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Niemand lässt sich so gut ausbeuten wie Mitglieder einer Gemeinschaft, die ohne Hilfe der anderen in Deutschland nicht überleben können – illegal und ohne Sprachkenntnisse.

Neske/Heckmann/Rühl, Menschenschmuggel, 2004
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Ländervergleich

Soziale Selektion im deutschen Hochschulsystem stark ausgeprägt

Die soziale Selektion ist im deutschen Hochschulsystem stärker ausgeprägt als in anderen Ländern. In der Schweiz und in den Niederlanden gibt es kaum sozialgruppenspezifische Unterschiede. Das ist das Ergebnis des Vierten Eurostudent Berichts.

Der Eurostudent IV-Bericht bildet den Abschluss der vierten Runde des Eurostudent-Projekts, mit dem seit der zweiten Hälfte der 1990er Jahre Schlüsseldaten zur sozialen und wirtschaftlichen Lage der Studierenden in Europa erhoben werden. 25 europäische Länder haben sich an der vierten Runde, die seit 2008 läuft, beteiligt. Die am vergangenen Mittwoche vorgestellte „Synopsis of Indicators“ präsentiert die Ergebnisse der vierten Runde in international vergleichender Perspektive.

Danach gilt die zunehmende Heterogenität der Studierendenschaft als eine der wichtigsten Herausforderungen für die Hochschulen und die Hochschulpolitik in der Zukunft. Die Studienergebnisse zeigen, wie differenziert die Wirklichkeit in Europa schon heute ist. So stellen die Anfang 20-Jährigen zwar in den meisten Ländern die Mehrheit der Studierenden, in einigen Ländern sind beachtliche Anteile der Studierenden aber auch 25 Jahre und älter. Dies gilt insbesondere für Österreich, Dänemark, Norwegen und Finnland, wo etwa die Hälfte der Studierenden älter als 24 ist. In Norwegen ist ein gutes Drittel der Studierenden sogar 30 Jahre oder älter. Im Vergleich dazu hat Deutschland einen niedrigen Anteil von Studierenden, die 30 Jahre und älter sind.

Selektion in Deutschland
Die Analysen von Eurostudent zeigen auch, dass sich unter den älteren Studierenden in den meisten europäischen Ländern besonders häufig Studierende niedriger sozialer Herkunftsgruppen befinden. Dies ist besonders vor dem Hintergrund eines weiteren Ergebnisses aus der „Synopsis of Indicators“ relevant: Der internationale Vergleich zeigt einmal mehr die soziale Selektivität des deutschen Hochschulsystems, in dem Studierende aus nicht-akademischen Elternhäusern deutlich unterrepräsentiert sind. Anders die Situation in der Schweiz und den Niederlanden: Hier gibt es kaum sozialgruppenspezifische Unterschiede in der hochschulischen Bildungsbeteiligung.

Schlechtere Chancen haben Studierende aus bildungsfernen Schichten auch mit Blick auf die Auslandsmobilität. Sie gehen nicht nur seltener ins Ausland und planen auch seltener, dies zu tun, sondern sind darüber hinaus in stärkerem Maße mit Hindernissen und hemmenden Faktoren bei der Planung und Durchführung von Auslandsaufenthalten konfrontiert.

Download: Die Synopsis „Social and Economic Conditions of Student Life in Europe.“ kann als PDF-Datei kostenlos heruntergeladen werden. Weitere Informationen gibt es auf eurostudent.eu.

Kein Geld = kein Auslandsstudium
Für diejenigen deutschen Studierenden, die sich gegen ein Auslandsstudium entscheiden, ist die erwartete finanzielle Mehrbelastung der Haupthindernisgrund. Dies gilt ebenso für die meisten Eurostudent-Länder. Lediglich in den skandinavischen Ländern wird ein anderes Hindernis häufiger als Grund gegen einen Studienaufenthalt im Ausland angeführt: die hierzu erforderliche Trennung von Familie und Freunden. Von deutschen Studierenden wird des Weiteren relativ häufig auf den befürchteten Zeitverlust als Argument gegen ein Auslandsstudium verwiesen. Der Zugang zu Informationen über Auslandsaufenthalte stellt für sie hingegen kein wesentliches Problem dar.

Projektleiter Dr. Dominic Orr vom HIS-Institut für Hochschulforschung beschreibt die Herausforderungen eines so umfangreichen internationalen Projekts: „Das europäische Hochschulsystem ist extrem vielfältig. Trotzdem sieht man: Es gibt ähnliche Probleme und alle Länder versuchen, Antworten zu finden. Für uns in Deutschland wird durch den internationalen Vergleich deutlich, wo im Hochschulsystem die Herausforderungen liegen. Zugleich kann uns die Situation in den anderen Ländern Lernanstöße geben, wie wir diese Herausforderungen erfolgreich bewältigen können.“ (hs)

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