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Deutsche Post: Bitte keine Russen!

Wie der ehemalige Staatsbetrieb Ausländer diskriminiert

Für viele der fast eine Million in Deutschland lebenden Russen gibt es bei weder Online-Konten noch ein De-Mail-Postfach. Die Deutsche Post erkennt ihre Identität nicht an – einen sachlichen Grund gibt es nicht.

VONTim Gerber

Tim Gerber, geboren 1965 bei Leipzig, lebt und arbeitet als Redakteur bei einer Fachzeitschrift in Hannover. Er ist Vorstandsmitglied der Regionalgruppe Hannover im Verband binationaler Familien und Partnerschaften e.V., wo er sich vor allem um Fragen der Besuchsvisa für Verwandte aus dem Ausland kümmert, und Betreiber der Webseite familienvisum.de.

DATUM17. November 2011

KOMMENTARE16

RESSORTGesellschaft, Leitartikel

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Irina G.* kam vor 15 Jahren mit ihrem Mann, einem deutschen Spätaussiedler aus Sibirien nach Deutschland. Sie fühlt sich wohl hier, die Kinder haben angefangen zu studieren, und damit die deutsch-russische Familie ihr Häuschen schneller abzubezahlen, hat sie nun auch Arbeit gesucht und gefunden. Nun braucht sie auch ein eigenes Konto und wird im Internet bei einer Direktbank fündig wie Millionen von Deutschen. Sie lädt die Formulare herunter und geht damit zur Post. Dort muss sie für die Konto-Eröffnung ihre Identität nachweisen, das schreibt das Geldwäschegesetz vor.

Bislang hatte Irina G. damit keine Schwierigkeiten, aber nun sagt ihr der Mann am Schalter, er könne ihre Bankunterlagen nicht bearbeiten, weil er ihren russischen Pass nicht lesen kann, der sei ja „auf Russisch“. Der Postmann lässt sich auch auf keine Diskussion ein, er habe da seine Vorschriften, Irina G. kommt unverrichteter Dinge nach Hause, ein Konto kann sie mit ihrem russischen Pass nicht eröffnen.

Dass der Mann am Schalter nicht die Russische Sprache, sondern die kyrillische Schrift meinte und dass nicht jeder Provinzangestellte des Weltkonzerns DHL diese in Europa neben der Lateinischen am weitesten verbreitete Schrift lesen kann, wollen wir mal nachsehen. Aber der Pass von Irina ist taufrisch und die Russen stellen seit vielen Jahren nur Pässe aus, die den von der Internationalen Organisation für Zivilluftfahrt (ICAO) entwickelt und von der internationalen Standardisierungsorganisation ISO beschlossen sind. Folglich sind alle wichtigen Angaben im Pass sowohl in kyrillischer als auch lateinischer Schrift ausgeführt und die Einträge sind auf Russisch und auf Englisch beschriftet.

Da viele der fast eine Million in Deutschland lebenden Russen – meist Familienangehörige von Spätaussiedlern – inzwischen solche Probleme mit der Post haben, die sie bisher nicht kannten, liegen der für die Aufsicht über den früheren Staatsmonopolisten zuständigen Bundesnetzagentur mehrere Beschwerden vor, die sie derzeit prüft. In einer Stellungnahme, die MiGAZIN vorliegt, heißt es von Seiten der Post wörtlich: „In dem russischen Ausweis sind zwar alle für das Postident-Verfahren benötigten Angaben enthalten, allerdings ist die Ausstellungsbehörde nur in kyrillischer Schrift vermerkt. Die Ausstellungsbehörde ist für die Mitarbeiter in den Filialen somit nicht lesbar. Aus diesen Gründen können wir den Ausweis im Rahmen des Postident-Verfahrens nicht akzeptieren. Hierfür bitten wir um Verständnis.

Obwohl man die ausstellende Behörde gar nicht wissen muss, will die Post die Pässe nicht anerkennen. Einen sachlichen Grund dafür nennt sie nicht, man muss ihr also Fremdenfeindlichkeit unterstellen. Da die Post bei derartigen Verfahren nach wie vor faktisch ein Monopol hat, gibt es künftig für in Deutschland lebende Russen weder Online-Konten noch ein De-Mail-Postfach. Das gilt für Irina G. wie für den Gastprofessor oder den angeworbenen Informatiker, für den die schwarz-gelbe Koalition wegen des Fachkräftemangels gerade die Aufenthaltsbedingungen erleichtern will. Macht das Beispiel Schule, dann heißt es womöglich auch für Bulgaren, Serben und Griechen bald, dass sie auf dem Papier nicht existieren, jedenfalls nicht für die Deutsche Post.

