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Migration und Integration in Deutschland

Die Umstellung darauf, dass jetzt die Ausländer die Überlegenen sind, da sie wenigstens einen Arbeitsplatz besitzen, ist für viele nicht nachvollziehbar.

Friedrich Landwehrmann, Strukturfragen der Ausländerbeschäftigung, 1969

Türkische Presse Europa

12.11.2009 – Koch, Marwa, Köln Radyosu

Die Europaausgaben türkischer Tageszeitungen berichten heute überwiegend über die Entscheidung des Dresdener Gerichts im Mordfall Marwa sowie über den Besuch des hessichen Ministerpräsidenten Roland Koch in der Türkei. Außerdem ist ist die geplante Kürzung türkischsprachiger Radiosendungen beim WDR Thema in der Presse.

Roland Koch in der Türkei
Hessens Ministerpräsident Roland Koch habe sich einer Meldung in der ZAMAN zufolge in der Türkei mit türkischen Politikern zusammengesetzt und über die Einführung von islamischen Religionsunterricht beraten. Die TÜRKIYE titelt: „Koch tastet sich an Religionsunterricht heran“.

Die SABAH hingegen legt den Fokus auf die Forderung Roland Kochs, dass in Schulen nur Deutsch gesprochen werden solle. Roland Koch wolle nicht, dass in Schulen andere Sprachen gesprochen werden. Man brauche eine gemeinsam Sprach. Alles andere wäre ein großes Problem. Außerdem weist die SABAH darauf hin, dass Roland Koch sich zuallererst mit Politikern von der türkischen CHP getroffen habe.

Die MILLIYET hingegen titelt, „Es gibt keinen Sprachzwang“ und teilt mit, dass Roland Koch sich Deutsch in Schulen wünscht, aber kein Zwang gibt. MILLIYET fügt dem hinzu, dass an manchen Berliner Schulen bereits Deutschpflicht besteht.

Kein extremistischer Hintergrund
Die Einschätzung des zuständigen Staatsanwältin im Fall der Elsenfelder Moschee ist Thema in der heutigen ZAMAN. Eine Gruppe von Jugendlichen hatten eine im Bau befindliche Moschee mit Schweineblut befüllten Ballons beworfen und Schweineaugen hinterlassen. Nachdem die Täter ermittelt wurden hatte die zuständige Staatsanwältin einen extremistischen Hintergrund ausgeschlossen, weil die Täter als Motiv angegeben hätten, dass sie nicht nachvollziehen konnten, wie eine Moschee eine Baugenehmigung bekommt. Auch habe sich die Moschee noch im Bau befunden und sei nicht in Betrieb gewesen, weswegen lediglich einfache Sachbeschädigung vorliege. Der Vorsitzende des Islamrats, Ali Kizilkaya, habe diese Einschätzung kritisiert. Dies zeige, dass man Islamophobie in Deutschland nicht ernst nehme, ist in der ZAMAN zu lesen.

Lebenslänglich für Marwa-Mörder
Die Entscheidung des Berliner Kammergerichts im Mordfall Marwa findet breiten Raum in den türkischen Tageszeitungen. HÜRRIYET, TÜRKIYE, MILLIYET, ZAMAN und SABAH titeln ähnlich: Lebenslänglich für Mörder von Marwa. Mehr oder weniger ausführlich werden die Entscheidungsgründe des Gerichts wiedergegeben.

Anerkennung ausländischer Qualifikationen
In der HÜRRIYET ist über die Berliner Integrationspreisverleihung zu lesen. Die für Integration zuständige Maria Böhmer habe dort gesagt, dass man die im Ausland erworbenen Qualifikationen anerkennen und mehr Lehrer mit Migrationshintergrund beschäftigen werde. Die TÜRKYIE räumt den Integrationspreisträgern größeren Raum ein und stellt diese vor.

Köln Radyosu
Die Pläne des Westdeutschen Rundfunks, mehr als die Hälfte aller türkischsprachigen Sendungen aus dem Programm zu nehmen, stößt laut ZAMAN auf heftigen Widerstand stoße. So ist zu lesen, dass das Vorhaben von den türkischstämmigen Redakteuren des WDR mit Kündigungen protestiert worden sei.

HÜRRIYET und MILLIYET berichten ebenfalls über die geplanten Kürzungen und teilen mit, dass die endgültige Entscheidung über die Zukunft der türkischsprachigen Sendungen auf den nächsten Monat vertagt worden sei. Die WDR wolle die Sendezeit der Programme wegen Sparmaßnahmen kürzen.

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