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Migration und Integration in Deutschland

Es wird selbstverständlich sein, dass jemand Mehmet heißt und nicht Hans – wir halten das aus.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), Deutsche Presse-Agentur (18.01.2013)

Ein Plädoyer

Wir sind Integration

Wenn von Integration die Rede ist, denkt man in erster Linie an Migranten und an Schwierigkeiten. Doch das eigentliche Problem sind häufig die Deutschen ohne Migrationshintergrund, die nicht an Integrationsprozessen teilhaben wollen und einer fragwürdigen Multi-Kulti-Theorie anhängen. So bleiben die Potenziale, die in neuen Formen von Identität stecken, auf der Strecke – und Verlierer sind nicht nur die Migranten. Oder: Ein Plädoyer für die gegenseitige Veränderung von Migranten und Deutschen.

VONJan Opielka

Jan Opielka (32) arbeitet als freier Journalist schwerpunktmäßig zu Themen aus Polen sowie zur Migration. Er stammt aus Polen, lebt seit 21 Jahren in Deutschland und hat Politikwissenschaft und Anglistik studiert. Neben seinen journalistischen Tätigkeiten hat er in der Jugendhilfe gearbeitet, vorwiegend mit Jugendlichen mit Migrationshintergrund sowie mit Asylbewerbern. Gemeinsam mit seiner Frau Katarzyna arbeitet er zudem freiberuflich an der Schnittstelle zwischen Deutschland und Polen, etwa in den Bereichen Weiterbildung sowie Übersetzungen/Dolmetschen. www.communication-opielka.com

DATUM13. November 2009

KOMMENTARE31

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Haben Sie Kinder? Dann machen Sie mal einen Test: Sagen Sie zehn von ihren Bekannten, dass Sie für Ihr Kind eine Krippe, Kita oder Schule suchen, in der unbedingt auch Migrantenkinder sind, und zwar in etwa so viele, wie sie tatsächlich auch in der Gesellschaft repräsentiert sind. Das sind inzwischen eine ganze Menge, denn jedes dritte Kind unter drei Jahren in Deutschland entstammt heute einer Familie mit Migrationshintergrund, in der Gesamtbevölkerung hat jede fünfte Person einen Migrationsbezug. Wie wird also die ehrliche Reaktion der meisten Angesprochenen sein? Im Grunde zu häufig so: Beim Türken oder Libanesen essen, das ist okay. Aber mit Türken oder Libanesen gezielt auf eine Schule? Und in der Regel stellt man seine Kinder so ein, wie man auch selbst eingestellt ist.

Integration aber ist immer insbesondere auch Beziehung, und zwar nicht nur allgemein, die Beziehung zu einer Gesellschaft und ihren Institutionen, sondern vor allem konkret, zu Personen. Daher drängt sich die Frage auf, wie sich Integration in Deutschland gestalten soll, wenn nur wenige autochthone Deutsche daran teilhaben wollen? Jenseits aller verzerrten Wahrnehmung, Integration sei bleiern schwer und bringe hauptsächlich Probleme, bleibt die geringe Teilnahme der autochthonen Deutschen an Integrationsprozessen im Kern einer anderen Ursache geschuldet. Denn selbst wohlwollende deutsche Zeitgenossen sehen ihren Beitrag zur Integration neben ihrer Toleranz vor allem in der Bereitstellung passender Instrumente, etwa der Sprachförderung, für die zu Integrierenden – und nicht in der tatsächlichen Veränderung, oder besser: der Öffnung ihrer und des Landes selbst für bewusste Veränderungen, die aus dem Zusammenleben resultieren könnten. Daher auch ist die gut gemeinte Idee von Multikulti in ihrer jetzigen Form nicht einmal die halbe Antwort auf die Tatsache einer pluralen Gesellschaft. Denn die meisten Multikulti-Befürworter verstehen mit ihrer Toleranz zwar ein friedliches Nebeneinander-Gedeihen verschiedener kultureller Gewächse, aber, das ist wichtig, bei verschiedenen Menschen – und nicht in einer Person, vor allem nicht in den Autochthonen selbst. In der Praxis sieht es dann so aus, dass Menschen teilweise unterschiedlich leben, differente kulturelle Verankerungen haben, sich gegenseitig tolerieren, doch die gemeinsamen Schnittmengen mehr als überschaubar bleiben. Doch was ist Integration eigentlich anderes, als die Herstellung bzw. das Entstehen von etwas Neuem aus Bestandteilen, die vorher in keinem gemeinsamen Kontext standen?

