MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

Die Zerteilung der Arbeit in kurze und ständig zu wiederholende, gleichförmige Handgriffe ermöglicht es, Arbeiter ohne Qualifikation und ohne Kenntnis der deutschen Sprache einzusetzen; die Art der Arbeit erfordert es vielleicht sogar.

Hans-Günter Kleff, Vom Bauern zum Industriearbeiter, 1985

TV-Tipps des Tages

09.10.2011 – Bulgaren, Halal, Türkei, Srebrenica, Roma, Migration, Ägypten

TV-Tipps des Tages sind: Cosmo TV: 50 Jahre ALMANYA: Halal im Alltag; Die Marco Polo-Fährte – Abenteuer Seidenstraße; Srebrenica – Opfer Klagen an; Volk ohne Land: Roma in Südosteuropa; Kleider und Leute: Ägypten

VONÜmit Küçük

DATUM9. Oktober 2011

KOMMENTAREKeine

RESSORTTV-Tipps

SCHLAGWÖRTER

DRUCKENAnsicht

MEHR ZUM ARTIKEL

DANKE,
ich möchte MiGAZIN auch in Zukunft lesen!

Cosmo TV
Bulgaren und Rumänen – die neue Unterschicht Deutschlands?
DUISBURG. Seit 2007 kommen jährlich zehntausende Bulgaren und Rumänen nach Deutschland – ganz legal. Als EU-Bürger dürfen sie frei reisen. Doch: Die meisten von ihnen arbeiten hier illegal, sind nicht versichert, leben von wenigen Euro am Tag. Sie gelten als neue Unterschicht. Bei den deutschen Mitbürgern sorgt das nicht für Begeisterung. Viertel, in denen sich Bulgaren und Rumänen ansiedeln, verkommen meist. Schulen sind überfordert, mit den vielen neuen Schülern, die kein Deutsch können. Doch engagierte Menschen wie Eduard Pusic und Ivelina Rohn und ihre Kollegen versuchen, genau dort zu helfen und zu vermitteln. Cosmo TV hat sie begleitet und sucht nach Antworten, wie Land und Kommunen verhindern können, dass die Probleme sich noch weiter verschärfen.

50 Jahre ALMANYA: Halal im Alltag
KÖLN. Dass Muslime kein Schweinefleisch essen, ist lange bekannt. Auch dass das Fleisch, das Muslime essen, halal sein sollte. Doch für Muslime in Deutschland ist es heute viel einfacher geworden, die Lebensmittel nach halal zu unterscheiden als für die erste Gastarbeitergeneration, die ihr Fleisch teils notgedrungen noch selbst geschächtet hat. Cosmo TV besucht Saadet Karaoglu und ihre Familie und zeigt, wie sie es im Alltag bewerkstelligen halal zu essen. Das heißt: Einkaufen nach den Geboten des Islam, nicht nur in türkischen, sondern auch in ganz konventionellen Supermärkten, Kantinenessen und Kita-Frühstück halal organisieren. Und natürlich die große Frage: Sind Gummibärchen nicht vielleicht doch eine Sünde wert?

Der erste türkische Schornsteinfegermeister Deutschlands
DUISBURG. Sein Vater hat kilometertief unter der Erde Kohle abgebaut, Bülent Özden zog es in die Gegenrichtung. Der bei Türken eher als „Drecksjob“ angesehene Beruf des Schornsteinfegers war für den gebürtigen Duisburger schon als kleiner Junge ein Traumjob. Doch als er die Ausbildung beginnen will, muss Bülent Özden seine türkische Staatsbürgerschaft abgeben – denn Schornsteinfegermeister konnte man bis vor wenigen Jahren nur mit dem deutschen Pass werden. So ließ Bülent sich damals einbürgern und wurde Deutschlands erster Schornsteinfegermeister mit türkischen Wurzeln. Cosmo TV steigt mit dem Schornsteinfegermeister auf Dächer in Duisburg. 16:00-16:30 • WDR

Die Marco Polo-Fährte – Abenteuer Seidenstraße
2/5, Von der Türkei nach Teheran – Bradley Mayhew ist in den verschneiten Bergen Anatoliens unterwegs, mitten im Winter, wie einst Marco Polo vor 750 Jahren.

