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Das Fachmagazin für Migration und Integration in Deutschland

Die Wirtschaft entschied über die Anzahl der angeworbenen Gastarbeiter wie über deren Verteilung innerhalb der Bundesrepublik.

Ursula Mehrländer, Ausländerpolitik im Konflikt, 1978

Stellungnahme zur Zwangsheirat-Studie

Wissenschaftler werfen Schröder das Schüren antimuslimischer Ressentiments vor

Wissenschaftler der Zwangsheirat-Studie fühlen sich „hinters Licht geführt“. Familienministerin Schröder habe Befunde der Studie verzerrt und anti-muslimische Ressentiments geschürt. MiGAZIN veröffentlicht die Stellungnahme im Wortlaut:

Stellungnahme zur Studie: „Zwangsverheiratung in Deutschland – Anzahl und Analyse von Beratungsfällen“
Die Studie „Zwangsverheiratung in Deutschland“, von Thomas Mirbach, Torsten Schaak und Katrin Triebl im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) verfasst, ist am 9.11.11 der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Frau Ministerin Kristina Schröder hatte vorweg am 8.11.11 in einem Gastbeitrag der FAZ einige zentrale Ergebnisse der Studie interpretiert. Ihre Präsentation hat uns – als Mitglieder des Beirats bzw. Teilnehmerinnen des wissenschaftlichen Workshops – sehr befremdet. Zu zwei wichtigen Punkten möchten wir im Folgenden Stellung beziehen.

Religionszugehörigkeit
Die Befürchtung, dass eine Erhebung der Religionszugehörigkeit Anlass für Missverständnisse, Fehldeutungen oder problematische Zuschreibungen werden könnte, war sowohl im Beirat als auch im Rahmen des wissenschaftlichen Workshops ausdrücklich Thema. Leider bestätigt sich diese Befürchtung durch den genannten FAZ-Beitrag, in dem Frau Ministerin Schröder behauptet, dass „nach Angaben der Betroffenen 83,4% der Eltern Muslime seien“. Diese Behauptung ist schlichtweg falsch, denn Betroffene von Zwangsverheiratung sind zu keiner Zeit im Rahmen dieser Studie direkt befragt worden. Es handelt sich bei der genannten Zahl vielmehr um das Ergebnis einer Befragung von Menschen, die in Beratungseinrichtungen tätig sind; diese sollten im Jahre 2009/2010 Auskunft über Fälle von (angedrohter) Zwangsverheiratung im Jahr 2008 geben.

„Was Ministerin Schröder im Übrigen mit der Forderung meint, dass „manche traditionelle Wurzeln endgültig durchtrennt werden“ müssten, bleibt der Phantasie des Lesepublikums überlassen. Die Gefahr, dass durch diese scharfe Formulierung anti-muslimische Ressentiments Auftrieb erhalten, liegt jedenfalls auf der Hand.“

Es ist nicht bekannt, ob die Beraterinnen und Berater in der Praxis die Religion der Eltern abgefragt haben, ob sie im Nachhinein versucht haben, sich zu erinnern, oder ob sie bloße Vermutungen äußern. Daher wäre die richtige Formulierung „Beraterinnen und Berater gaben an, dass sie davon ausgehen, dass 83,4% der Eltern der Betroffenen vermutlich muslimischer Herkunft sind“. Wer solche Differenzen als beiläufig abtut, spricht empirischen Studien implizit jeden Sinn ab. Man kann sich die Mühe dann lieber gleich sparen. Darüber hinaus ist auch die genannte Zahl mit Vorsicht zu genießen, denn sie sagt nichts darüber aus, welchen Stellenwert Religion im Alltag bzw. im Handeln gespielt hat. So ist es durchaus möglich und wahrscheinlich, dass andere Faktoren als der religiöse Hintergrund eine zentrale Rolle spielen und die Religion der Täter/-innen hier lediglich Scheinkorrelationen abbildet. Beispielsweise dürfte der sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in kirchlichen Zusammenhängen ebenfalls nicht zentral auf den christlichen Glauben der Täter zurückzuführen sein, sondern auf die Gelegenheitsstrukturen für pädosexuelle Täter und unter Umständen auf autoritäre und Täter abstützende Strukturen in entsprechenden Einrichtungen. Hierfür den christlichen Glauben per se verantwortlich zu zeichnen wäre ähnlich verkürzt wie die Zwangsverheiratungen zentral auf den islamischen Glauben zurückzuführen, der ebenso wenig Aussagen zur Legitimierung von Zwangsverheiratungen enthält wie der christliche Glauben den sexuellen Missbrauch von Kindern legitimiert.

