MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

Noch sind wir geschockt, aber wir werden unsere Werte nicht aufgeben. Unsere Antwort lautet: mehr Demokratie, mehr Offenheit, mehr Menschlichkeit.

Norwegens Ministerpräsident Jens Stoltenberg, Trauergottesdienst nach dem Terroranschlag im norwegischen Oslo und Utoya, 2011

Masterstudium

Jeder 20. Bachelor geht zum Master ins Ausland

Bachelorabschluss an der Universität Hannover, Master an der University of London – solche Studienwege werden zunehmen. Etwa 2.500 bis 3.500 deutsche Bachelors des Abschlussjahrgangs 2009 haben bereits ihr Studium im Ausland fortgesetzt. Das entspricht rund 5 Prozent an Universitäten und 3 Prozent an Fachhochschulen.

Bleibt es bei diesem Interesse, so werden angesichts der steigenden Studentenzahlen in zwei bis drei Jahren schon 11.000 Studierende pro Jahr nach ihrem Bachelorabschluss in Deutschland für das Masterstudium an eine ausländische Hochschule wechseln. Diese und weitere Zahlen zur Internationalität von Studium und Forschung in Deutschland sind in dem gerade erschienenen Datenreport „Wissenschaft weltoffen 2011“ enthalten. Er wird gemeinsam vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und dem HIS-Institut für Hochschulforschung (HIS-HF) herausgegeben.

„Gegenwärtig zieht es vor allem die Bachelors der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften zum Masterstudium ins Ausland. Bei den Ingenieurwissenschaftlern stellen wir hingegen noch eine größere Zurückhaltung fest“, erläutert Dr. Ulrich Heublein vom HIS-Institut für Hochschulforschung. Vor allem Hochschulen in Großbritannien, aber auch in Österreich, Frankreich, den Niederlanden und der Schweiz ständen bei den deutschen Masterstudierenden hoch im Kurs, so Heublein weiter. Insgesamt studierten 2008 über 100.000 Deutsche im Ausland, die meisten von ihnen haben vorher nicht in Deutschland studiert. „Kein westeuropäisches Land hat mehr eigene Studierende im Ausland vorzuweisen“, betont Dr. Simone Burkhart vom DAAD.

Jeder Zehnte ist Ausländer
Auch die Zahl der Ausländer, die zum Studium nach Deutschland kommen, wächst weiter. Im Studienjahr 2010 waren 181.000 an hiesigen Hochschulen eingeschrieben. Fast jeder zehnte Studierende in Deutschland ist ausländischer Staatsbürger und hat seine Studienberechtigung im Ausland erworben. Die Zahl ausländischer Studierender wird auch in Zukunft steigen, denn mit rund 61.000 haben 2009 so viele Studienanfänger aus anderen Ländern wie noch nie ein Studium in Deutschland aufgenommen. Sie kommen vor allem aus Ostasien und Osteuropa: China, Russland, Polen und Bulgarien stehen an der Spitze der Länderliste. Aber auch Studierende aus westeuropäischen Ländern wie Österreich und Frankreich interessieren sich zunehmend für ein Studium in Deutschland. Außerdem studierten 2010 63.500 ausländische Staatsangehörige in Deutschland, die hier auch zur Schule gegangen sind, meist Kinder von Migranten.

Download: Die Publikation „Wissenschaft weltoffen“ erscheint jährlich. Sie enthält Statistiken zur Auslandsmobi- lität von Studierenden und Wissenschaftlern. Wissenschaft weltoffen 2011 gibt es jetzt erstmals auch als pdf zum Download (PDF).

Besonders viele ausländische Studierende wählen einen ingenieurwissenschaftlichen Studiengang – hier ist ihr Anteil fast doppelt so hoch wie in anderen Fächern. Immer häufiger schreiben sich Ausländer ebenfalls in weiterführenden und Promotionsstudiengängen ein. Zwischen den Bundesländern bestehen dabei eine Reihe von Unterschieden: Sehr hohe Anteile an ausländischen Studierenden können das Saarland, Bremen und Berlin verzeichnen, relativ niedrige finden sich noch in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Thüringen. Während in Brandenburg die meisten ausländischen Studierenden aus Polen kommen, stellen im Saarland französische sowie in Hamburg und Sachsen österreichische Studierende die größte Zahl. In allen anderen Bundesländern stehen chinesische Studierende an der Spitze.

„Mit ihren ausländischen Studierenden stehen die deutschen Hochschulen auch im internationalen Vergleich gut da. Zusammen mit den USA, Großbritannien, Frankreich und Australien zieht Deutschland die meisten der mobilen Studierenden aus anderen Ländern an“, zieht Burkhart Bilanz. (pm/etb)

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:
Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...