MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

Gedenken an Holocaust Teil unserer gemeinsamen Leitkultur.

Armin Laschet, Nordrhein-Westfälischer Integrationsminister, MiGAZIN, 28. Januar 2010

SPD

Positionspapier Integration

„Alle reden über Integration – aber was ist gemeint? Wenn Sie uns fragen: Wo Integration gelingt, haben alle Menschen gleiche Chancen auf Teilhabe an der Gesellschaft“, so die SPD in ihrem neuen „Positionspapier Integration“. MiGAZIN dokumentiert das Papier.

Gleichberechtigt am Arbeitsmarkt

Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse
Wer mit einem ausländischen Berufsabschluss in Deutschland arbeiten will, muss sich diesen Abschluss anerkennen lassen. Das ist ein steiniger Weg: Manche Regelungen finden sich im Recht des Bundes, manche in dem der Länder und manche in dem der Europäischen Union. Und wer ist zuständig? Mal der Bund, mal die Länder. Und selbst innerhalb der Länder ist unklar, an welche Stelle man sich wenden muss. Außerdem wird zwischen reglementierten und nichtreglementierten Berufen, zwischen akademischen und nicht-akademischen Berufen sowie zwischen verschiedenen Herkunftsgruppen unterschieden. So entstehen lange, komplizierte, ineffiziente und für die Betroffenen kaum zu durchschauende Verfahren. Die Folge: Etwa 500.000 Akademikerinnen und Akademiker mit ausländischem Abschluss arbeiten unterhalb ihrer Qualifikation. Das ist schlecht für alle. Die Betroffenen fühlen sich nicht wertgeschätzt und arbeiten unterqualifiziert. Und die Gesellschaft verschenkt wertvolle Potentiale.

In Zeiten des Fachkräftemangels können wir nicht auf hunderttausende gut ausgebildete Kräfte verzichten. Deshalb haben wir uns schon 2008 in der Großen Koalition für ein Anerkennungsgesetz eingesetzt. Daran halten wir fest:

  • Es soll einen Rechtsanspruch auf ein Anerkennungsverfahren geben.
  • Die Anerkennungsstellen müssen innerhalb von drei Monaten entscheiden.
  • Wir brauchen bundesweit einheitliche und transparente Anerkennungskriterien.
  • Es muss ein Register geben, in dem die Vergleichbarkeit aus und inländischer Abschlüsse eingesehen werden kann.
  • Es muss eine Teilanerkennung und das Recht auf Anpassungsqualifizierung geben, um später voll anerkannt zu werden.
  • Es muss möglich sein, seinen Abschluss unter der Auflage vorläufig anerkannt zu bekommen, dass man sich berufsbegleitend nachqualifiziert.

Programm MigraPlus
Unter unserer Regierungsverantwortung haben wir ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erfolgreich in den Arbeitsmarkt integriert: Mit der „Perspektive 50plus – Beschäftigungspakte für Ältere in den Regionen“. An die Erfolge dieses Programms möchten wir anknüpfen und werden mit der Bundesagentur für Arbeit ein weiteres Programm auflegen: „MigraPlus“.

Dabei werden drei Fragen im Vordergrund stehen: Wie können kulturelle Hürden abgebaut werden? Wie können Mehrsprachigkeit und interkulturelle Kompetenz als Potenzial genutzt werden? Und wie können wir sprachliche Integration am Arbeitsplatz fördern? Zum Beispiel so: Im Rahmen einer Arbeitsgelegenheit nach dem SGB II arbeiten zwei Migrantinnen oder Migranten mit schlechten Sprachkenntnissen mit zwei Deutschen in einem Team. Dazu bekommen sie sprachpädagogische Begleitung. Dies könnte eine von vielen Ideen sein, die wir mit MigraPlus umsetzen. Dabei werden wir auf Erfahrungen aus vielen regionalen, bislang aber nicht gebündelten Programmen der Arbeitsagenturen zurückgreifen.

Berufliche Qualifizierung

  • Zusammen mit Unternehmen möchten wir alle Möglichkeiten betrieblicher Weiterbildung ausschöpfen.
  • Wir möchten berufsbezogene Sprachförderung bei allen Qualifizierungsmaßnahmen.
  • Wir möchten mehr längerfristige Qualifizierungsmaßnahmen.