Im allgemeinen Sprachgebrauch ist denn auch fast ausschließlich von der Integration in etwas, etwa in die deutsche Gesellschaft die Rede. Dabei wird meist übersehen, dass eine Integration in etwas immer ein stark assimilierendes Moment hat, und zwar nicht nur von der Sprachkonstruktion her, sondern auch von der tatsächlichen Wahrnehmung: Jemand, der sich in etwas integriert, wird, um im Sprachbild zu bleiben, in etwas Bestehendes hinein genommen – ohne, dass sich das, in das er sich integriert, verändern würde. Tatsächlich müsste es sich aber doch verändern – nur wird dies von Sprache und Realität ausgeblendet. Integration in etwas bedeutet in diesem Mainstream-Denkmuster fast zwangsläufig, dass der zu Integrierende auf etwas verzichtet. Man integriert sich in etwas und kann dies doch nur, wenn man vorher Unpassendes ablegt, etwa kulturelle Gewohnheiten, wie das Schächten von Schafen – oder aber die Ursprungs-Staatsangehörigkeit. Und, das ist ganz wichtig: Dasjenige, in das man sich integriert, bleibt nach diesem Schema weitgehend unverändert, nur qualitativ gibt es eine Bewegung – nämlich steigende Bevölkerungszahlen. Eine solch verstandene Integration in die Gesellschaft ist aber zu häufig zum Scheitern verurteilt, weil sie unnötige Opfer auf Seiten der Einwanderer und ihrer Nachkommen verlangt. Viele von ihnen erbringen diese Opfer, häufig um den Preis eines inneren Heimatverlustes.

Doch eine nachhaltigere Integration ist nicht die einseitige Integration – und damit de facto Assimilation – in etwas, sondern die beider-, oder vielmehr multiseitige Integration miteinander – also die Integration der deutschen mit den ausländischen Kulturen; soweit eine derart klare Trennung vorher überhaupt besteht. Eine Integration mit jemanden oder mit etwas ist die gleichzeitige Veränderung aller beteiligten „Akteure“ – also der Mehrheit und der Minderheit(en), die freilich auch zuvor keine monolithischen Blöcke sind. Dabei verändern sich im Optimalfall alle, und zwar je so stark, wie es ihre Quantität, aber auch die „Qualität“ bedingt. Im Regelfall wird sich freilich die Minderheit stärker verändern. Doch bringt jemand in eine Integrationsbeziehung überzeugende Argumente mit ein – etwa ein neuartiges Denken – so sollte er selbst die quantitativ überlegene Mehrheit (auch in friedlicher Auseinandersetzung) durchdringen können und sie stärker verändern, als er selbst verändert wird. Etwas Ähnliches geschah in Deutschland und anderen Ländern etwa in der 68er-Bewegung. Es fand eine – sehr konfliktreiche – Integration von unterschiedlichen Denk- und Verhaltensprinzipien statt, bei der „Rebellen“ und „Mehrheitsgesellschaft“ (auch hier: nicht monolithisch) sich durchsetzten und zugleich verzichteten, sich veränderten, eben: miteinander integrierten – und nur ewig Gestrige regen sich heute über das Schwulsein von Guido Westerwelle auf. Undenkbar vor 40 Jahren.

