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Migration und Integration in Deutschland

Es wird selbstverständlich sein, dass jemand Mehmet heißt und nicht Hans – wir halten das aus.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), Deutsche Presse-Agentur (18.01.2013)

Niedersachsen

Fast 30 Prozent aller Migranten vom Armut betroffen

Von Armut sind Menschen mit Migrationshintergrund besonders stark betroffen. So auch in Niedersachsen. Im Jahr 2010 betrug dort die Armutsquote von Migranten fast 30 Prozent.

Die Armutsgefährdungsquote lag im Jahr 2010 für Niedersachsen bei 14,5 % und damit um -0,1 Prozentpunkte niedriger als im Vorjahr. Die Reichtumsquote sank im Land im Jahresvergleich ebenfalls um -0,1 Prozentpunkte auf nun 7,3 %.

Wie der Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen (LSKN) mitteilte, stabilisierte sich damit ein Trend der letzten Jahre: Die Armutsgefährdung im Land insgesamt stagniert. Im Vergleich mit dem Jahr 2005 ist ein leichter Rückgang feststellbar. Bis 2005 waren die Armutsgefährdungsquoten stetig gestiegen und die Kluft zwischen Arm und Reich hatte sich kontinuierlich vergrößert.

Migranten besonders stark betroffen
Im Jahr 2010 lebten trotz des leichten Rückganges der Quote 1,149 Mio. Menschen in Niedersachsen unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle, also gut jeder 7. Einwohner. Umgekehrt galten etwa 580 000 Menschen als reich. Die Armutsrisikoschwelle lag 2010 bei 812 Euro (2009: 790 Euro). Das durchschnittliche Nettomonatseinkommen stieg um etwa 2,7 % von 1317 auf 1353 Euro.

Besonders stark von Armut bedroht sind nach wie vor Alleinerziehende (39,9 %), große Familien mit drei und mehr Kindern (26,7 %), Erwerbslose (52,3 %), Haushalte von Geringqualifizierten (35,7 %) und Menschen mit Migrationshintergrund (29,1 %). Altersarmut spielt hingegen noch keine große Rolle: Die Armutsgefährdungsquote der über 65-Jährigen betrug 2010 12,2 % und unterschritt damit die durchschnittliche Armutsgefährdungsquote deutlich.

Armut besonders stark in Großstädten
Hinsichtlich der Höhe der Armutsgefährdungsquote (14,5 %) und der minimalen Abnahme im Vorjahresvergleich liegt Niedersachsen exakt im Bundestrend (2009: 14,6 %, 2010: 14,5 %). Im längerfristigen Vergleich ist die Entwicklung im Land sogar etwas günstiger verlaufen als bundesweit: im Vergleich zu 2005 ist die Armutsgefährdungsquote bundesweit nur um -0,2 Prozentpunkte gesunken, während hierzulande im selben Zeitraum ein Rückgang um -0,6 Prozentpunkte zu verzeichnen war.

Info: Nach internationalen Konventionen gelten diejenigen Menschen als armutsgefährdet, die mit weniger als 60 % des mittleren monatlichen Nettoeinkommens auskommen müssen. Als reich gelten umgekehrt diejenigen Menschen, die über mehr als das Doppelte des Durchschnittseinkommens verfügen.

Im Vergleich der Bundesländer nimmt Niedersachsen einen Platz im Mittelfeld ein. Höhere Armutsgefährdungsquoten wiesen vor allem die Stadtstaaten Hamburg (17,4 %) und Bremen (17,3 %) sowie die Flächenländer Rheinland-Pfalz (15,7 %) und Schleswig-Holstein (15,2 %) auf. Die Quoten des Einkommensreichtums waren mit Abstand in Hamburg (10,1 %), Berlin (9,0 %), sowie Bremen und Hessen (beide 8,9 %) am größten. In den ostdeutschen Flächenländern fielen Armutsgefährdungs- und Einkommensreichtumsquoten insgesamt niedriger aus als in den westdeutschen Ländern.

Armut tritt besonders stark in den großen Städten auf. Die Stadt Hannover wies 2010 eine Armutsgefährdungsquote von 19,6 % auf. Auch wenn diese Quote im Vorjahresvergleich um -0,6 Prozentpunkte gesunken ist, war dies immer noch die höchste Quote aller deutschen Großstädte. Regional gesehen verzeichneten der Westen Niedersachsens (12,0 bis 12,8 %) und als auch der Norden im Elbe-Weser-Dreieck (12,8 %) relativ niedrige Armutsquoten. (hs)

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