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NRW-Sozialbericht 2012

Armutsrisiko und Arbeitslosigkeit bei Migranten deutlich zurückgegangen

Das Armutsrisiko und die Erwerbslosenquoten unter Migranten sind im Vergleich zum Jahr 2005 spürbar zurückgegangen. Entwarnung gibt es trotzdem nicht. Das geht aus dem NRW-Sozialbericht 2012 hervor.

Die Armutsrisikoquote bei Migranten lag im Jahr 2010 mit 28,6 % weitaus höher als bei der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund (10,4 %). Immerhin: Im Vergleich zum Jahr 2005 konnte ein Rückgang von 1,9 % verzeichnet werden. Das geht aus dem Sozialbericht 2012 hervor, die Nordrhein-Westfalens Sozialminister Guntram Schneider (SPD) am Mittwoch in Düsseldorf vorstellte.

Besonders bei der Betrachtung nach Alter zeigt sich unter Migranten insbesondere für Kinder und Jugendliche und für ältere ein erhöhtes Armutsrisiko. Ein Drittel (33,2 %) der unter 18-Jährigen tragen ein Armutsrisiko, bei den Personen im Alter von 65 Jahren und älter sind es 31,7 %.

Hauptfaktor für das hohe Armutsrisiko ist die Arbeitslosigkeit. Davon betroffen sind Migranten überdurchschnittlich. Die Erwerbslosigkeit ist hier mehr als doppelt so hoch (13,0 %) wie die der Gruppe ohne Migrationshintergrund (6,0 %). Aber auch hier gibt es einen positiven Trend: Im Vergleich zu 2005 ist diese Quote deutlich zurückgegangen, damals lag sie noch bei 19,0 %.

Download: Der Sozialbericht NRW erscheint alle fünf Jahre. Der aktuelle Bericht umfasst mehr als 400 Seiten und steht zum Download zur Verfügung. In NRW lebten im Jahr 2010 insgesamt 4,16 Millionen Migranten, dies waren 23,3 % der Bevölkerung.

Fortschritte in der Bildung
Ebenso ist die Bildungsstruktur bei Migranten deutlich ungünstiger als die der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund. So sind Migranten häufiger ohne einen allgemeinbildenden Schulabschluss (14,6 %) als Personen ohne Migrationshintergrund (2,1 %). Auch der Anteil derer, die maximal einen Hauptschulabschluss erreicht haben, ist mit 38,0 % überdurchschnittlich (Personen ohne Migrationshintergrund: 34,8 %). Die mittleren und höheren Abschlüsse werden hingegen seltener erreicht. Die Fachoberschulreife erlangen 18,7 % derer mit und 25,8 % derer ohne Migrationshintergrund. 21,4 % der Migranten erreichen die Hochschulreife, bei Personen ohne Migrationsmerkmale liegt dieser Wert bei 25,9 %.

Auch bezogen auf die berufliche Bildung zeigen sich deutliche Unterschiede. 46,6 % der Migranten haben keine berufliche Ausbildung abgeschlossen (ohne Migrationshintergrund: 13,9 %). Eine Lehre oder einen gleichwertigen Bildungsabschluss weisen 38,0 % der Personen mit im Vergleich zu 61,0 % ohne Migrationshintergrund auf. Ein Hochschulabschluss wird von 8,1 % der Bevölkerung mit Migrationshintergrund erreicht im Vergleich zu 11,0 % bei jenen ohne Migrationshintergrund. Fazit auch hier: Sowohl in der schulichen als auch die beruflichen Bildung erzielten Migranten im Vergleich zu 2005 deutliche Fortschritte, für Entwarnung reicht es aber nicht.

Soziale Schere
„Die soziale Schere in unserem Land geht immer weiter auseinander, obwohl wir ein positives Wirtschaftswachstum haben“, betonte Schneider bei der Vorstellung des Berichts. Danach waren insgesamt rund 2,8 Millionen Menschen in NRW einkommensarm, unter ihnen 643.000 Jugendliche. Ein Jahr zuvor waren es rund 200.000 Menschen weniger. „Der Anstieg dieser sogenannten Armutsrisikoquote von 14,7 auf 15,8 Prozent liegt zwar im westdeutschen Trend, zeigt aber, dass immer mehr Menschen in unserem Land von der wirtschaftlichen Entwicklung abgehängt werden und von Armut bedroht sind“, sagte Schneider.

Als einkommensarm gelten Personen, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung beträgt. Dieses lag 2011 bei 1.395 Euro; demnach gelten Personen in Einpersonenhaushalten als einkommensarm oder armutsgefährdet, wenn ihr Einkommen unter 833 Euro beträgt. (hs)

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2 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. Brandt sagt:

    Der Armuts- und Reichtumsbericht taugt nichts, und damit ist dann auch etwas zu der Qualität des Artikels gesagt.

    Lesen Sie besser, was sich an den Migrationsstatistiken ändern muss. Die Migrationsstatistik muss für Gebietskörperschaften in der Ein- und Auswanderungsregion, fundierte Bevölkerungs- und Wirtschaftsdaten liefern. Die UNO, die Weltbank und die ILO benötigen gute Migrationsstatistiken, um ihre Programme auszurichten.

    Alan de Brauw & Calogero Carletto
    Improving the measurement and policy relevance of migration information
    in multi-topic household surveys

    http://siteresources.worldbank.org/INTLSMS/Resources/3358986-1199367264546/Migration_Data_v14.pdf

    Codevelopment – Zusammenarbeit zwischen migrantischen Communities, Entwicklungshilfe-NGOS, Finanzinstitutionen, Weltbank, UNO und Nationalstaaten – für Bildung, Wachstum und Beschäftigung läßt sich nur mit vernünftigen statistischen Ämtern organisieren.

    Im Augenblick gibt es nur bilaterale Projekte USA-Mexiko, USA-Phillipinen etc. Ob diese bilateralen Projekte verallgemeinerbar sind, weiss man erst wenn man einen Blick in die Statistiken werfen kann. Dazu müssen die statistischen Ämter erst einmal neu ausgerichtet werden.

    Bei der Migrationspolitik gibt es eine Reihe von Akteuren und Interessensgruppen. Eine Win-Win Lösung für alle kann man ohne gute Migrationsstatistiken nicht finden. Die Bevölkerungskategorie Menschen mit Migrationshintergrund ist hoffnungslos überholt.

    Um die Auswirkung der Politik auf das Migrationsgeschehen einschätzen zu können, werfen Sie besser einen Blick auf das MIPEX-Indikatoren. Der Index vergleicht mehrere Länder miteinander:

    http://www.mipex.eu/

    Für Leute mit wenig Zeit, schauen Sie die Vorstellungs-Clips auf dem MIPEX youtube-Kanal:

    https://www.youtube.com/user/MIPEXIII

    Vergessen Sie die Integrationsindikatoren der BRD, die im Integrationsgesetz festgelegt werden. Sie sagen überhaupt nichts aus, und außerdem gibt es keine gesetzlichen Grundlagen die Basis-Daten zu erheben.

  2. Buarom sagt:

    Brandt, bin ganz Ihrer Meinung, was auch immer die auch darstellen soll.
    Habe mir gerade das Video von Mipex Austalia reingezogen. Gebe dem kleinen Greenhorn völlig Recht. Australien muss stärker Menschenrechte achten. Saudi Arabien aber auch. Im Zuge der Globalisierung.natürlich.
    Einseitig geht nicht, funktioniert ich auf Dauer.



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