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Die Problematik des Missbrauchs und der Instrumentalisierung des Themas Zwangsverheiratung für anderweitige politische Zielsetzungen und antiislamische Propaganda ist auch im Vorfeld im Beirat diskutiert worden. Mehrere Personen aus dem Beirat hatten sich daher gegen die Aufnahme der Frage nach der vermuteten Religionszugehörigkeit in den Fragebogen ausgesprochen. Den skeptischen Vorbehalten begegnete das BMFSJ mit der Zusicherung, dass die vermutete Religionszugehörigkeit nur deshalb erhoben werden solle, um für mögliche Nachfragen aus dem parlamentarischen Raum gewappnet zu sein. Der in der FAZ erschienene Artikel – mit einer sehr eigenwilligen bzw. tendenzösen Darstellung der Religionszugehörigkeit – lässt sich hiermit kaum in Einklang bringen und gibt uns das Gefühl hinters Licht geführt worden zu sein. Was Ministerin Schröder im Übrigen mit der Forderung meint, dass „manche traditionelle Wurzeln endgültig durchtrennt werden“ müssten, bleibt der Phantasie des Lesepublikums überlassen. Die Gefahr, dass durch diese scharfe Formulierung anti-muslimische Ressentiments Auftrieb erhalten, liegt jedenfalls auf der Hand.

Die angebliche Anzahl der Betroffenen
Die Studie hat herausgefunden, dass „3.443 Personen im Jahr 2008 in insgesamt 830 Beratungsstellen erfasst“ wurden. Hiervon sind „60% angedrohte und 40% vollzogene Zwangsverheiratungen“ (Kurzfassung Studie S. 7). Wir waren höchst erstaunt zu lesen, dass dies von einer Ministerin wie folgt zusammenfasst wird: „3443 Fälle von Zwangsverheiratungen haben die Beratungsstellen in Deutschland für das Jahr 2008 registriert.“ Hierbei werden angedrohte Straftaten mit tatsächlich stattgefundenen gleichgesetzt. Ebenso wird leider nicht zitiert, dass die Studie darauf hinweist, dass diese Zahl Mehrfachnennungen beinhaltet und damit Fälle doppelt gezählt worden sein können; auch hierauf haben vor allen Dingen die Praktikerinnen im Beirat immer wieder hingewiesen.

Hinweis: Weitere Berichte und Kommentare zur Studie: „Zwangsverheiratung in Deutschland – Anzahl und Analyse von Beratungsfällen“ finden Sie hier auf MiGAZIN.

Die öffentliche Darstellung und Auswertung der Studie durch Ministerin Schröder wird den Befunden in wichtigen Punkten nicht gerecht. Über mögliche Fehlwahrnehmungen, stereotype Interpretationen und etwaige politische Instrumentalisierungen der Studie wurde sowohl im Beirat als auch im wissenschaftlichen Workshop intensiv diskutiert. Dass ausgerechnet die Auftraggeberin der Studie verzerrende Interpretationen wichtiger Befunde in der Öffentlichkeit verbreitet, ist für alle Beteiligten, die viel ehrenamtliche Arbeit in die Beratung der Studie investiert haben, mehr als bedauerlich.

