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Migration und Integration in Deutschland

Wir haben unsere Behörden über Jahrzehnte in eine Abschottungskultur hineinentwickelt. Man hat gesagt: Haltet uns die Leute vom Hals, die wollen alle nur in unsere Sozialsysteme einwandern. Jetzt müssen wir deutlich machen, dass wir Fachkräfte brauchen, dass wir um sie werben müssen.

Peter Clever, Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, April 2013

Portrait: Linda Ortolani

Kinder, Küche, Menschenrechte

Linda Ortolani macht sich für die Rechte der Kinder stark und kämpft engagiert für eine bessere Integration von ausländischen Kindern im Rhein-Neckar-Delta. Für ihr Engagement wurde sie mit dem DAAD-Preis für ausländische Studierende ausgezeichnet.

VONJan Thomas Otte

DATUM30. September 2009

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RESSORTGesellschaft

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Charlotte schreit unaufhörlich, krabbelt aufgebracht auf dem Küchenboden herum. Auf dem Herd kocht das Wasser, im Nebenraum läuft die Waschmaschine. Linda Ortolani eilt nachsichtig zu ihrer Tochter, umarmt sie und streichelt ihr durchs Haar. „Sie hat heute ihren Mittagsschlaf nicht gemacht“, entschuldigt sich die lebensfrohe 26-Jährige mit einem Lächeln in ihren dunklen Augen. Als die Zweijährige, mittlerweile durch ein Spielzeug abgelenkt, zufrieden ist, kann sich die Mutter mit den bunten Ohrringen wieder den Menschenrechten zuwenden.

Vor sieben Jahren kam sie aus Luxemburg nach Heidelberg, um hier ein Lehramtstudium an die Pädagogische Hochschule zu machen. Zurzeit sitzt sie an ihrer Magisterarbeit. Ein Schulpraktikum in Kolumbien, wo ihr heutiger Partner Juan herkommt, brachte für ihre Aktivitäten die Initialzündung: „Das Leiden der dortigen Kinder hat mich persönlich betroffen, schockiert und sogar richtig aggressiv gemacht“, erklärt Linda und verweist dabei mit lebhaften Handbewegungen auf die zahlreich aufgeklebten Postkarten an der Wand. Portraitierte Kinder, die einen erwartungsvoll mit großen Augen anschauen.

Kindernot vor der eigenen Haustür erkannt
Zurück in Heidelberg stimmte die couragierte Studentin nicht in das verbreitete Klagelied über die Ungerechtigkeit der Welt ein. Auch drückte sie keine Überweisung an anonyme Hilfsorganisationen ab, denn sie möchte lieber an Ort und Stelle helfen: „Kolumbien hat mir die Augen geöffnet, ich habe erkannt, dass das die Not von Kindern bereits vor meiner eigenen Haustür beginnt“, erklärt Linda ihren Rücksprung von Lateinamerika nach Heidelberg. Akademisch nennt man Lindas Anliegen interkultureller Dialog, Toleranz und Integration. „Das sind Schlagworte, deren Akzente im Alltag spürbar werden müssen“, betont die durchaus bescheiden lebende Menschenrechtlerin hartnäckig, die Mutter, Hausfrau und Magistrandin zugleich ist.

Sie ist glücklich darüber, hilfsbedürftigen Kindern zu helfen. Ganz praktisch mit Deutschnachhilfe, kreativen Aktionen an der Schule und der Gründung eines Ateliers für Kinderrechte, was Ende Januar an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg eröffnet wird. Linda ist eine gutmütige Frau, welche – einen Koffer voller Ideen und Pläne im Kopf – ausländische Kinder tatkräftig unterstützt. „Es geht mir darum, dass die Sprösslinge bereits in der Grundschule lernen, sich selbstbewusst in der Gesellschaft zu bewegen und mutig die deutsche Sprache zu lernen“. Sie weiß nur zu gut, wie das ist, in einem Land zu leben, wo man im ersten Moment kein Wort versteht. Im flämisch-französischen Umfeld Luxemburgs aufgewachsen, begegneten der kontaktfreudigen Tochter eines Italieners bereits in der eigenen Kindheit verschiedene Sprachkulturen. Das italienische Blut ist der temperamentvollen Frau anzumerken.

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