in der Schule mit dem N-Wort beschimpft wurde. Die ersten Male hatte der Junge noch nichts gesagt, beim vierten und fünften Mal hat er sich lautstark gewehrt und wurde daraufhin von der Lehrerin rausgeschmissen. Ein Freund des Jungen ist aufgestanden und hat gesagt: Hey, der wurde rassistisch beleidigt und hat sich nur gewehrt. Daraufhin wurde auch er rausgeschmissen und beide haben eine Strafarbeit bekommen.“ Als die Mutter des schwarzen Jungen zum Gespräch mit der Lehrerin und der Rektorin ging, stieß sie auf wenig Einsicht. Stattdessen sagte man ihr: „Das ist doch gut für ihr Kind, da kann es schon mal trainieren, das ist ja das Leben das ihn erwartet.“

Dass Literatur für Kinder prägend ist, hat Tupoka selbst erlebt. „Kinder fangen ganz früh an, sich selber zu suchen in Kinderfilmen, Büchern und so weiter. Mein Lieblingsbuch war Jim Knopf, einfach weil da ein schwarzer Junge war. Das war dann so paradox und auch fies, dass da gleich zu Anfang stand, das ist ein N-Baby. Das hat mir Bauchschmerzen gemacht. Aber ich hab drüber weggelesen, weil es mir so wichtig war, dass endlich mal eine schwarze Person auftaucht, die auch eine aktive Rolle hat, die der Held der Geschichte ist.“

Heute sorgt sie als Mutter dafür, dass ihre Söhne Literatur und Filme konsumieren, in denen sie sich positiv wiederfinden können und versucht auch, das im Kindergarten ihres Jüngsten anzuregen. „Auch für weiße Kinder ist es wichtig, dass schwarze Kinder vorkommen, damit auch sie nicht das Gefühl bekommen, dass schwarze Menschen nicht zur deutschen Gesellschaft gehören und damit sich die Klischees und Stereotypen nicht auch noch in die nächsten Generationen fortsetzen.“

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8 Kommentare
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  1. Bei Interesse an den Eltern- Workshops und den anderen Angeboten von Tupoka Ogette findet Ihr hier weitere Informationen und Kontaktmöglichkeiten: http://www.tupokaogette.de ! Ich habe selbst bereits an einem solchen Workshop teilgenommen hier in München und ich war absolut begeistert,bewegt und dankbar für die vielen Tipps die ich bekommen habe, die Strategien die wir entwickelt haben und vor allem die offene, humorvolle und energetische Art von Tupoka! Kann ich unbedingt weiterempfehlen!!!

  2. lourde sagt:

    „Durch ihre eigenen Erlebnisse, aber auch ihre Erfahrungen als Mutter war das Thema Alltagsrassismus stets präsent in ihrem Leben“

    Wie gut (und es ist gut), das es in Deutschland, und ich denke, auch in vielen westlichen Staaten solche Einrichtungen/Möglichkeiten gibt.
    Aber „Alltagsrassismus“ ?

    Wie es in der nicht westlichen Welt, insbesondere in der arabischen Welt aussieht, beschreibt ein aktueller Artikel auf Qantara:

    http://de.qantara.de/In-der-arabischen-Welt-gelten-wir-Afrikaner-als-Muslime-zweiter-Klasse/20979c23290i0p94/index.html

  3. Anne sagt:

    Ja, ganz toll, der Artikel über schwarze Muslime, aber das schmälert den Alltagsrassismus hierzulande nicht. Was soll diese Relativierung? Wer nicht direkt betroffen ist, macht sich keine Vorstellung von den Ausmaßen vor allem von subtilem und „nett gemeintem“ Rassismus. Und auch wenn man jemanden kennt, der jemanden kennt, der schwarz ist, aber irgendwie ganz wunderbar klar kommt und/oder das nicht so schlimm findet, schmälert das den zugefügten Schmerz nicht, schon gar nicht, wenn er Kindern zugefügt wird.

  4. jak sagt:

    Bin ich eigentlich der einzige der die (unfreiwillige?) Komik dieses Beitrags bemerkt?

  5. […] darauf gelegt wird, dass sich alle Kinder auch bei Spielzeug und in Büchern wiederfinden. Migazin war zu Besuch und hat sich mit Eltern u.a. über alltäglichen Rassismus […]

  6. ila sagt:

    Sehr tolle Idee! Ich hätte mir als Kind gar nicht vorstellen können, das es auch andere afrodeutsche Kinder in meinem Alter gäbe. Als Mutter würde ich mir wünschen, meinem Kind ein diverses Umfeld bieten zu können.

  7. Birbu sagt:

    Mir scheint es ein rassistisches Konzept zu sein. Die Hautfarbe als identitätsstiftendes Merkmal zu benutzen ist ganz klar Rassismus.

    Was würde denn zu einem rein „Weissen“ Kindergarten gesagt werden, der dies als Aufnahmekriterium angibt?

    Das ist der falsche Weg

  8. Oenone sagt:

    Das mit dem Kindergarten ist eine tolle Idee. Traurig finde ich aber, dass es immer noch nötig ist.

    @Birbu: Wo in dem Artikel steht denn drin, dass die Hautfarbe ein Aufnahmekriterium ist? Das lese ich nirgendwo.



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