Als Mitglieder des Beirats: Prof. Dr. Heiner Bielefeldt, Yildiz Demirer, Dr. Nivedita Prasad, Dr. Monika Schröttle

Als Teilnehmerinnen des wissenschaftlichen Workshops: Prof. Dr. Ursula Boos-Nünning, Prof. Dr. Gaby Straßburger

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50 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. Tai Fei sagt:

    @Prakmatikerin
    „Junge Leute sehen heute nicht nur den angeblichen Vorteil der Massenzuwanderung der vergangenen Jahre als “Bereicherung”, sie sehen auch, dass sich viele bereichert haben. Unsere Deutschen Jugendlichen sehen auch, dass unter dem Mäntelchen “der Demografie” Leute nach Deutschland gekommen sind, die aufgrund ihrer Kultur nicht hierher passen. Die “Zustände” noch weiter aufzuführen, ist nicht nötig, meine bisherigen Beiträge sowie Herr Google sagen noch mehr aus“
    Offensichtlich sehen die „jungen Leute“ wie auch Sie nicht die Ursachen der Zuwanderung. Gerade die große Anzahl türkischstämmiger Einwohner ist doch auf die Gastarbeiterabkommen zurückzuführen. Diese wurden nach DE geholt um billige Konkurrenz für die unteren Einkommensklassen vorzuhalten. Das diese dann sich hier eine Existenz aufgebaut haben, Familien gründeten usw. liegt an der sozialen Natur der Menschheit. Der Mensch ist immer noch ein SOZIALES Wesen auch wenn die Ökonomisierung gern vorangetrieben wird.

    Weiterhin sollte man auch endlich zu Kenntniss nehmen, dass die Einwanderungszahlen (z.B. durch Asylgesuche) in DE seit JAHREN rückläufig sind. Die Drittstaatenregelung greift hier.
    Und schließlich sollte man auch die Ursachen der Verarmung in Ländern der sogenannten 3.Welt zur Kenntniss nehmen. Diese liegen noch in der Kolonisation begründet. Die Wirtschaft dieser Länder wurde auf den Export von Rohstoffen nach Europe/Amerika und den Absatzmarkt von Produkten aus eben diesen hin ausgerichtet. Diese Wirtschaften sind damit extrem anfällig für Preisschwankungen und haben kaum einen stabilen Binnenmarkt, welcher noch zusätzlich durch subventionierte Importe aus Europa/Amerika bedrängt wird. Die westl. Welt stiehlt diesen Völkern seit Jahrzehnten ja Jahrhunderten ihre Ressourcen. Die Migration in eben diese westl. Welt ist der private Versuch diesen Diebstahl abzumildern.

  2. Pragmatikerin sagt:

    @
    Sie schrieben:

    „…..Gastarbeiterabkommen zurückzuführen. Diese wurden nach DE geholt um billige Konkurrenz für die unteren Einkommensklassen vorzuhalten….“
    und
    „Weiterhin sollte man auch endlich zu Kenntniss nehmen, dass die Einwanderungszahlen (z.B. durch Asylgesuche) in DE seit JAHREN rückläufig sind.“

    Zwei Dinge haben Sie nicht fertig gedacht, bzw unrichtig wiedergegeben. Türken wurden nicht nach Deutschland freiwillig geholt, sondern weil die Türkei ein massives Arbeitslosen Problem hatte. Ebenso ist es auf „sanften Druck“ der USA zu einer Entsendung der türkischen Gastarbeiter gekommen(nähere Einzelheiten googlen Sie bitte). Andere Geastarbeiter wie Italiener, Spanier und Griechen hätten ausgereicht, um den Arbeiterbedarf zu rekrutieren. Ist also nix mit „billige Arbeitskräft“, denn alle Gastarbeiter wie z.B. Türken Türken usw. haben gut verdient, sonst wären die meisten nicht hier geblieben!!!!

