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Migration und Integration in Deutschland

Wenn wir Millionen von Menschen die doppelte Staatsbürgerschaft geben, die sie weitervererben, werden wir eine dauerhafte türkische Minderheit in Deutschland haben. Das bedeutet eine langfristige Veränderung der Identität der deutschen Gesellschaft. Ich bin dagegen.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), Münchner Merkur, 6.11.2013
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Dirk Schweer im Gespräch

„Ich konnte diese Musik fühlen.“

Dirk Schweer, deutscher Rechtsanwalt und Betreiber einer Modelagentur, singt in türkischer Sprache den Titel von Neşet Ertaş „Kendim Ettim Kendim Buldum“. MiGAZIN hat mit ihm gesprochen – über seine Musik und Multikulti.

MiGAZIN: Sie haben keinen bekannten Migrationshintergrund, leben in Deutschland als zugelassener Rechtsanwalt und betreiben eine Modelagentur. Wieso singen Sie türkische Lieder?

Dirk Schweer: Es war eine Sache, die ich immer machen wollte. Ich habe bereits in meiner Jugend gerne türkische Songs gehört. Ich war fasziniert von den „orientalischen“ Instrumenten und der besonderen Art Stimmungen und Gefühle auszudrücken. Ich konnte diese Musik fühlen. Daraus erwuchs der Gedanke und Wunsch einen „eigenen“ türkischen Song zu singen.

Worum geht es in dem Lied „Kendim ettim kendim buldum“?

Schweer: In diesem Song geht es um einen Mann, der eine unendliche Trauer über den Verlust seiner großen Liebe verspürt. Dieser Mann weiß aber auch, dass er diesen Verlust selber zu vertreten hat und sich dort auch (wieder)findet.

Wie sind die Reaktionen auf Ihr Album?

Schweer: Bisher habe ich nur positive Feedbacks erhalten. Von türkischer Seite ist verständlicherweise die Resonanz etwas größer, da der sprachliche Zugang und die persönliche Beziehung zu unserem aktuellen Song (ein altes türkisches Volkslied) größer sind.

Sie sind in dem Osnabrücker Multikulti-Stadtteil Schinkel groß geworden. Das hat Sie offensichtlich geprägt.

Schweer: Das stimmt. Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich dadurch die Möglichkeit hatte auch ganz unterschiedliche Lebensweisen und Gedankenwege zu sehen und zu (er)leben. Daraus habe ich dann das ausgewählt, was ich für mich als zu mir passend empfunden habe.

Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnete Multikulti als gescheitert. Sind Sie der Gegenbeweis?

Schweer: Ich habe mich schon damals gefragt, welches der Maßstab für die Beurteilung des Scheiterns war und ob man tatsächlich von einem Scheitern sprechen kann. Das hat so etwas Endgültiges. Diese Endgültigkeit sehe ich nicht. In meinem Umfeld sehe und erlebe ich jeden Tag Menschen, die „Multikulti“ leben. Sie sind der Gegenbeweis.

Mit diesem Album haben Sie sich einen Traum erfüllt. Was steht als nächstes an?

Schweer: Wir planen weitere Songs zu veröffentlichen und viele Menschen zu erreichen.

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2 Kommentare
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  1. Selçuk sagt:

    Hallo Herr Schweer,

    großen Respekt an Sie! Ich finde es sehr schön, dass Sie sich für die türkische Musik interessieren und sogar dieses schöne Lied selbst gesungen haben.

    Mich würde es sehr interessieren, ob Sie auch etwas Türkisch sprechen können? Wenn Sie bspw. türkische Lieder hören, verstehen Sie auch den Text? Denn meiner Meinung ist eine der Stärken der türkischen Musik auch die Sprache selbst. Ich liebe die türkische Sprache, da man mit wenigen Worten soviel Gefühl zum Ausdruck bringen kann.

    Machen Sie weiter so! Neben dem Lob auch noch eine kleine „Kritik“: Versuchen Sie Ihre Aussprache noch etwas zu verbessern, denn in Ihrem „Eyvah“ hört man ein „c“ vor dem „h“. 😉

  2. Burak E. sagt:

    Hallo,
    Dirk ist ein guter Freund von mir und ich möchte Ihm an dieser Stelle ein lieben Gruß da lassen 🙂
    Ein Weltklasse Charakter! Von seiner Sorte gibt es leider zu wenige….
    Zu der Frage meines Vorgängers… Ich glaube Dirk spricht besser Türkisch (und Versteht es) als 50% der Türkischen Jugendlichen die hier rumlaufen…. 🙂
    Übrigens ist der Rest des Albums auch Super!
    LG



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