MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

Anzeige

Die Umstellung darauf, dass jetzt die Ausländer die Überlegenen sind, da sie wenigstens einen Arbeitsplatz besitzen, ist für viele nicht nachvollziehbar.

Friedrich Landwehrmann, Strukturfragen der Ausländerbeschäftigung, 1969

Migranten-Milieu Studie

Wo liegt der „Norden“ superdiverser Stadtgesellschaften?

Prof. Dr. Thomas Kunz, Vertretungsprofessor für das Fachgebiet „Soziale Arbeit in der Einwanderungsgesellschaft“ an der Fachhochschule Frankfurt am Main, kommentiert die Studie „Migranten-Milieus“ des vhw (wir berichteten).

VONProf. Dr. Thomas Kunz

Vertretungsprofessor für das Fachgebiet „Soziale Arbeit in der Einwanderungsgesellschaft“ an der Fachhochschule Frankfurt am Main.

DATUM9. November 2009

KOMMENTAREKeine

RESSORTMeinung

SCHLAGWÖRTER , ,

Seite 1 2

DRUCKENAnsicht

MEHR ZUM ARTIKEL

DANKE,
ich möchte MiGAZIN auch in Zukunft lesen!

Kritisch zu kommentieren ist hingegen in der vorgelegten Studie grundsätzlich der Ansatz, für Menschen mit Migrationshintergrund einen eigenen, vom sog. mehrheitsgesellschaftlich orientierten Milieuansatz unterschiedenen zu verfolgen. Auch wenn die Autoren mit dem erweiterten Begriff Migrationshintergrund hantieren, so wären, gerade in Anbetracht der Konjunktur, die jener Begriff in der migrations- wie integrationspolitischen Debatte in Deutschland mittlerweile zu verzeichnen hat, doch zumindest dessen Reichweite und Schwierigkeiten skeptisch zu reflektieren1. Manch Deutscher (mit Migrationshintergrund) und manche sog. Ausländerin sind doch längst Bestandteil einer gemeinsamen Milieulandschaft. Folglich wäre u.a. zu reflektieren, warum und – wenn ja – bis wann Menschen, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind und welche die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, kraft der Fremdzuschreibungskategorie Menschen mit Migrationshintergrund eigentlich ein eigenes Migrantenmilieu zugewiesen werden soll? Das Dilemma der nach Migrationshintergrund getrennten Milieuwelten führt zu Zuordnungszwängen. Wie ist diesen zu entgehen?

Bezug der Studie: Gegen eine Schutzgebühr von 15,- € für vhw-Mitglieder bzw. für 25,- € für Nichtmitglieder ist die Studie (Umfang 88 Seiten) über das Referat Öffentlichkeitsarbeit zu erhalten: Referat Öffentlichkeitsarbeit, Ruby Nähring / Ulrike Röhner, Tel. 030 39 04 73-170/121

Perspektivisch ist ein gemeinsamer Milieuraum zu entwickeln, der die Kategorie Migrationshintergrund berücksichtigen (kann), jedoch nicht als Unterscheidungskriterium fungiert, um voneinander scharf abgrenzbare Milieusettings zu bilden. Diese Kritik und den hieraus zu entwickelnden künftigen Milieuansatz sehen und benennen erfreulicherweise auch die Autoren der vhw-Studie. Hierbei halten sie auch fest, dass die jetzigen Erkenntnisse bereits nahelegen, dass die provokante Frage nach sog. parallelgesellschaftlichen Tendenzen durch die Milieustudie verneint werden kann. Diese Einschätzung ist wichtig, zumal bereits der Ansatz der Entwicklung einer parallelen Milieulandschaft diese Frage sozusagen von Hause aus nahelegte. Der in der Studie vorgestellte Ansatz, die Milieulandschaft der sog. Mehrheitsgesellschaft und der Migranten-Milieus gemeinsam abzubilden, weist – trotz der Feststellung, beide seien „nicht 1:1 vergleichbar“ – in die richtige Richtung. Ihn entsprechend differenziert zu entwickeln steht allerdings noch aus. Ein erster Schritt ist jedoch gemacht. Ziel muss es sein: Der Sinus-Milieu-Ansatz sollte endlich so superdivers werden, wie es die Stadtgesellschaften bereits sind. Dies ist die Richtung, die der vom vhw vorgelegte Milieu-Kompass vorgibt.

Quelle: Verbandszeitschrift des vhw Forum Wohnen und Stadtentwicklung

  1. vgl. Hamburger, Franz (2005): „Die Verschiedenheit dominiert“ in: Treffpunkt 2/2005, S.3/4.  []
Seite: 1 2
Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:
Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...