MiGAZIN

Fachmagazin für Migration und Integration in Deutschland

Durch die Möglichkeit der Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer in solchen [einfachen, manuellen] Positionen hat sich die Chance der deutschen Arbeiter, sich beruflich weiterzuentwickeln und in der Betriebshierarchie aufzusteigen zweifellos verbessert.

Bundesanstalt für Arbeit, Repräsentativuntersuchung ’72 über die Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer…, 1973

Demografie

Ohne Migranten sähe Deutschland noch älter aus

Die Bevölkerung in Deutschland ist weltweit die zweitälteste der Welt. Wie eine Auswertung des MiGAZIN zeigt, sähe Deutschland ohne seine Migranten und Ausländer noch älter aus. Die Jüngsten kommen vor allem aus Asien und Afrika.

„Die Bevölkerung in Deutschland ist die älteste in Europa und die zweitälteste der Welt“, sagte Roderich Egeler, Präsident des Statistischen Bundesamtes, am Mittwoch auf einer Pressekonferenz zur Vorstellung des Statistischen Jahrbuchs 2012 in Berlin. Sein Zukunftsprognose fällt ebenfalls düster aus: Auch bei der Geburtenrate liegt Deutschland im internationalen Vergleich hinten: Pro 1000 Einwohner werden nur noch acht Kinder geboren. „Weltweit hält Deutschland damit heute einen Negativrekord“, sagte Egeler. Wie eine Auswertung des MiGAZIN zeigt, sähe Deutschland ohne seine Migranten noch älter aus.

Nicht einmal jede siebte Person oder gut 13 Prozent waren im Jahr 2010 in Deutschland jünger als 15 Jahre. Europaweit war das der geringste Anteil unter 15-jähriger an der Gesamtbevölkerung. Weltweit hat nur Japan einen noch geringeren Anteil. Denkt man sich die Gruppe der Migranten weg, schrumpft diese Quote sogar auf rund 11 Prozent.

Migranten nicht wegzudenken
In den oberen Altersstufen ist das Bild ähnlich. Mehr als jede fünfte Person (20,6 Prozent) in Deutschland war 65 Jahre und älter. Auch hier ist nur in Japan der entsprechende Anteil noch höher. Denken man sich auch hier die Migranten weg, steigt diese Quote auf über 23,7 Prozent.

Ohne Migranten sähe Deutschland noch älter aus © destatis

Ohne Migranten sähe Deutschland noch älter aus © destatis

Ein Blick auf das Alter von Ausländer zeigt, dass diese maßgeblich zur Verjüngung Deutschlands beitragen. Dabei fällt auf, dass vor allem Ausländer aus Afrika und Asien mit einem Durchschnittsalter von etwa 34 Jahren gegenüber den EU-Ausländern mit durchschnittlich 41,4 Jahren deutlich jünger sind.

Problem: Pflegebedarf
Laut Statistischem Jahrbuch kommen die ältesten Ausländer aus Österreich (im Schnitt 49,1 Jahre), Slowenien (49,1 Jahre) und aus den Niederlanden (47 Jahre); die jüngsten Ausländer stammen aus Irak (27,4 Jahre), Afghanistan (31 Jahre) und China (31,1 Jahre). Die jüngsten Ausländer aus dem EU-Raum liefern Bulgarien (32,2 Jahre), Slowakei (33,3 Jahre) und Rumänien mit einem Durchschnittsalter von 33,7 Jahren. Die Türken, die größte Personengruppe ohne deutschen Pass, kommen auf ein durchschnittliches Alter von 39,3 Jahren.

Download: Das Statistische Jahrbuch 2012 enthält nationale Daten zu 27 Themen aus Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt sowie einen Anhang mit inter­nationalen Vergleichsdaten. Das Jahrbuch steht vollständig und kostenfrei zum Download unter www.destatis.de zur Verfügung.

