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Migration und Integration in Deutschland

Niemand lässt sich so gut ausbeuten wie Mitglieder einer Gemeinschaft, die ohne Hilfe der anderen in Deutschland nicht überleben können – illegal und ohne Sprachkenntnisse.

Neske/Heckmann/Rühl, Menschenschmuggel, 2004

Brückenbauer

Was tun, damit Theater überleben können? Sie müssen umdenken.

Die Theater haben es schwer. In einer Welt voller Satelliten-Fernsehen, 3D-Kinos und Videospielen entscheiden sich immer weniger Menschen für einen Theaterbesuch. Der demografische Wandel entspannt die Situation auch nicht, und so experimentieren die Marketingabteilungen der Schauspielhäuser neuerdings mit grellen Flyern und überdimensionierten Plakaten für neue Stücke, im Wettbewerb um neue Kundschaft.

VONArzu Değirmenci

 Was tun, damit Theater überleben können? Sie müssen umdenken.
Die Autorin war Teilnehmerin des Thalia Pfadfinder Programms 2011/2012. Sie ist 29 Jahre alt und hat in Hamburg und Manchester Politik-und Islamwissenschaft studiert. Sie arbeitet in Hamburg in einer Migrantenorganisation als Projektmitarbeiterin und schreibt für das Forum der Brückenbauer, ein multiethnisches und multikonfessionelles Netzwerk von Führungskräften aus Migrantenverbänden, die sich in vielen Kommunen, auf Länder- und Bundesebene für Integration engagieren. Hervorgegangen ist das Forum aus dem Teilnehmerkreis des Leadership-Programms der Bertelsmann Stiftung für junge Führungskräfte aus Migrantenorganisationen. Das Forum versteht sich als visionärer, multiperspektivischer Impulsgeber zur Verwirklichung einer Gesellschaft, in der allen Menschen klar ist: „Es geht um die eine Gesellschaft, in der wir alle leben! Es geht um unsere gemeinsame Zukunft!“

DATUM8. März 2013

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RESSORTAktuell, Meinung

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Das Thalia-Theater in Hamburg hat es vorgemacht. Vor fast drei Jahren wurde die Thalia-Pfadfinder-Generation ins Leben gerufen, ein Förderprogramm für junge Erwachsene mit Migrationshintergrund. Das Ziel des zweimonatigen Programms ist es, einen Einblick hinter die Theaterkulissen zu bekommen und gemeinsam mit Dramaturgen, Regieassistenten und Schriftstellern über Stücke und Protagonisten zu philosophieren und zu diskutieren.

Mit Erfolg: Die Pfadfinder bloggen fleißig zum Lessing-Festival über nationale und internationale Stücke, die sie sonst nur schwer zu Gesicht bekämen. Dass Theater nicht verstaubt und antiquiert sein muss, zeigen die lebensweltlich nahen Themen. So dreht sich alles während der Lessing-Tage, die unter dem Motto „Um alles in der Welt“ veranstaltet werden, um die Themen Kultur, Toleranz und Religion. Diese Themen wurden vor 200 Jahren von dem deutschen Schriftsteller und Vordenker Gotthold Ephraim Lessing in seinen Werken behandelt und sie sind heute mindestens genauso aktuell wie damals. Das sind die Themen, die junge Leute erreichen, Themen, die sie an ihre Lebenswelt anknüpfen können.

Dem Thalia-Beispiel sollten auch andere Theater folgen, wenn sie weiterhin Zuschauer in den ersten Reihen sitzen haben möchten. Schon jetzt fehlen die Dauer-Abonnenten, die mit ihren Eintrittsgeldern zum Bestehen der Ensembles beitragen. Umdenken bedeutet also, neue Zielgruppen zu gewinnen. Zielgruppen wie junge Menschen mit Migrationshintergund, denn in deutschen Großstädten wie Berlin, Hamburg oder Stuttgart hat jedes zweite Kind unter sechs Jahren einen Migrationshintergrund.

Aber nicht in jedem Haushalt mit Migrationshintergrund stehen Goethe oder Schiller im Bücherregal. Dort finden wir andere Bücher, wie die des türkischen Schriftstellers Zülfü Livaneli oder des iranischen Lyrikers Ahmad Shamlou. Warum werden also die klassischen Stücke so wie immer gespielt, zumal sie nur wenige Migrantenfamilien ansprechen? Dazu gehört auch, dass man durchaus hinterfragen sollte, ob Faust und Gretchen nicht auch von Menschen mit Migrationshintergrund gemimt werden können. Und was ist mit den Regisseuren, deren zweite Muttersprache nicht gleich Englisch, Französisch oder Niederländisch ist, sondern Farsi, Türkisch oder Arabisch?

Dass zwischen „deutscher Bühne“ und „Migrant“ keine unüberwindliche Kluft liegt, zeigt das Beispiel des Thalia-Theaters. Viele Thalia-Pfadfinder fühlen sich nach dem Förderprogramm auch mit der Hochkultur verbunden und engagieren sich weiter ehrenamtlich im Thalia-Theater. Darauf ließe sich aufbauen: Eine stärkere Zusammenarbeit und Patenschaften der Theater mit Schulen und Universitäten würde zu einer neuen und bunten Generation von Theater-Liebhabern beitragen und zukünftig neue Abonnenten für die ersten Reihen sichern.

Hochkultur-Liebhaber könnten mit Spenden die Zusammenarbeit unterstützen und so ihren Beitrag dafür leisten, dass auch neue deutsche Generationen alte deutsche Traditionsstücke kennenlernen.

Umdenken und Mut, das benötigt die Theaterlandschaft, um überleben zu können.

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Ein Kommentar
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  1. Ayse Seelert sagt:

    Die meisten Jugendlichen gehen heute gerne ins Kino. Viele von Ihnen waren noch nie im Theater. Die Theater-Kultur ist Ihnen Fremd. Die Sicht der Autorin und die Art und Weise wie das Thalia- Theater, die Jugendlichen in das Theater bekommen möchten ist sehr klug. Eine Verbindung schaffen, in dem man Geschichten aus den eigenen Reihen hier in Deutschland auf die Bühne bringt.Die Bürger fühlen sich angesprochen, verbunden mit dem Stück. So ein Projekt kann man und sollte jeder unterstützen.
    Die Medien Welt ist mächtig. Alle sitzen wir vor dem Fernseher oder am Rechner. Dem Theater wird lange keine Aufmerksamkeit geschenkt.
    Das Thalia Theater ist ein Vorbild, zum Erhalt von Kunst uns Kultur.
    Bin ich froh das es noch Menschen gibt die hierfür Einsatz zeigen und das Unterstützen. Danke an die Autorin.



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