Damals gehörte die Ost-Türkei zu Großarmenien. Bradley sucht den schwarzen Edelstein der Region, den Oltu Tasch, den Dörfler gefahrvoll aus selbst gehauenen Minen schürfen. Juwelen waren klein und leicht transportierbar, zugleich wertvoll. Marco Polo schreibt begeistert darüber. Bradley passiert den Berg Ararat, auf dessen Gipfel Marco Polo die Arche Noah vermutete.

Dann der Iran. Schon ein Visum für den Gottesstaat zu bekommen war nicht einfach. Bradley ist froh, als er die größte Stadt im Westen des Irans erreicht. „Täbris ist eine noble Stadt. Die Menschen weben wertvolle Stoffe und die Händler machen große Gewinne“, schrieb Marco Polo. Der Basar von Täbris zählt zu den ältesten und größten der Welt und bis heute werden vor allem Teppiche gehandelt. Bradley reist weiter in das Elburs Gebirge, auf der Suche nach den „Assassinen“, der al-Qaida des 13. Jahrhunderts. Marco Polo beschreibt die ersten Selbstmordattentäter der Geschichte: eine Story über Sex, Drogen und Gewaltverbrechen. In Teheran blickt Bradley in die zwei Gesichter des Gottesstaates. Morgens sieht er religiöse Inbrunst in einem schiitischen Heiligenschrein. Abends erlebt er Ballgard, eine Rockband, die im Untergrund spielt.

Hintergrundinformationen:
Der Mann ist pure Legende. Marco Polo gilt als der „größte Reisende“ aller Zeiten. Von 1271 bis 1295 reiste der junge venezianische Händler von Venedig bis Peking, wo er das Vertrauen des Kaisers von China gewann.

Sein Buch „Die Wunder der Welt“ ließ Europa im Mittelalter staunen. Erstmals las man von China, über ferne Welten, von denen man noch nie gehört hatte. Doch wie lief es damals für Marco Polo auf der „Großen Seidenstraße“? Was für ein Mensch war er? Gelangte der damals 17-Jährige wirklich bis an den chinesischen Kaiserhof? Oder hat er alles nur erfunden?

Bradley Mayhew, Brite, 40 Jahre alt, ist ein Profi-Traveller der heutigen Zeit. Er schreibt Reiseführer für Lonely Planet, jenen Verlag, der die Bibeln der Backpacker herausgibt. Bradley bereist für „Länder-Menschen-Abenteuer“ noch einmal jene Route, auf der im 13. Jahrhundert Marco Polo unterwegs war. 8.000 Kilometer über Land, immer der Seidenstraße entlang, von Venedig bis Peking. Über eiskalte Pässe, durch orientalische Oasen und unwirtliche Wüsten, mit Bus, Lkw oder per Anhalter, das Buch Marco Polos im Rucksack. Spurensuche, Faktencheck, Detektivarbeit 750 Jahre später. Wo genau ist er gereist? Was schreibt er? Wie war die Zeit damals? Stimmen seine Beschreibungen mit der Wirklichkeit überein?

Rolf Lambert und Bernd Girrbach haben den sympathischen Briten begleitet und zeigen sein Reise-Experiment in fünf Teilen an den fünf Sonntagen im Oktober 2011 jeweils um 17.15-18.00 Uhr in der Sendereihe „Länder-Menschen-Abenteuer“ des SWR Fernsehens. 17:15-18:00 • SWR BW, SWR RP, SWR SR

Srebrenica – Opfer Klagen an
Dokumentation – Ein Film von Susanne Glass – Hasan Nuhanovic hat beim Massaker von Srebrenica mehrere Angehlörioge verloren. Er macht die niederländischen Blauhelm-Soldaten dafür mitverantwortlich, die die damalige UNO-Schutzzone nicht geschützt hatten.

