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Migration und Integration in Deutschland

Wenn wir Millionen von Menschen die doppelte Staatsbürgerschaft geben, die sie weitervererben, werden wir eine dauerhafte türkische Minderheit in Deutschland haben. Das bedeutet eine langfristige Veränderung der Identität der deutschen Gesellschaft. Ich bin dagegen.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), Münchner Merkur, 6.11.2013

Reportage

Auf türkische Art ins Alter – Erstes deutsches Pflegeheim

Die Eltern zu Hause pflegen oder ins Altersheim bringen. Besonders Familien ehemaliger türkischer Gastarbeiter fällt diese Entscheidung schwer. Das erste deutsche Pflegeheim für türkische Rentner in Berlin krempelt dieses Diskussion langsam um. Vorbilder dafür hat es bisher keine gegeben.

VONJan Thomas Otte

Jan Thomas Otte hinterfragt mit kritischen Reportagen krustige Glaubenssätze und Denkstrukturen. Der Journalist schreibt Reportagen über Karrierestreben, soziales Engagement und Sinnsuche. Für seine Porträts über Einwanderer und Austeiger, Integration und Migration ist er zu mehreren Awards nominiert worden. Dabei bezieht er auch die Religion seiner Gesprächspartner mit ein. Als Theologe hält Jan Thomas Otte Fragen nach Glauben, Identität und Moral für unterschätzte Tugenden. Jan Thomas Otte studierte an der Universität Heidelberg. Parallel kam eine Journalistenausbildung bei der Konrad-Adenauer-Stiftung hinzu. Der Business-Querdenker, Deutschland-Fan und bekennende Christ schreibt für Medien wie den Rheinischen Merkur, die Rhein-Neckar-Zeitung oder DIE WELT. Regelmäßig schreibt er bei Perspektive Mittelstand eine Kolumne zum Thema WorkLife. In seiner Freizeit engagiert er sich ehrenamtlich in Kirchen und dem Kinderschutzbund in Deutschland. Außerdem hat er als Journalist das Magazin Karriere-Einsichten gegründet. Mit einem Team von 10 Korrespondenten berichtet er hin und wieder auch über Integrationsthemen. Schliesslich bedeutet Karriere ja manchmal auch, international mobil zu sein. Mehr auf Jan Thomas Ottes Homepage.

DATUM8. Oktober 2009

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RESSORTGesellschaft

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Neues Pflegeangebot: Umkrempeln türkischer Traditionen
Warum ist das Haus noch nicht voll? Die meisten türkischen Senioren werden eben noch zuhause gepflegt. Doch das neue Angebot krempele Gespräche unter Türken über Altenpflege kräftig um. Vergleichbar sei das mit der deutschen Diskussion der 68er, seit der es „nichts Schlimmes“ mehr ist, auch seine eigenen Eltern, Opa und Oma in professionelle Pflege zu geben. „Wir haben Bewohner aus Kiel, aus Bielefeld, aus Fulda und München. Aus ganz Deutschland eben“, erklärt Berghoff die Multi-Kulti-Mischung der Bewohner.

Im Sinne der Qualität sei der langsame Aufbau „eine ganz hervorragende Sache“, denn jeder Bewohner, der hier bei in die Einrichtung komme, müsse ja auch persönlich und individuell aufgenommen werden. „Wir arbeiten hier mit Biographie-Arbeit, müssen also sehen, wo kommt der Mensch her, was mag er, was vielleicht nicht“, sagt der Geschäftsführer. Es müsse eine Pflegeplanung gemacht werden, die sehr aufwendig ist. Zwei Jahre brauche es wohl noch, bis das Heim voll ausgelastet ist. Das sei langsamer als gedacht, aber man arbeite dran, denn es ist ja ein Pilotprojekt, in dem Erfahrungen gesammelt werden, die in weiteren deutschen Großstädten im Ruhrgebiet, Frankfurt oder Köln, umgesetzt werden können – neue Heime für alte Türken.

Mit den Wohlfahrtsverbänden wie Diakonie, Paritätische und Caritas würde man sich austauschen. Eine ganze Branche würde man damit bewegen, sagt Berghoff selbstbewusst, verwöhnt von dem Medienrummel, den es seit der Eröffnung um dieses Haus gegeben hat. Nicht nur mit Funktionären, auch mit Kindergärten und Jugendvereinen arbeite man unbürokratisch zusammen, tanze, singe und bastele zusammen mit den Bewohnern – meist zu Feiertagen, wenn man mag.

