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Armin Laschet, Nordrhein-Westfälischer Integrationsminister, MiGAZIN, 28. Januar 2010

Das Erinnern wach halten

20 Jahre nach dem rassistischen Brandanschlag von Mölln

Vor 20 Jahren wurden drei Menschen auf grausamste Weise in Mölln ermordet. Politisch und medial wurde der Boden vorbereitet, auf dem diese Morde möglich wurden. Nach der Wiedervereinigung galt es, eine neue nationale Identität zu finden.

VONÜnal Zeran

Der Autor ist seit 2002 als Rechtsanwalt in Hamburg tätig.

DATUM26. November 2012

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RESSORTAktuell, Meinung

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Die faktische Abschaffung des Asylgrundrechtes wurde mit diesen Morden erst möglich. Wenige Tage nach Mölln haben sich CDU/CSU, FDP und SPD auf den sogenannten Asylkompromiss geeinigt. Wenige Tage nach Solingen ist im Bundestag das Asylgrundrecht faktisch abgeschafft worden.

Den Opfern beizustehen fiel den politisch Verantwortlichen selten ein. Weder der damalige SPD Ministerpräsident Engholm noch Bundeskanzler Kohl oder der Bundespräsident ließen sich bei den angemeldeten Protesten in Mölln blicken. Der Einheitskanzler wollte keinen Beileidstourismus, wie er es nach Solingen formulierte.

Obwohl der Brandanschlag von Mölln weder der Anfang noch das Ende der rassistischen Morde ist, steht diese Kleinstadt wie keine andere, symbolisch für das Resultat der Hetze in den 90er Jahren. Im In- und Ausland ist Mölln durch diese Morde bekannt geworden. Wir sind mit diesen Morden sozialisiert worden. Sie haben sich in unseren Gedächtnissen verewigt.

Den etablierten MigrantInnen wurde schlagartig bewusst, dass nicht nur Asylbewerber oder Flüchtlinge zur Zielscheibe werden konnten. Sie organisierten sich. An den Protesten am 27.11.92 in Hamburg beteiligten sich annährend 15.000 Menschen. Die Schulen wurden boykottiert, viele Geschäfte und Imbisse blieben aus Protest geschlossen. Von einigen wurde die Arbeit niedergelegt.

Die jüngste politische Stimmungsmache gegen Roma erinnert mich fatal an Rostock-Lichtenhagen oder Hoyerswerda. Es regt sich kaum ein Widerstand hiergegen. In der post Möllner Ära müssen offensichtliche Rassismen aber benannt werden. Rassisten muss der Nährboden entzogen werden, damit wir keine déjà-vu Erlebnisse haben und sich so etwas wie die Rostocker Pogrome oder die Zwickauer Zelle nicht wiederholen.

Unsere Geschichte können und wollen wir selbst bestimmen. Wir wollen nicht, dass sich eine institutionalisierte Erinnerungskultur breitmacht, die jegliche Verantwortung von sich weist.

Deshalb haben wir zum Gedenken an Ramazan Avcı, der am 24.12.1985 nach einer rassistischen Attacke am Bahnhof Landwehr verstarb, erreicht, dass der Bahnhofsvorplatz am 19. Dezember nach ihm benannt wird. Einige Angehörige der NSU-Morde haben ähnliche Forderungen aufgestellt und teilweise wie in Kassel schon durchgesetzt.

Es befremdet jedoch sehr, dass es in Mölln nicht gelingt, einige Straßen nach den Opfern des Brandanschlages vom 22.11.1992 zu benennen. In Kiel und Köln wurde eine Straße nach Bahide Arslan benannt.

Die politisch Verantwortlichen der Stadt Mölln sind aufgefordert, schnellstmöglich die Opfer in den Mittelpunkt zu rücken. Es muss eine würdige Gedenktafel angebracht werden. Die jetzige Tafel wird man eher mit einem billigen Arztpraxisschild assoziieren.

Wir möchten nicht mehr lange auf eine Bahide Arslan Straße, Ayşe Yılmaz Straße oder Yeliz Arslan Straße in Mölln warten. Das sind wir diesen Opfern schuldig, die brutalst aus der Gesellschaft herausgerissen wurden. Es ist ihre Geschichte. Es ist Deutschlands Geschichte. Halten wir das Erinnern an sie wach!

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