Eine ähnliche Entwicklung findet in Deutschland im Zusammenhang mit Einwanderer-Kulturen und migrantischen Lebenswelten nur bedingt oder gar nicht statt. Die Mehrheit der Deutschen ohne Migrationshintergrund sieht kaum bis keinen Anlass, sich mit den schillernden Facetten ausländischen Lebens in Deutschland zu integrieren, was bedeuten würde, dass sich die Mehrheitsgesellschaft, und damit einzelne Individuen, eben auch verändern und dies bewusst zulassen. Grund dafür ist häufig, dass das Prestige vieler Länder – und damit natürlich auch ihrer Sprachen, Kulturen, Mythen – aus dem afrikanischen, arabischen oder osteuropäischen Raum in Deutschland recht weit unten rangiert. Was nicht nur deswegen schade ist, weil Image und Wirklichkeit des Öfteren nicht das Gleiche sind, sondern auch, weil dadurch vor allem autochthone Deutschen die Möglichkeit verpassen, ihrer Identität wertvolle Akzente hinzuzufügen. Der Journalist Arno Widmann beschrieb die Frage der Identität im Kontext von Europa einmal so: „Es gibt keinen Grund zur Angst, die eigene Identität zu verlieren. Man hat sie nämlich nicht. Man erwirbt sie. Man erwirbt sie, in dem man sie mehrt. Es gibt da nichts zu verteidigen außer der Freiheit, sie mehren zu dürfen.“ Tatsächlich gibt es in Deutschland kein gesetzliches Verbot, die eigene mono-nationale Identität um andere nationale und kulturelle Ideen und Verankerungen zu mehren, sie in das eigene Dasein einzubeziehen, und zugleich mit den Menschen, die diese Ideen und Verankerungen repräsentieren, gemeinsam Integration zu betreiben.

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31 Kommentare
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  1. Mehmet sagt:

    Sie zeigen hier auf, wie etwas aufgearbeitet wurde. Ich meinte jedoch das Aufreten (!) dieser Ereignisse. Denn wenn Menschen in einer Gesellschaft fähig sind, sich selbstkritisch zu betrachten, käme es erst gar nicht zu diesen Greueltaten, sondern man würde die Konfliktherde schon im Keim ersticken.

    Zu Erdogan:
    Was er sagt, ist gar nicht mal so wichtig wie das, was er damit bewirken möchte. Es geht nämlich unter anderem darum, den Nahost-Raum in kürzester Zeit für sich zu gewinnen und weitere Absatzmärkte für die Türkei zu gewinnen. Hierfür ist die Kooperationsbereitschaft dieser Länder natürlich immens wichtig. Da die Türken unter vielen Arabern nicht gerade das beste Image haben, muss man dies natürlich aufpolieren. Und wie macht man das? Einfach etwas Honig um den Mund schmieren. Und genau das macht Erdogan. Ob er das wirklich ernst meint, was er sagt, wage ich zu bezweifeln. Dafür ist er ein zu ausgeklügelter Stratege und wählt seine Worte sehr gekonnt. Ob das nun gut oder schlecht ist, darüber mag man streiten.

  2. Krause sagt:

    ich schütte jetzt mal Asche über mein Haupt: Das selbst solche Menschen diskriminiert werden, ist eine Schande für Deutschland. Da muß sich wirklich dringend etwas ändern.

    http://www.derwesten.de/nachrichten/2009/11/17/news-141168602/detail.html

  3. Mehmet sagt:

    Hut ab! Das rechne Ich Ihnen hoch an 😉

  4. markus hill sagt:

    Solche Artikel zeigen doch eigentlich, worum es da geht. In den Foren hier reiben sich oft Leute aneinander, die eigentlich in ihrer Kritik ganz andere Leute meinen.:-)
    Natürlich sind solche Artikel genau die, von denen es viel mehr geben sollte. Das Übrige in der Wahrnehmung (positiv) geschieht oft durch persönliche Kontakte. (Die „Problemgruppen“ werden jetzt ja auch nicht mehr in der Presse verschwiegen, von daher kann viel Positives durchaus ein willkommener Kontrast sein – der Faktor Zeit spielt halt immer noch eine Rolle beim Wandel vom einseitigigen Problemfoukus zum Signal „Viele sind in Deutschland gut angekommen!“:-)

  5. municipal sagt:

    Ich möchte dieses Thema nochmals nach vorne holen. Grund ist ein ganzseitiger Artikel heute in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG, die nun nicht gerade als rechtslastig bekannt ist.

    Es geht um Berlin. Es geht um Integration. Und es wird schonungslos darüber gesprochen.