Genauso sei das auch bei den Gesprächen: Man kann oben allein auf seinem Zimmer sein, wenn man will, oder unten zusammen mit den anderen Bewohnern türkisches Fernsehen gucken und Tee trinken. Inzwischen hat Ziya Bircan im Erdgeschoss einige Bekanntschaften gemacht. Aber auch außerhalb des Pflegeheims ist er ein kontaktfreudiger Mensch. Zum Beispiel hat er sich mit dem Gemüsemann um die Ecke angefreundet, den er regelmäßig besucht. Ein kurzer Plausch, kleine Spaziergänge – das sei doch nett und halte ihn fit.

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3 Kommentare
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  1. municipal sagt:

    Einige markante Auszüge aus diesem Bericht , die auch den Gesamtkomplex „türkisch/muslimische“ Migation beleuchten, und Sachverhalte in einem anderen Licht erscheinen lassen:

    …die hier nach ihren türkischen Bräuchen und Sitten im Alter leben. Das heißt zum Beispiel, dass Männer nur von Männern und Frauen nur von Frauen gepflegt werden, was Bircan wichtig ist.

    Er ist nur einer der ehemaligen Gastarbeiter, die vor mehr als vierzig Jahren aus der Türkei nach Deutschland gekommen sind, AUF EIGENEN WUNSCH, um hier gut bezahlte Arbeit zu bekommen.

    Besonders konservative Türken würden denken, dass die Eltern das Gesicht gegenüber der Gesellschaft verlieren, wenn sie „ins Alten-heim abgeschoben“ werden.

    …..die Fragen seien oft dieselben: „Warum gibt man Angehörige hier ab? Haben Sie Kinder – und machen das trotzdem?“. Unter ihnen ist eine junge Dame, Mitte zwanzig, religiös, mit Kopftuch. Schüchtern spricht sie Yildiz Akgün an. Sie habe eine Schwiegermutter zuhause. Die Pflege würde allein an ihr hängen bleiben, DIE FAMILIE DENKE KONSERVATIV UND ERWARTE DAS SO. Niemals könne sie ihrem Ehemann sagen „Du, ich kann das nicht mehr machen. Wir könnten die Schwiegermutter ja doch mal in ein Pfle-geheim bringen, oder?“. Die junge Muslimin scheint mit ihrer Pflegerolle über-fordert. Trotz aller Schwierigkeiten konnte sich die Frau nicht dazu durchringen, dieses Thema offen zu Hause anzusprechen.

    Die HÜRDE DER SCHAM sei nicht so leicht zu umgehen. Um Spannungen in der Familie zu vermeiden, würden die Frauen die Pflege der Eltern meist komplett übernehmen. Viele Frauen WÜRDEN ERST DURCH DIE HOCHZEIT NACH DEUTSCHLAND KOMMEN, wobei dieses Opfer normal sei, sagt Akgün „die Familie geht davon aus, dass die Frau das macht“.

    Sich an ein deutsches Heim anzugliedern kann sie sich nicht vorstellen – schon wegen der GLEICHGESCHLECHTLICHEN PLEGE,DIE DER ISLAM VORSCHREIBT.

    „Wir sind ein Haus für Menschen aus der Türkei“, sagt Akgün. Christen seien hier willkommen, WENN AUCH NICHT EXPLIZIT EINGELADEN, sagt die Sozialarbeiterin.

    ……
    Hervorhebungen wichtiger Punkte (durch GROSSSCHREIBUNG) durch mich.

  2. calahan sagt:

    Ein grandioses Beispiel für eine grandios geglückte Integration, nicht wahr? Sogar Christen seien willkommen, nanana! Was sagt denn das tolle ,einzigartige Buch dazu? Da sollten sie doch mal nachschlagen! Nicht das noch die Hölle wegen Apostasie droht!
    Wenn man da an die sterilen italienischen, griechischen, portugiesischen, englischen oder französischen Altersheime in Deutschland denkt, mein Gott, was sind die schlecht integriert!



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