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Wenn mir etwas Sorge macht, dann nicht Sarrazins Buch, das ich für das absurde Ergebnis eines Hobby-Darwins halte. Viel mehr Sorge macht mir, dass dieser Rückgriff auf die Eugenik in unserem Land gar nicht mehr auffällt, ja mehr noch: als »notwendiger Tabubruch« frenetisch gefeiert wird.

Sigmar Gabriel (SPD-Chef), Die Zeit, 16.09.2010

Buchtipp zum Wochenende

Jahrbuch für Islamophobieforschung 2011

Seit vielen Jahren ist die Islamophobie keine Randerscheinung mehr. In dem aktuellen „Jahrbuch für Islamophobieforschung 2011“ reicht die Themenpalette von Islamophobie in der Politik über Medien bis hin zur Popkultur.

DATUM1. April 2011

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In Deutschland stellte jüngst der renommierte Shadow Report des European Network Against Racism eine über unterschiedlichste Parteien auftretende Islamophobie fest. Und auch in Österreich zeigt der aktuelle Rassismus-Report der Antirassismusstelle ZARA einen dramatisch gestiegenen Rassismus gegenüber Frauen mit Kopftuch.

„All diese Prozesse verdeutlichen die Wichtigkeit, sich mit Islamfeindlichkeit als einer spezifischen Form der Menschenfeindlichkeit auseinanderzusetzen“, so der Politikwissenschafter Farid Hafez. Deshalb veröffentlichte er jüngst die zweite Ausgabe seines Jahrbuchs für Islamophobieforschung für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Damit geht der Versuch einer sachlichen Auseinandersetzung mit diesem Thema weiter. Im Zentrum dieser interdisziplinären Publikation stehen sachlich fundierte und wissenschaftlich systematische Analysen islamophober Geschehnisse in den drei deutschsprachigen Ländern.

 

Doris Angst und Astrid Mattes untersuchen die Rezeption des Schweizer Minarettverbots in Schweizer und österreichischen Zeitungen. Petra Klug kritisiert in ihrem Beitrag die kulturalistischen Implikationen der Position von Judith Butler.

Farid Hafez setzt sich mit neuen Ausdrucksformen der Islamophobie bei der Freiheitlichen Partei Österreichs am Beispiel des Wiener Wahlkampfes auseinander. Martin Meyraths originärer Beitrag beschäftigt sich mit islamophoben Diskursen in der österreichischen Popkultur am Beispiel des Liedes „Supertürke“. In dem Artikel von Philipp Becher wird schließlich das Feindbild Islam in neurechten Periodika vor dem 11. September analysiert.

„Die interdisziplinären Beiträge veranschaulichen sehr deutlich, wie sehr islamophobe Diskurse in unterschiedlichen Bereichen unserer Gesellschaft wirken“, so Hafez abschließend.

Das JfI richtet sich an ForscherInnen, Lehrende, StudentInnen und politisch interessierte Menschen, die sich für die Lage in den drei deutschsprachigen Ländern Deutschland, Österreich und der Schweiz interessieren. Das JfI sieht sich insofern auch als Jahrbuch mit internationaler Ausrichtung, als es zum einen auch englische Publikationen rezensiert und zum anderen Abstracts der jeweiligen Artikel sowohl in deutscher wie auch in englischer Sprache publiziert. (eb)

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17 Kommentare
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  1. MoBo sagt:

    Guter Aprilscherz, es gibt doch seit ’45 keinen Rassismus mehr in Deutschland + Österreich!

    [/Sarkasmus aus]

  2. Kalif Harun al-Pussah sagt:

    Wollte mich letzte Woche wegen Islamophobie krankschreiben lassen. Sagt der Arzt: „Geht nicht, gibt’s nicht“???

  3. Bleier sagt:

    Die Menschen werden eben durch solche Meldungen geprägt:

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,754557,00.html

    Wenn sich Menschen dann eine negative Meinung über den Islam bilden, kann man das natürlich Islamophobie nennen.

    Also solche Meldungen einfach abtun: „Sowas passiert halt“? Oder halt nicht mehr Menschen lynchen und köpfen. Schwere Frage…

  4. Karl Willemsen sagt:

    Mal abgesehen davon, dass die Wortschöpfung „Islamophobie“ auf den überaus sympathischen Ayatolla Khomeni zurückgehen soll und die Benutzung eines Krankheitsbegriffes als Schimpfwort eher etwas über den max. pubertären Entwicklungsstand des Benutzers aussagt – ist der Begriff doch inhalt ziemlich daneben.

    Kennzeichnend für jegwede Phobiestörung ist doch, dass der Betroffene den Anlass der Angst zu vermeiden versucht wo es nur geht!

    Dem zufolge müsste der Islamophobiker™ doch zb. in einem Islamforum (wie ich heute erst gelernt habe, ist das Migazin ja ein solches 😉 ) genau so selten anzutreffen sein, wie zb. die Spinnenphobikerin in einem Spinnenterrarium!

  5. Europa sagt:

    @Karl Willemsen & @Kalif Harun al-Pussah
    Sehr gute Beiträge! Ich sehe das genau so.
    Wenn es tatsächlich sowas wie Islamophobie geben sollte, dann gibt es logischerweise doch auch eine Christophobie. Und unter Christophobie leidende Menschen sind in der islamsichen Welt durchaus stark verbreitet, sogar in der achso liberalen und toleranten Türkei.

    Wer mit dem Finger auf andere zeigt, zeigt mit drei Fingern auf sich zurück!

  6. MoBo sagt:

    Cool, einfach mal als deutsche Mehrheitsgesellschaftsmitglieder so tun als ob es keine Diskrimierung gäbe… So kann man sich die Welt auch schönreden. Oder durchs Ablenken in dem man den Ursprung des Wortes kritisiert oder über die Türkei redet.

  7. Herätiker sagt:

    MIGAZIN = religiös bedingtes anpangern und hetzen gegen Anders- u. Nichtgläubige, unter dem Deckmantel gesellschaftspolitischer Wissenschaftlichkeit. Wo ist denn Euer gesellschaftspolitischer Beitrag ? – oder seit Ihr nur in der Lage schamlos zu fordern und uns mit euren pseudo-religiösen Tugenden zu blenden ?

  8. Mika sagt:

    @Herätiker
    Klicken Sie doch mal politkforum.net an und stellen doch bitte mal die gleichen Fragen!

  9. Belladetta sagt:

    Eine nicht zu unterschätzende Phobie seitens der Muslime in diesem Land ist die Angst, irgendwie mit Schweinefleisch kontaminiert zu werden. Gerade Kindern ist daher strikt untersagt, Freunde aus dem Kindergarten oder der Grundschule zuhause zu besuchen, denn man weiß ja nicht, was ihnen dort angeboten wird. Das Misstrauen den Deutschen gegenüber ist immens und hat mich immer wieder erstaunt. Sie können sich schnell ausrechnen, welche Konsequenzen diese Einstellung mit sich bringt.
    Dass muslimische Kinder bei uns ein und aus gingen und der Kontakt problemlos war, hing schlichtweg mit unserer vegetarischen Lebensweise zusammen.


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