    Nicht nur von Bürgermeister Buschkowsky oder der Richterin Heisig. Oder der Schulleiterin Frau Busse die sagt

    Zitat

    „Weichspülprogramm“, sagt Frau Busse. „Ich hab es so satt, das Gelaber“, sagt Frau Heisig. Beide wissen, dass es mancherorts schon zu spät ist und sich eine neue Mehrheitsgesellschaft gebildet hat, eine aggressive. Kirsten Heisig vernimmt ja viele Lehrer als Zeugen, und sie erfährt von Schuleingängen, durch die keine deutschen Schüler mehr dürfen, nur muslimische, die Mehrheit sorgt dafür, so wie sie dafür sorgt, dass nur sie bestimmte Toiletten benutzen darf; und Kirsten Heisig erfährt von deutschen Schülern, die keine Salami mehr auf ihre Brote wollen, denn in der Salami ist Schweinefleisch, und das kommt gar nicht gut in diesem Umfeld.
    Zitat Ende

    Sie sagen WIEDER NUR DEUTSCHE, die alle übertreiben, die rassistisch sind ?

    Oh nein.

    Zitat

    Und noch jemand ist nicht weit weg von Sarrazin, er erwähnt sogar von selber den wegen missliebiger Äußerungen kritisierten Bundesbanker, er sagt, „vielleicht fünf bis zehn Sätze zu viel hat Sarrazin gesprochen, aber grundsätzlich trifft seine Analyse zu“, und dieser Jemand heißt Mustafa Akcay und ist stellvertretender Vorsitzender des Türkisch-Deutschen Zentrums in Berlin.
    Zitat Ende

    http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/491357

    Bitte lesen Sie diesen ausführlichen Artikel, Selten wurde so offen und schonungslos über dieses Thema gesprochen.

    Ich würde mich auch über eine Stellungnahme von MIGAZIN/Herrn Senol sehr freuen.

  6. NDM sagt:

    Was möchten Sie damit eigentlich sagen? Warum schon wieder Sarrazin? Der Typ hat einen […], um es mal mit seinem Niveau auszudrücken. Ich muss niemanden anerkennen, der sich dermaßen abfällig gegen über Personengruppen verhält.

    Buschkowsky mag ich. Wenn er Kritik übt, dann nicht aus einer angeekelten Abneigung heraus, wie Sarrazin. In einem seiner Sätze hat es Buschkowsky auf den Punkt gebracht wird: „Die Eltern sind mir schnuppe. Ich will, dass die Kinder eine Chance außerhalb des Milieus kriegen.“

    Sarrazin will diese Kinder leber aus Berlin herauskriegen, Buschkowski will sie aus der Unterschicht rauskriegen. Ich persönlich würde diese Familien am liebsten komplett aus den Sozialbaughettos herauskriegen, und hätte solche menschenverachtenden Sozialsiedlungen in dieser Form nie zugelassen. Ich würde die Wohnungsvermittlung viel stärker regulieren, Deutschlandweit. Bei HartzIV- Wohnkostenberechnung darf es nicht darum gehen, dass die Wohnung möglichst billig ist, denn so schiebt man alle armen in ein Ghetto ab. Es müsste darum, gehen, wie viele ALG2-Empfänger sonst noch in der Gegend leben. Jede Stadt, jeder Bezirk und jedes Dorf bräuchte seine eigene Unterschichtenquote, denn so sind die entsprechenden Familien – und vor allem die Kinder – dem entsprechenden Integrationsdruck der Mehrheit ausgesetzt – im Sinne des in diesem Artikel beschriebenen.

    HartzIV-Empfänger sollten, wenn es nach mir ginge, keinesfalls dort eine günstige Wohnung bekommen können, wo es bereits eine nennenswerte Konzentration an „Unterschichtsfamilien“ gibt. Wie sollen die Kinder denn etwas anderes als HartzIV kennenlernen, wenn es in ihrer Umgebung nur HartzIV-Empfänger gibt? Wie ich in einem anderen Kommentar anmerkte: je nach Mehrheitsverhältnissen integriert man sich als einzelner tendenziell eher in die Mehrheit. HartzIV wird so zur regionalen gesellschaftlichen Normalität. Diese Familien müssen genau dort untergebracht werden, wo genau die Menschen leben, die über sogenannte „Parallelgesellschaften“ meckern. Auch die haben mit dafür zu sorgen, dass sich das ändert. Nicht mit einem „Iih, Hartzvierer! Raus!“, sondern mit einem klaren: „Rein! In unsere Mitte!“ – und da ist es mir, um Buschowskys Wortwahl zu nutzen, völlig Schnuppe, wenn die „Besserverdienerviertel“ dadurch ein wenig abgewertet werden. Es geht dabei nämlich um wichtigeres, als kurzfristig um den Geldbeutel der „Mittel- und Oberschicht“, sondern darum, ob sich zukünftige Generationen von der Brust von „Mama Staat“ ernähren, oder ob sie auf eigenen Beinen stehen können – und damit geht es langfristig doch um den Geldbeutel der Gut- und Besserverdienenden.

