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Migration und Integration in Deutschland

Die Wirtschaft entschied über die Anzahl der angeworbenen Gastarbeiter wie über deren Verteilung innerhalb der Bundesrepublik.

Ursula Mehrländer, Ausländerpolitik im Konflikt, 1978

Fazıl Say

Orient und Okzident, Klassik, Jazz und türkische Kunstmusik

Der in Ankara geborene Pianist ist ein Wanderer zwischen den Welten – Rhythmus und Tempo beherrschen Kunst und Gesellschaft, der Jazz erobert nun die Tanz- und Konzertsäle.

VONAlexander Hollensteiner

DATUM17. September 2010

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RESSORTAktuell, Feuilleton

QUELLE Monatsbroschüre 10/2010, Konzerthaus Berlin

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Alexander Hollensteiner: Von 1990 bis 1995 haben Sie in Berlin gelebt. Wie haben Sie die Stadt damals empfunden?

Fazıl Say: Nach meinem Konzertexamen in Düsseldorf habe ich an der damaligen HdK gelehrt, Kammermusik gemacht, Liedbegleitung, Rezitals, Privatschüler unterrichtet. Ich habe in Schöneberg gewohnt. Es war eine wahnsinnig interessante Zeit nach der Wiedervereinigung. Aber es hat eine ganze Generation gedauert, bis Berlin wirklich eins geworden ist. Die Stadt hat eine ganz besondere Aura und deswegen ist sie die Lieblingsstadt vieler Menschen. Berlin hat seine eigene Melancholie.

Hollensteiner: Auch kulturell öffnete sich die Stadt …

„Ob man mich nun Botschafter nennt oder nicht: Ich mache das sowieso. Es ist meine Natur, das passiert von ganz alleine.“

Say: Ja, ich konnte die verschiedenen Berliner Orchester hören, das frühere Radio-Symphonie-Orchester Berlin (heute DSO), die Philharmoniker mit Wand und Abbado und natürlich das ehemalige Berliner Sinfonieorchester (heute Konzerthausorchester Berlin). Es gab natürlich ein riesiges Interesse am Konzerthaus; ich habe viele große Abende und sehr schöne Sachen erlebt. Später habe ich dann regelmäßig hier gespielt, solo und Kammermusik.

Hollensteiner: Wie wichtig ist Ihnen die Ansprache des türkischen Publikums während Ihrer Residency?

Say: Sehr wichtig. In Berlin leben über 200.000 Türken, was fast 7 Prozent der Einwohner ausmacht. Das Problem ist, dass die Türken fast ausschließlich ihre eigenen Zeitungen lesen und türkische Kanäle im Fernsehen schauen, in denen vom Berliner Kulturleben wenig gesprochen wird. Ich werde mir für die türkischen Presseagenturen, Zeitungen und TV-Sender Zeit nehmen und mit ihnen sprechen, damit sie mich während dieser Zeit begleiten. Als z.B. in Dortmund und Hamburg, wo ich regelmäßig gespielt habe, die Konzerte gut annonciert wurden, waren teilweise bis zu 50 Prozent Türken im Konzert! Das ist eine Aufgabe der Kommunikation – das werde ich unterstützen, weil es mir wichtig ist.

Hollensteiner: Viele bezeichnen Sie als Botschafter der Musik. Wie sehen Sie sich selbst?

Say: Ich habe in der Türkei Beethoven und Mozart gespielt – Musik, die dort selten gehört wird. Und hier integriere ich Musik aus der Türkei in meine Kompositionen. Ob man mich nun Botschafter nennt oder nicht: Ich mache das sowieso. Es ist meine Natur, das passiert von ganz alleine.

Hollensteiner: In Dortmund konnten Sie bereits einige Erfahrungen innerhalb einer Residency sammeln, kommunikativ wie auch programmatisch.

Info: Fazıl Say ist Artist in Residence des Konzerthauses Berlin in der Saison 2010/11.

Say: Ja, das ging immerhin über fünf Jahre. Im Konzerthaus Berlin habe ich 13 Konzerte, allerdings in sehr viel dichterer Folge. Wer mich kennt, wird ein Porträt herauslesen können: Die Residency umfasst alle Facetten meiner Person, es hat einen inneren Zusammenhang. Sozusagen ein Porträt von mir als Komponist und Interpret, mit Solo, Kammermusik, Rezital und Jazz.

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