    2. Sie unterschätzen die früheren Geburtenraten von Türken/Muslimen seit den 70iger Jahren (als diese hier in Deutschland sesshaft wurden). Diese Geburtenhäufigkeit ist heute so zu interpretieren, dass man das Gefühl hat – was natürlich nicht so ist – es würden immer noch Menschen aus dem Orient einwandern. Vergessen sie auch bitte nicht, dass doch einige beim Familiennachzug die Sprachanforderungen im Goetheinstitut bestehen und so die – meist einreisenden Frauen – auch wieder zur Gebärfreudigkeit und damit zur „Aufstockung“ von Menschen fremder Kulturen beitragen.

    Pragmatikerin

  3. Pragmatikerin sagt:

    Entschuldigung: @Tai Fei

  4. Tai Fei sagt:

    @Prakmatikerin
    Natürlich haben die Gastarbeiter „gut“ verdient, Zumindest besser als in Ihrer Heimat. Aber selbst ein H4ler lebt hier heute immer noch besser als ein durchschnittlicher Arbeiter im Kongo, Ruanda oder auch Anatolien. Nur was ist dass denn bitte für ein Argument? Sollen wir jetzt wieder alle deren Lebensstandart als Maßstab akzeptieren? Die damaligen Gastarbeiterabkommen, wie auch die heutige Diskussion über „Fachkräftemangel“ und der Möglichkeit diesen durch Zuzug aus dem Ausland auszugleichen, sind und waren IMMER ökonomisch motiviert. Und natürlich ging und geht es darum, günstige Konkurrenz zu erzeugen. Das geht inzwischen weit über reine Lohnkostenrechnung hinaus. Auch die Ausbildung muss hier inzwischen betrachtet werden.
    Einer Diskussion über angebliche „Gebährfreudigkeit“ entziehe ich mich, Das können Sie gern mit Herrn Sarazzin weiter auswerten. Ich bitte Sie jedoch zu beachten, dass Sie selbst „Diese Geburtenhäufigkeit ist heute so zu interpretieren, dass man das Gefühl hat – was natürlich nicht so ist – es würden immer noch Menschen aus dem Orient einwandern“ hier von Gefühlen und Anscheinen reden. Diskussionen sollten jedoch auf Fakten basieren.
    Die neusten Änderungen zum Famliennachzug mit die eingeführten Sprachtesten als Einreisebedingung für EINIGE, wohlgemerkt trifft das gar nicht alle, verstoßen zutieftst gegen das GG. Gerade weil ich selbst in einer binationalen Ehe lebe und auch andere Paare kenne, höre ich oft von haarsträubenden Fällen, wo gerichtlich eingeklagt werden muss, was eigentlich ein Grundrecht ist.

  5. Tai Fei sagt:

    @Vor-u.Nachname
    „Natürlich muss man weiter untersuchen, inwieweit Zwangsverheiratungen mit welchen religiösen Ausprägungen, Ansichten etc. zusammenhängen, um weiter- bzw. tiefergehende Maßnahmen zu entwickeln. Das ist aber nicht möglich, wenn “Wissenschaftler” von vorn hinein bestimmte Aspekte nicht untersuchen, weil die Ergebnisse politisch nicht korrekt sein sollten“
    Zwangsverheiratungen sind kein religöses sondern eine gesellschaftliches Problem. Es ist in vielen Kulturen noch üblich und war auch in Europa bis ins letzte Jh. verbreitet. Es ist daher ein religionsübergreifendes Phänomen. Wenn sich also kein Verweis auf Zwangsverheiratungen in irgendeinem islamischem Hauptkanon finden lassen, dann kann man einen kausalen Zusammenhang schon von vornherein ausschließen. Wie gesagt, man könnte sonst auch erfoschen wieviele Opelfahrer/Eisbeinesser usw. ihre Kinder zwangsverheiraten. Das hat nichts mit politischer Korrektheit zu tun, sondern mit wissenschaftlichen Kausalitäten.
    „Ich würde mal vermuten, dass wenn man die Gründe weiter untersucht, dabei rauskommt, dass
    1. dass Zölibat sexuellen Missbrauch begünstigt
    2. dass Leute, die früh schon pädophile Neigungen haben, Kath. Priester werden, da sie denken das Zölibat hält sie ab diese Neigungen auszuleben“
    Und welchen Schluß würden Sie dann daraus auf die kathol. Lehre und deren Anhänger im allgemeinen ziehen?

