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Migration und Integration in Deutschland

Er [ein Paß] kommt auch nicht auf so einfache Weise zustand wie ein Mensch. Ein Mensch kann überall zustandkommen, auf die leichtsinnigste Art und ohne gescheiten Grund, aber ein Paß niemals. Dafür wird er auch anerkannt, wenn er gut ist, während ein Mensch noch so gut sein kann und doch nicht anerkannt wird.

Bertolt Brecht, Flüchtlingsgespräche, 1940

Baden Württemberg

Quote ausländischer Strafgefangener seit 2002 konstant

In den baden-württembergischen Justizvollzugsanstalten waren am 31. März 2011 insgesamt 5 906 Strafgefangene inhaftiert, von denen 1 625 Ausländer waren. Damit beträgt die Quote der deutschen Strafgefangenen seit 2002 unverändert 72 Prozent.

In den 19 Justizvollzugsanstalten in Baden-Württemberg waren am 31. März 2011 insgesamt 5 906 Strafgefangene und Sicherungsverwahrte inhaftiert. Wie das Statistische Landesamt Baden-Württemberg mitteilt, sank die Zahl der Strafgefangenen damit annähernd auf das Niveau des Jahres 2001 (5 891 Strafgefangene). Im Vergleich zum Vorjahr waren es 49 Strafgefangene oder 0,8 Prozent weniger. Seit dem bisherigen Höchststand im Jahr 2007 ist die Zahl der Inhaftierten im Jahr 2011 das vierte Mal in Folge gesunken. Auf 100 000 Einwohner im strafmündigen Alter (mindestens 14 Jahre) kamen 2011 im Durchschnitt 63 Strafgefangene und Sicherungsverwahrte.

Von den 5 906 Inhaftierten besaßen 4 281 eine deutsche und 1 625 eine ausländische Staatsangehörigkeit. Damit waren 72 Prozent der Strafgefangenen und Sicherungsverwahrten Deutsche. Dieser Anteil ist seit dem Jahr 2002 weitgehend unverändert.

Frauen begehen häufiger leichtere Straftaten
In den baden-württembergischen Strafvollzugsanstalten befanden sich 281 Frauen. Dies entsprach einem Frauenanteil von 4,8 Prozent an allen Strafgefangenen. Die geringe Zahl inhaftierter Frauen lässt sich damit erklären, dass Frauen häufiger als Männer leichtere Straftaten verüben, die eine Haftstrafe entbehrlich machen und eher mit Geld- oder Bewährungsstrafe geahndet werden. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der weiblichen Strafgefangenen um 3 Personen und bei den männlichen Inhaftierten um 46 Personen gesunken.

Im Jahr 2011 machten die über 21-jährigen Erwachsenen mit rund 93 Prozent den größten Anteil aller Strafgefangenen und Sicherungsverwahrten aus. In dieser Altersgruppe gab es 5 467 Inhaftierte, 4 Personen mehr als ein Jahr zuvor. Vergleichsweise gering waren mit 6 Prozent der Anteil der 18- bis unter 21-jährigen Heranwachsenden und mit 1,5 Prozent der Anteil der 14- bis unter 18-jährigen Jugendlichen. Bei beiden Altersgruppen ging die Zahl der Strafgefangenen zurück. Bei den Heranwachsenden sank die Zahl der Strafgefangenen und Sicherungsverwahrten um 13 Prozent auf 349 und lag so niedrig wie seit 2001 nicht mehr. Auch die Zahl der Jugendlichen ist im Vergleich zum Vorjahr – allerdings nur leicht – um 1 Prozent auf 90 gesunken. Das war der erste Rückgang seit dem Jahr 2007.

Höchststrafen sind selten
Gemessen an der voraussichtlichen Vollzugsdauer verbüßte 2011 die größte Gruppe der Strafgefangenen mit 2 317 Personen oder 39 Prozent eine Haftstrafe bis zu einem Jahr. Zu einer Freiheits- oder Jugendstrafe von mehr als einem und bis zu zwei Jahren wurden 1 241 Strafgefangene verurteilt, was einen Anteil von 21 Prozent ausmachte. Ein Urteil von mehr als zwei und bis zu fünf Jahren Vollzugsdauer wurde gegen 1 440 Personen oder 24 Prozent ausgesprochen. Gut 8 Prozent oder 501 Strafgefangene wurden mit einer Haftstrafe von mehr als fünf und bis zu zehn Jahren belegt. Eine Haftstrafe von zehn bis fünfzehn Jahren erhielten 75 Personen oder knapp 1,3 Prozent. Rund 4 Prozent oder 259 Personen verbüßten eine lebenslange Haftstrafe. Die restlichen 73 Personen oder 1,2 Prozent befanden sich in Sicherungsverwahrung. (etb)

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