    Ich weiß, dass sich das ein wenig mit Art. 11 GG ( http://dejure.org/gesetze/GG/11.html ) beißt, jedoch geht es hierbei um den – Zitat Art.11GG: „Schutz der Jugend vor Verwahrlosung“ – und in einer Gegend, in der die „Unterschicht“ die Mehrheit stellt, sind Jugendliche meiner Haltung nach der Verwahrlosung direkt ausgesetzt.

    Übrigens ist dies ein Offtopic-Thema, das eher in folgenden Artikel passen würde:
    http://www.migazin.de/2009/10/21/migranteneltern-verhindern-integration-ihrer-kinder/

    MfG

  7. Markus Hill sagt:

    Zitat/Artikel, der „Bürgermeister“:
    „Diese Kinder“, sagt er, „sind nicht dümmer als die sieben Kilometer weiter im Süden. Aber es macht zu Hause niemand etwas mit ihnen. In der deutschen Unterschicht schickt die Mutter das Kind mit den Hausaufgaben zum Vater, und der Vater schnauzt, ich gucke Fußball, zieh ab. In der migrantischen Unterschicht beherrschen die Eltern die deutsche Sprache schlecht oder gar nicht. Manchmal ist es den Kindern sogar verboten, Deutsch zu sprechen, eben weil die Eltern es nicht verstehen und Angst haben, die Kinder reden über sie. Im Grunde haben wir, und jetzt sage ich wieder so einen Satz, auf den sich alle stürzen werden, nur eine Chance: Wir müssen die Kinder dieses Milieus gegen ihre Eltern erziehen. Die Eltern sind mir schnuppe. Ich will, dass die Kinder eine Chance außerhalb des Milieus kriegen.“
    Bevor man solche Ansätze verurteilt, sollten Sie zumindest einmal getestet werden. Diese Leute haben jetzt mehrere Generationen Zeit gehabt, das Problem ist wohl von Generation zu Generation weitergegeben worden. (Der Ansatz erscheint übrigens auch nationalitätsübergreifend zumindest einer Prüfung wert).

  8. municipal sagt:

    @NDM

    Was ich damit sagen will ? Das diese Probleme in den archaischen Vorstellungen dieser Menschen begründet sind, die sie mit ihrer Religion als richtgig begründen, genau wie es in dem von Ihnen verlinkten Beitrag beschriben ist:

    Zitat

    „Die Familien kommen aus Kulturkreisen mit einem Werte- und Sozialisationsgerüst, das von unseren mitteleuropäischen Zivilisationsnormen weit entfernt ist. Der Überlebenskampf, spartanische Existenzgrundlagen, Familienriten, Geschlechterrollen, Gewalt als Herrschafts- und Kommunikationsform haben sie in ihren Herkunftsländern geprägt. Und hier versuchen sie nun, ihr bisheriges Leben hinter verschlossenen Türen zu konservieren. Sie sind nie wirklich angekommen und, was viel schlimmer ist, durch die tradierten Erziehungsmuster verhindern sie die Integration ihrer Kinder“, so Buschkoswsky.

    Zitat Ende

    Es gibt ABSOLUT einen kausalen Zusammenhang von Verhalten und Religion. Wenn Sie dann noch von den Verbänden (und z.B. Herrn Erdogan) in ihrem FESTHALTEN bestärkt werden, muß man sich nicht wundern.

    Und hier komme ich zu meiner Kernaussage: Wir wären mit der Integration dieser Menschen mit Sicherheit weiter, wenn wir das Fördern und FORDERN-Prinzip konsequent verfolgt hätten, und den Verbänden nicht diesen politischen Stellenwert eingeräumt hätten, den DIE wirken eher konservierend, denn die sagen diesen Menschen, „Du mußt immer Türke bleiben, die Türkei ist Deine Heimat“.Und Ihre angemahnte Veränderung des Wohnorts/Bezirks ist da eher sekundär.