Nach jahrelangem Rechtsstreit hat er nun vor einem niederländischen Gericht grundsätzlich das Recht auf Entschädigung zugesprochen bekommen. Susanne Glass hat Nuhanovic bei seinem langen Kampf begleitet.

Der Bosnier Hasan Nuhanovic war während des Krieges Dolmetscher in Srebrenica. Der damals 27-Jährige war stolz darauf für die niederländischen Blauhelmsoldaten zu arbeiten, denn bei ihnen wähnte er sich, seine Familie und tausende andere Muslime in Sicherheit.

Dann kommt der 12. Juli 1995. Die bosnisch-serbische Armee hat die UN-Schutzzone erobert. Der Standort der Niederländer ist umzingelt. Draußen steht der berühmt-berüchtigte bosnisch-serbische General Mladic. Innen muss Hasan Nuhanovic erleben, dass seine „Beschützer“ den Serben nichts entgegenzusetzen haben. Ja mehr noch, sie bemühen sich nicht einmal, das Leben der Angehörigen ihrer engsten Mitarbeiter zu schützen.

Hasan Nuhanovic bettelt bei seinen Vorgesetzten darum, doch wenigstens seinen jüngeren Bruder in Sicherheit zu bringen. Aber die Blauhelme sind unnachgiebig. Einer sagt ihm: „Du weißt doch, dass wir soviel Gepäck haben, da ist kein Platz mehr im Auto für Deinen Bruder.“

Hasans Bruder Muhammed und seine Mutter gelten bis heute als „vermisst“. Die sterblichen Überreste seines Vaters wurden erst vor zwei Jahren in einem Massengrab gefunden. Damit ist Hasans Familie unter den etwa 8000 Menschen, die von der bosnisch-serbischen Armee nach dem Fall von Srebrenica ermordet worden sind. Der Internationale Gerichtshof in Den Haag hat das Massaker als Völkermord eingestuft. Der damalige Führer der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, wartet derzeit auf seinen Prozessbeginn. Mladic ist nach wie vor auf der Flucht. Und die Überlebenden des Massakers, wie Hasan Nuhanovic? Die warten nach wie vor auf Gerechtigkeit.

Im September hat das Landgericht in Den Haag die Klage von Hasan Nuhanovic nach staatlicher Wiedergutmachung abgewiesen. Mit der Begründung: Die Niederlande könnten für das Versagen ihrer Blauhelmsoldaten vor 13 Jahren in Srebrenica nicht haftbar gemacht werden, denn die Militärs hätten auf Weisung und mit Mandat der Vereinten Nationen agiert. Deshalb müsse der Staat auch keinen Schadenersatz an die Angehörigen der Opfer bezahlen.

In einem anderen Verfahren hatte dasselbe Gericht im Juli eine Klage gegen die Vereinten Nationen zurückgewiesen. Damals erklärten die Richter, die Weltorganisation genieße laut der UN-Charta Immunität auch in Fällen von Völkermord.

Hasan Nuhanovic hat gegen das Urteil Berufung eingelegt.Nach jahrelangem Rechtsstreit hat er nun von einem niederländischen Gericht immerhin prinzipiell das Recht auf Entschädigung zugesprochen bekommen.

Für die Phoenix-Dokumentation ist er nochmals nach Srebrenica gefahren. An den Ort, wo er seine Familie das letzte Mal gesehen und vergeblich um ihr Leben gebettelt hat. Gleichzeitig beweisen bisher nicht veröffentlichte Archivaufnahmen das ganze Ausmaß des Versagens der niederländischen Soldaten unter dem Kommando der Vereinten Nationen.

Während seine Blauhelme gerade tausende Menschen an die mordbereiten serbischen Truppen ausliefern, fleht der erkennbar verschüchterte General Tom Karremans den serbischen General Mladic an: „Ich bin Pianist. Bitte erschießen Sie keinen Klavierspieler!“ Im Dezember 2006 wurde der inzwischen pensionierte Karremans mit einem Orden für den „tapferen Einsatz in Bosnien“ geehrt. 21:45-22:30 • PHOENIX

Volk ohne Land
Die Roma in Südosteuropa – Sie sind ein uraltes Volk aber ihre Probleme sind hochaktuell: die Roma in Europa. Ihre Heldenmärchen, in ihrer Sprache Rom „Paramisa“, schildern eine Welt, die es schon sehr lange nicht mehr gibt.