  6. Pragmatikerin sagt:

    @ Tai Fei

    „Einer Diskussion über angebliche “Gebährfreudigkeit” entziehe ich mich, Das können Sie gern mit Herrn Sarazzin weiter auswerten“

    Es ist schade, dass immer wieder auf Herrn Dr. Thilo Sarrazin verwiesen wird, wenn man entweder nicht weiter weiss oder sich nicht äussern will.

    Ich gebe Ihnen recht, dass die Frauen der 2. Generation – wenn sie gebildet sind – sich der Geburtenhäufigkeit der Deutschen angepasst haben. Aber erklären Sie mir doch mal bitte die Diskrepanz in vielen Deutschen Schulen. In machen Klassen sind bis zu 80 % Migranten gegenüber deutschen Schülern. Auch sonst muss man nur mit offenen Augen durch Deutsche Städte gehen, da spazieren immer noch – vorallem Türkinnen – mit bis zu 3 Kindern – gegenüber 1,36 Deutschen Kindern durch die Strassen.

    Mir ging es im Endeffekt auch nicht um die Gebährfreundigkeit mancher Migranten/inn sondern um den Augenschein……….

    Es gibt Branchen, wo es wichtig ist, dass künstliche Konkurrenz im Arbeitsleben geschaffen wird, davon habe ich aber nicht geschrieben. Es gibt einige Berufe, wo heute noch gut ausgebildete Mitarbeiter auch gutes Geld verdienen. Ich bin aber immer noch der Meinung, dass wir keinen Fachkräftemangel haben und das demografische „Problem“ in Ruhe auf uns zukommen lassen sollten.

    Pragmatikerin

  7. Pragmatikerin sagt:

    @ @lle

    In einem Treadt habe ich angeboten, wenn die Bundesregierung mir auf meine Mail vom 15. November 2011 betreffend „Sozialversicherungsabkommen mit der Türkei vom 30.4.1964″ antwortet, die Antwort hier im Forum einzustellen.

    Die Antwort ist ist sehr umfangreich (6 Seiten) und würde den Rahmen sprengen, den gesamten Text hier einzustellen. Ausserdem wurde auch die Mitversicherung vom Staatsgebiet von ehemals Jugoslawien und Montenegro miteinbezogen.

    Ich werde daher dem Migazin die Antwort zukommen lassen. Sollte jemand Interesse haben, den Wortlaut zu lesen, kann er sich gerne an das Migazin wenden.

    Nurt soviel, die Bundesregierung streitet nicht ab, dass ein Abkommen mit der Türkei existiert. Für das Jahr 2009 belief sich beispielsweise der vereinbarte vorläufige Monatspauschalbetrag für die Betreuung einer Familie in der Türkei auf umgerechnet 48,50 Euro. Der türkischen Krankenversicherung wurden für dieses Abrechnungsjahr bislang umgerechnet rund 10,67 Mio Euro von der deutschen Krankenversicherung erstattet (Stand 11/2010).

    Was mich aber wieder stutzig macht, ist folgende Ausführung: “ Die Familienversicherung der in der Türkei lebenden Familienmitglieder ist eine sinnvolle Einrichtung, weil sie dazu beitrug, dass sich ein Teil der aus diesem Land angeworbenen Arbeitnehmer dafür entschieden hatte, Ihre Familenangehörigen nicht mit nach Deutschland zu nehmen“.