    Extremer ist es noch bei den Migranten aus dem arabischen Raum:

    Zitat
    Es kamen nur Vertreter jener Verbände und abweisende Väter. „Einer schwang seine Gebetskette vor meiner Nase und sagte, ich habe elf Kinder, und meine Töchter sind meine Ehre, sie sollen gute Hausfrauen und Mütter werden und brauchen keinen Schulabschluss – nur um mir das mitzuteilen, war der erschienen.“
    Zitat Ende

    Zitat

    Es kamen nur Vertreter jener Verbände und abweisende Väter. „Einer schwang seine Gebetskette vor meiner Nase und sagte, ich habe elf Kinder, und meine Töchter sind meine Ehre, sie sollen gute Hausfrauen und Mütter werden und brauchen keinen Schulabschluss – nur um mir das mitzuteilen, war der erschienen.“

    Zitat Ende

    Un Sie sagen jetzt, ja das sind halt die Brennpunkte in Berlin und den Großstädten…….

    Nur zum Teil

    Zitat

    Buschkowsky hat bei dem Kongress, dem mit den Hostessen, natürlich die Tür geöffnet und gesprochen, dazu war er ja eingeladen worden. Wie immer tat er es schonungslos kritisch, und als er fertig war, sind ein paar Kreisfunktionäre der SPD aufgestanden und haben sich von der Seele geredet, wie es bei ihnen ist, in Augsburg, in Wesel. Genauso wie in Neukölln, nur eine Nummer kleiner eben.

    Die Erkenntnis war nicht unbedingt neu für ihn, er fand es nur ganz nett, dass jetzt andere damit herausgerückt waren.

    Zitat Ende

    Haben Sie den Artikel überhaupt komplett gelesen, NDM ?

  9. NDM sagt:

    Ich habe den Artikel gelesen, und ich habe auch Sarrazins unsägliche Auslassungen gelesen. Zwischen beiden besteht ein himmelweiter Unterschied, und zwar der, den ich angemerkt hatte. Die Motivation unterscheidet sich, und die „Lösungs“ansätze unterscheiden sich. Gruppen, die Sarrazin loswerden möchte, will Buschkowsky aufwerten, durchaus auch durch Ausübung von staatlicher Autorität. Ich bin eher dafür, Sachzwänge dahingehend zu manipulieren, dass eine Einbindung in die Gesellschaft ganz von alleine geschieht, s.o.

    Von Religion sprechen übrigens beide nicht – darauf lasse auch ich mich in diesem Zusammenhang nicht ein, weil es erfahrungsgemäß nichts zur Sache beiträgt, wenn man sich gegenseitig Suren, Hadithe und Rechtsgutachten um die Ohren wirft.

  10. eisgruber sagt:

    Es wird nun doch deutlich, dass die Angst vor der Transformation der deutschen Gesellschaft als Resultat eines dynamischen Prozesses nicht nur ein Thema von Menschen ohne Migrationshintergrund auf der einen Seite und Menschen mit Migrationshintergrund auf der anderen Seite ist.
    Es leben Menschen unterschiedlicher Herkunft in Deutschland, die natürlich ganz unterschiedliche Wertesysteme haben. Das ist eine Realität. Es ist doch dann nur natürlich, wenn Menschen, die ganz verschiedene Werte und Anschaugen haben, die Nähe zu dem vermeidlich Anderen oft nicht ertragen können. Dieses ist aber nichts Neues, wie die Geschichte und Gegenwart anderer Einwanderungsländer zeigt.
    Diese Transformation der deutschen Gesellschaft , die vor dem Hintergrund der Globalisierung unumkehrbar ist, löst somit bewußte und unbewußte Ängste aller Menschen -Menschen mit Migrationshintergrund und Menschen ohne Migrationshintergrund- aus. Es wird mit größter Gewissheit Gewinner und Verlierer dieser Transformation der deutschen Gesellschaft jenseits der Herkunft geben. Diese Tatsache löst bei allen Menschen, die in Deutschland leben,
    Ängste aus. Dies wird hier allzu deutlich durch alle Beiträge bestätigt. Eines sollte aber immer gelten:
    Das Üben von Tolerranz ist ein gesamtgesellschaftliches Projekt, und fordert eine Bringschuld von allen Menschen in diesem Land, die an einer offen und solidarischen Gesellschaft interessiert sind.
    Markus Eisgruber


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