Das Märchen von der friedlichen Integration bleibt oft ein Traum. In den Mitgliedsstaaten der EU leben über zehn Millionen Sinti und Roma, sie sind die größte ethnische Minderheit. Zahlenmäßig sind es meist so viele, dass man kaum noch von einer Minderheit sprechen kann.

Die ungarischen Zigeunerkapellen, einst ein kulturelles Aushängeschild, sterben aus, ein Symptom. Die soziale Ausgrenzung lässt die Roma-Kultur insgesamt versiegen. Gerade haben sich die EU-Länder auf eine gemeinsame Roma-Strategie geeinigt. Federführend dabei ist Ungarn mit seinen 500.000 Roma. In Bulgarien ist die Integration weitgehend gescheitert. Ins Kosovo werden immer mehr Roma abgeschoben, die sich während des Kosovo-Krieges ins Ausland gerettet hatten. Dort steht ihnen das soziale Aus bevor, keine gute Grundlage für ein Leben in Legalität. Kriminalität ist oft ein Problem. In Rumänien sieht die Regierung tatenlos zu, wie Roma ins Ausland gehen, umgehend abgeschoben werden und gleich wieder gehen – ein Sicherheitsproblem.

Bei der Problematik der Migration stellt sich gleichzeitig die Frage an die europäischen Länder, was sie selber zur Integration beitragen. Eine Momentaufnahme, die auch Deutschland betrifft.

Roma und Sinti wurden zwischen 800 und 1000 n. Chr. durch einströmende arabische Volksstämme zur Auswanderung aus Indien gezwungen. Sie ließen sich überwiegend auf dem Balkan und in Osteuropa nieder. Viele mussten während regelrechter Pogrome weiterziehen z.B. nach Deutschland. Oft sind sie noch heute von offenem Hass begleitet. Ein Volk ohne Land. 22:30-23:15 • PHOENIX

Kleider und Leute
Ägypten – Diese Folge zeigt die unterschiedlichen Formen der Bekleidung in Ägypten, einem vom Islam maßgeblich geprägten Land. Neben traditioneller Kleidung tragen die Frauen auch hier gerne moderne modische Outfits.

In Sachen Bekleidung und Mode gibt auch in den arabischen Nachbarländern den Ton an. Auf dem Basar El-Ghouri im Zentrum der Kairoer Altstadt findet man die aufreizendsten Dessous der muslimischen Welt. In ägyptischen Städten sind häufig verschleierte junge Frauen, sogenannte „schicke Kokette“ zu sehen, die zu ihrem verhüllten Gesicht hautenge Jeans und schmale Oberteile tragen. Ihre Botschaft lautet ganz unverhohlen: „Ihr wollt, dass ich mein Haar bedecke, dafür zeige ich mein Hinterteil!“

Als Verkaufsargument machen sich die Anbieter moderner Kleidung die Angst verheirateter Frauen zunutze, von ihren Männern wegen einer schicker gekleideten Konkurrentin verlassen zu werden.

Doch auch traditionell gekleidete Frauen trifft man in sehr häufig an, auch unter den Jungen und Gebildeten. So wurde das Tragen der islamischen Tracht den ägyptischen Studentinnen ursprünglich unter anderem deshalb nahegelegt, weil dies billiger sei als modische Kleidung.

Hintergrundinformationen:
Zeige mir, was Du trägst, und ich sage Dir, wer Du bist – die Reihe „Kleider und Leute“ befasst sich mit Bekleidungstraditionen aus aller Welt. Dabei wird deutlich gemacht, dass Kleidung einen Ausdruck persönlicher und kollektiver Individualität darstellt. 03:45-04:10 • arte

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:
Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...