    Erst seit 2007 ist die Einreise – auch türkischer Staatsangehöriger – erschwert. Von 1964 bis 2007 – das sind kanpp 44 Jahre – sind Familienangehörige ungebremst nach Deutschland gekommen. Man will also – mal wieder – dem Deutschen Volk „Sand in die Augen streuen“ was die Höhe und Dauer der Zahlungen ausmacht.

    Wenn wir Steuerzahler also wissen wollen, wie unsere Regierungsmitglieder Scheckbuch-Tourismus betreiben und welche Summen nicht in Deutschland sondern im Ausland verbleiben, müssen wir der Bundesregierung mehr auf die „Finger schauen“.

    Antwort erhalten wir nur, wenn wir gezielt fragen.

    Pragmatikerin

  8. Tai Fei sagt:

    @ Pragmatikerin
    „Es ist schade, dass immer wieder auf Herrn Dr. Thilo Sarrazin verwiesen wird, wenn man entweder nicht weiter weiss oder sich nicht äussern will….
    …Aber erklären Sie mir doch mal bitte die Diskrepanz in vielen Deutschen Schulen. In machen Klassen sind bis zu 80 % Migranten gegenüber deutschen Schülern. Auch sonst muss man nur mit offenen Augen durch Deutsche Städte gehen, da spazieren immer noch – vorallem Türkinnen – mit bis zu 3 Kindern – gegenüber 1,36 Deutschen Kindern durch die Strassen.
    Also schön, Sie haben es so gewollt. Woran wird es wohl liegen, dass in einigen Schulen ein höherer Anteil an „Migranten“ vorherrscht. Das hat selbst verständlich GAR nichts mit der Ghettobildung zu tun, deren Hauptursache die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit ist. Diese Schulen liegen eben oft in Gebieten mit bezahlbaren Mieten und urbaner Infrastruktur, die kleine Laufwege und damit günstige „Mobilität“ erlaubt.
    Ferner sollten Sie sich fragen, wie viele von Ihren wahrgenommenen „Türkinnen“ vielleicht einen dt. Pass haben. Die sind dann DEUTSCHE. Dass die Geburtenzahlen von Einwanderern der zweiten und dritten Generation genauso rückläufig ist, wie die der restliche Deutschen haben Sie ja bereits selber eingeräumt. Tatsächlich ist die Bildungskomponente, wie Sie selbst betont haben, hier enorm wichtig. Umso unverständlicher ist dann diese Aussage:
    „Es gibt Branchen, wo es wichtig ist, dass künstliche Konkurrenz im Arbeitsleben geschaffen wird, …“
    Diese Konkurenz wird ja gerade im Niedriglohnsektor geschaffen. Wer dort beschäftigt ist hat bekanntlich auch wenig Chancen diesen wieder zu verlassen, was sich auch auf die Bildungschancen der Kinder und Kindeskinder auswirkt.

    Eine „Anscheinsdebatte“, wie Sie bei Ihnen immer wieder durchdringt, ist wenig hilfreich. Solange man in DE immer nur eine kulturelle und keine soziale Debatte betreibt, wird man die Probleme nicht lösen. Allerdings ist das ja auch nicht gewollt. Es ist halt praktisch, wenn man den größten Teil der Bevölkerung schön auseinander dividieren kann. Das wurde mal sehr schön in einer TV-Debatte auf den Punkt gebracht. Die regulären Arbeitnehmer schimpfen auf die Billiglöhner, diese auf die H4ler und diese auf die Ausländer. Ich nenne das Prinzip „Schei… rollt nach unten!“

  9. Pragmatikerin sagt:

    @ Tai Fei
    „Solange man in DE immer nur eine kulturelle und keine soziale Debatte betreibt, wird man die Probleme nicht lösen.“

    Das ist nicht wahr, was Sie da schreiben!!!!!!!

    Auch seitens der Regierung wird immer wieder darauf hingewiesen, dass nur durch die Sprache – wenn sie denn beherrscht wird – man mehr zur Bildung – speziell bei den Kindern – beitragen kann.

    Pragmatikerin


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