*die Person ist erfunden, ihre Geschichte beruht aber auf einem realen Fall.

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16 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. Sugus sagt:

    Wenn ich in China dauerhaft lebe, werden wohl chinesische Behörden/Dienstleister manchmal auch eine vollständige Übersetzung meines Personalausweises verlangen. Wo ist das Problem?

  2. Don Juan sagt:

    Im Zeitalter des Computers müsste dies einfach zu lösen sein. Eine Kopie dessen, bzw ein Scan und der Computer kennt auch verschiedene Schriftarten.
    Ein bisschen Aufwand und man hat es geschafft. Wo der Wille da ….

  3. Fikret sagt:

    Ich bevozuge sogar die Russen. Dafür sind viele mir dankbar, das belebt meine Geschäften. Angebot und Nachfrage, you know? Wer das tut,ist nicht besonders Intelligent.

  4. Müller sagt:

    Zu Ihrem Bericht “ Bitte keine Russen “
    Wer so einen unwissentlichen Bericht veröffentlicht- der sollte hier bestimmt erst einmal die
    wahren Gründe kennen !!
    Stimmen denn diese Angaben – bezweifele ich sehr !
    Bei einem Post- Identverfahren muß immer die ausstellende Behörde angegeben sein und zwar in lesbarer Schrift , dies dient der Sicherheit – soviel dazu !
    Und Banken und andere Institutionen nehmen dieses Verfahren
    eben aus diesen Gründen in Anspruch und legen hier äußersten Wert
    auf genaue und präzise Angaben.
    Was hat dies mit Monopol zu tun ?? Nur weil das Verfahren von der Deutschen Post angeboten wird. Läßt sich hier etwa Neid ableiten, nur weil andere Unternehmen dies nicht anbieten , oder nicht können ?
    Wenn der Verfasser dieses Artikels die kyrillische Schrift beherrscht,
    kann ich nur sagen “ Schön für Ihn “ !
    Nicht alle können das.

  5. ZZieher sagt:

    Müller, Ihre Interpunktion ist gräßlich. Außerdem plenken Sie in einem Maße, dass es mir unerträglich ist, Ihr Geschreibsel auch nur lesen zu wollen. Wie kann man sowas nur freischalten, frage ich mich.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Plenk

  6. korintenkacker sagt:

    lieber zzieher,

    ich finde es weder gräßlich noch grässlich, was die vorgänger da geschrieben haben – einfach nur interessant 😉 und den migazin-redakteuren bin ich dankbar für ihre weltoffenheit, für ihren humor und auch für ihren sinn für kontroverses…

    anscheinend gibt es viele menschen, die sich von der deutschen post unfair behandelt fühlen. vielleicht liegt hier ja tatsächlich eine art diskriminierung vor, die von der post so noch nicht wahrgenommen wurde…

  7. Fikret sagt:

    Die Diskriminierung ist doof. Ethno-Marketing belebt das Geschäft.

  8. […] Deutsche Post: Bitte keine Russen!  Wie der ehemalige Staatsbetrieb Ausländer diskriminie… […]

  9. Tai Fei sagt:

    Sugus sagt:
    17. November 2011 um 11:03
    „Wenn ich in China dauerhaft lebe, werden wohl chinesische Behörden/Dienstleister manchmal auch eine vollständige Übersetzung meines Personalausweises verlangen. …“
    Nein werden sie nicht. Der Personalausweis ist in China KEIN gültiges Dokument. Der Reisepass ist internat. standartisiert und damit überall lesbar. So ´ne dümmliche Ausrede habe ich auch von meinen Mitarbeitern nicht akzeptiert. Übrigens hatte ich gerade in China damit noch nie Probleme, schon gar nicht auf einer Bank, meine Kontoeröffnung hat dort wunderbar geklappt. Auch in TH funzt das problemlos mit dem deutschen Pass. Die benötigen da zwar noch eine Meldeadresse in Thai, aber eine Meldebescheinigung muss man als Passinhaber in DE ja auch mit vorlegen.
    @Müller
    Ich müsste noch mal nachsehen, aber auf der Meldebescheinigung, die man ja bei der Bank MIT dem Pass bei Kontoeröffnung vorlegen muss, steht imho auch die ausstellende Behörde in dt. Sprache.

  10. Anton sagt:

    Kann ich leider nur bestätigen…


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