Übergang Schule-Beruf
In der deutschen Bevölkerung ohne Migrationshintergrund haben 13 Prozent aller Erwachsenen über 25 Jahre keine Ausbildung. Bei Menschen mit Migrationshintergrund sind es 41 Prozent – mehr als dreimal so viele! Das wollen wir ändern:

  • Wir werden das Angebot der Berufseinstiegsbegleitung ausbauen: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bundesagentur für Arbeit unterstützen und beraten junge Menschen verstärkt bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz.
  • Wir setzen uns bei Unternehmen für mehr Ausbildungsplätze ein. Wo es an betrieblichen Ausbildungsplätzen fehlt, werden wir für ausreichende außerbetriebliche Ausbildungsplätze sorgen.
  • Insbesondere Unternehmen, die von Migrantinnen und Migranten geführt werden, bilden unterproportional aus. Das muss sich ändern – deshalb haben wir sie mit den Initiativen „Jobstarter“ und „KAUSA – Koordinierungsstelle Ausbildung in Ausländischen Unternehmen“ gezielt in die Pflicht genommen, mehr auszubilden. Hier werden wir auch auf Ausbildungsverbünde setzen, damit Unternehmen diese Aufgabe gemeinsam bewältigen können.
  • Es gibt viele berufsvorbereitende Maßnahmen zwischen Schule und Beruf, um Jugendlichen den Weg in eine Ausbildung zu erleichtern. Dies ist das so genannte Übergangsmanagement. Wir werden das Förderprogramm „Regionales Übergangsmanagement“ weiterführen und verbessern: Zum einen werden wir die Sprachförderung in den Vordergrund stellen. Zum anderen werden wir die bessere Zusammenarbeit von allgemeinbildenden und beruflichen Schulen, Berufsbildungs- und Jugendhilfeeinrichtungen, Betrieben, Kammern, Arbeitsagenturen und Kommunen fördern. Zuletzt werden wir die erfolgreiche Vermittlung in eine reguläre Ausbildung in den Vordergrund rücken – Jugendliche dürfen nicht auf unbestimmte Zeit in der Warteschleife berufsvorbereitender Maßnahmen hängen.

Förderprogramm Zweite Chance
Wir werden das Förderprogramm Zweite Chance auflegen. Damit werden wir jungen Erwachsenen Nachqualifizierungs- und Ausbildungsangebote machen. Wer drei Jahre nach Schulabschluss keinen Ausbildungsplatz gefunden hat, soll einen gesetzlichen Anspruch auf eine Ausbildung erhalten.

Außerdem werden wir neben der beruflichen auch bei der schulischen Bildung ansetzen. Jugendliche ohne Migrationshintergrund verlassen die Schule zu rund 6 Prozent ohne Abschluss. Unter Jugendlichen mit Migrationshintergrund sind es 15 Prozent, also mehr als doppelt so viele. Deshalb soll, wer ohne Schul- oder Berufsabschluss arbeitet, seinen Abschluss mit finanzieller Unterstützung berufsbegleitend nachholen können.

Interkulturelle Öffnung der Bundesagentur für Arbeit
Die Bundesagentur für Arbeit vermittelt auch Migrantinnen und Migrantinnen in den Arbeitsmarkt. Dafür muss die Agentur die Hindernisse beseitigen, aber auch die Potentiale nutzen, die es bei dieser Gruppe gibt:

  • Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen interkulturell qualifiziert werden. Was heißt das? Zum Beispiel: Unbewusste Vorurteile erkennen. Auch Vermittlerinnen und Vermittler schließen bisweilen von schlechten Deutschkenntnissen auf schlechte Leistungsfähigkeit oder mangelnde fachliche Qualifikation. Doch der Arbeitsuchende kann trotz mangelhafter Deutschkenntnisse viel von seinem Handwerk verstehen. Ein weiteres Beispiel: Wenn vor einer Einstellung aufenthaltsrechtliche Fragen auftauchen, sollten Vermittlerinnen und Vermittler diese den Unternehmen erklären können.
  • Jugendliche mit Migrationshintergrund sind vielfach auf ein enges Berufsspektrum konzentriert. Das heißt: Sie wählen aus wenigen und traditionellen Ausbildungsberufen. Die Vielfalt der möglichen Berufe ist ihnen oft unbekannt. Deshalb muss die Beratung verbessert werden.
  • In der Bundesagentur für Arbeit müssen mehr Menschen mit Migrationshintergrund arbeiten.
  • Wir werden in der Bundesagentur für Arbeit ebenso wie in den Grundsicherungsstellen ein eigenes Amt des Integrationsbeauftragten einrichten.
  • Mehrsprachigkeit muss als Potenzial erkannt und berücksichtigt werden.

Öffentlicher Dienst: Mit gutem Vorbild voran
Die Verwaltung muss mit gutem Vorbild vorangehen. Ob Bundesministerien, -ämter oder Bundesagentur für Arbeit: Der Anteil von Auszubildenden und Beschäftigten mit Migrationshintergrund soll erhöht werden. Dafür brauchen wir keine Quoten, aber Selbstverpflichtungen mit konkreten Zielen.

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Ein Kommentar
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  1. […] und das kommunale Wahlrecht auch für Nicht-EU-Ausländer plädiert die SPD im „Positionspapier Integration“, das am Freitag auf der Jahresauftaktklausur in Magdeburg vorgestellt wurde. Der Grundsatz, […]



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