Grundsätzlich steigen mit zunehmendem Alter auch die Erfahrung und das Know-How einer Gesellschaft. Doch es gibt auch Schattenseiten: Das Problem an einer zunehmend alternden Gesellschaft ist der gleichzeitig steigende Pflegebedarf. Und das stellt die Bundesrepublik vor eine große Herausforderung. Schon heute wird ein Mangel an Pflegekräften beklagt. Dabei galten 2009 in Deutschland rund 2,3 Millionen Menschen als pflegebedürftig. 2030 werden es voraussichtlich bereits rund 1 Million mehr sein. (sb)

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:

6 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. Sinan A. sagt:

    Mit der Zahl der Alten wird auch die Zahl der Entmündigungen (neudeutsch: Betreuung) steigen, die schon jetzt unglaublich hoch ist: Über eine Million Menschen werden in Deutschland rechtlich betreut.

    http://www.wdr.de/tv/tag7/sendungsbeitraege/2012/1007/entmuendigt.jsp
    Zitat aus dem Film: Wer alt und vermögend ist, lebt gefährlich.

    Es liegt auf der Hand, dass nichtdeutsche Alte ein besonders leichtes Opfer sind, wenn es ums Geld geht, und dass nichtdeutsche Familien den verschiedenen Interessen noch hilfloser gegenüber stehen als deutsche.

    Ein erster Schritt für den Ernstfall vorzusorgen, sind Vollmachten wie Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung. Auf der Seite des Justizministeriums stehen dazu verschiedene Formulare in deutsch/türkisch und deutsch/russisch zum Download bereit.

    http://www.bmj.de/SharedDocs/Downloads/DE/broschueren_fuer_warenkorb/Anlagen/Betreuungsrecht_Formulare_Uebersicht_Sprachen_Tuerkisch.html

  2. Couperinist sagt:

    Am interessantesten finde ich, dass die beiden ältesten Nationen auch die Verlierer des Zweiten Weltkriegs sind: Japan und Deutschland. Spätfolge oder Hochindustrialisierung ?

  3. Cengiz K sagt:

    …Spätfolge oder Hochindustrialisierung ?…
    Kultur..

  4. Brandt sagt:

    Die Zuwanderer sollten daran denken, dass Thema im Anschluß an die Langlebigkeitsrisiken und den Care Gain ordentlich auf die politische Agenda zu bringen.

    Der Care Gain bezeichnet die Aneignung von Ausbildungskosten von Pflegern, Krankenschwester und Ärzten durch die EU aus den Auswanderungsstaaten über den Migrationsprozess, und der Vorgang stellt einen systematischen Vermögensübertragung auf die EU Staaten da. Der Care Gain ermöglicht es der EU die Lohnnebenkosten niedrig zu halten und sich mit den ausländischen medizinischen Kräften, einen Wettbewerbsvorteil auf dem Weltmarkt zu verschaffen. Tatsächlich ist der Care Gain aber eine internationale Umverteilung in mangelhaften medizinischen Systemen, der die medizinische Versorgung in den heutigen globalen, länderübergreifenden Produktionsnetzwerken nur verschlechtern kann.

    Bei den Langlebigkeitsrisiken handelt es sich um verbriefte Wertpapiere für Pensionsinstitutionen und Lebensversicherungen, die das Risiko eines langen Lebens der Versicherten untereinander austauschen.

    Die Zuwanderer sollten da den Anschluß an die OECD Debatten finden und die Agenda unterstützen, einen spezielle Börse für Langlebigkeitsrisiken einzurichten. Damit die enormen Pflegekosten der alten Gastarbeiter Generation nicht auf ihre atomisierte Familie in der Diaspora zurückfällt, ist unbedingt die Inklusion aller Zuwanderer und Ausländer ( auch EU-Ausländer, Japaner, Australier und US-Amerikaner und Kanadier) in diesem System von enormer Bedeutung.

  5. Eddie sagt:

    Komisch, Dachte immer die Geburtenraten der Gastarbeiter gleichen sich an. Und die 1,3 Kinder / Deutscher Frau ist so sicher auch nicht Haltbar.

    Ob Deutschland Überaltert oder nicht – relativ. Es ist nur ein Staatliches Gebilde. Es bekommt was es verdient: Die Folgen einer beispiellosen Abwertung von Familie und Elterndasein, sowie einer generellen Familienfeindlichkeit.

    Für unser Volk, unsere Ethnie tut es mir leid. […]

  6. Peter sagt:

    @Eddie

    Dann schau dir mal die Geburtenraten der Türken von vor rund 50 jahren an und vergleich die mit der heutigen. Natürlich passen sich die Geburtenraten immer weiter an!



Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...