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Migration und Integration in Deutschland

In allen Zielstaaten der Arbeitsmigration weisen die Eltern der als Migranten erfassten Jugendlichen eine kürzere Schulbesuchszeit und einen geringeren ökonomischen, sozialen und kulturellen Status auf als die Eltern von Nichtmigranten. Nirgendwo ist dieser Unterschied … aber so stark wie in Deutschland.

Konsortium Bildungberichterstattung, Bildung in Deutschland, 2006

Grundschule

Bekenntnisschulen benachteiligen Migrantenkinder

Eine Bürgerinitiative in Nordrhein-Westfalen wendet sich gegen die Neuregelung, wonach Grundschulen Kinder in ihrer Nähe nicht aufnehmen müssen, wenn die Konfession des Kindes nicht die richtige ist. SPD und Grünen sehen darin eine Benachteiligung von Migrantenkindern und fordern das Land zum handeln auf.

Mit der Abschaffung der Schulbezirksgrenzen dürfen Eltern ihre Kinder an eine Schule Ihrer Wahl schicken und sind nicht mehr ortsgebunden. Dies hat zur Folge, dass „bessere“ Schulen sich ihre Schüler aussuchen können. Eine weitere Folge ist, dass nun auch die Konfession eine Rolle spielt und teilweise Vorrang vor der Wohnortnähe bekommt. Bürgerinitiativen beklagen nun, dass Kindern ohne Taufschein – überwiegend Migrantenkinder – der Weg zu einer besseren Schulbildung verwehrt wird.

Diese Woche wandten sich mehr als 500 Eltern mit einer Petition an den nordrhein-westfälischen Landtag. Sie beklagen, dass Kinder ohne Taufschein im Schuljahr 09/10 trotz Wohnortnähe an konfessionellen Schulen nicht aufgenommen werden, obwohl konfessionelle Schulen nicht von den Kirchen, sondern von den Kommunen getragen werden. Sie hoffen, dass sich die Regelungen für die Anmeldung für die Einschulung 2010 ändern werden.

Die Bürgerinitiative trägt den Namen „Kurze Beine, kurze Wege“ und möchte eine politische Lösung. Die aktuelle Regelung führe zur sozialen Desintegration von Schulbeginn an. Sie führe zur Entstehung von Brennpunktschulen für Kinder aus Migrantenfamilien. Besserverdienende Eltern würden keine Mühe und keine langen Wege scheuen, um ihre Sprösslinge an Bekenntnisschulen von Migranten zu separieren.

Renate Hendricks, schulpolitische Sprecherin der SPD-Opposition im Landtag unterstützt die Bürgerinitiative und bezeichnet die Neuerung als bildungs- und integrationspolitisches Problem, die zur sozialen Spaltung führe. „Dagegen müsste Integrationsminister Laschet vorgehen“, so die Politikerin. SPD und Grüne fordern, dass alle 3500 Grundschulen in NRW, davon 1100 katholisch und 100 evangelisch, in erster Linie Kinder aus der Nähe, also mit kurzem Schulweg, aufnehmen.

FDP hingegen gehört zu den Befürwortern der Neuerung. Die Aufhebung der Schulbezirksgrenzen sei ein Wettbewerbsanreiz für die Schulen, ein Druckmittel zur Qualitätssicherung und Profilierung.

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19 Kommentare
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  1. nemesis666 sagt:

    Oh du schöne heile Welt!
    Mehrsprachig im Mutterleib; Klavierunterricht in der Kinderkrippe ………………….Amoklauf auf dem Gymnasium.

  2. Mehmet sagt:

    Das war bei uns auf der Grundschule nicht anders. Alle Ausländer sind in einer Klasse, die Deutschen in der anderen. 🙂

  3. Johanna sagt:

    >MultiKulti ja, aber nicht mit unseren Kindern! Das ist die Verlogenheit der Grünen.<

    So sehe ich die Grünen auch.

    Sie werden nachher hinter "gated communities" leben. Eines Politikers Leben ist doch später sorgenfrei;)

  4. Johanna sagt:

    „Alle Ausländer sind in einer Klasse, die Deutschen in der anderen. :)“

    Sind Sie in den Kindergarten gegangen oder eine Förderstufe vor der Grundschule w/Deutsch?

  5. Mehmet sagt:

    Kindergarten.

  6. Markus Hill sagt:

    Das ist wohl in der Tat so. Wobei man fairerweise sagen sollte, dass auch viele junge, gebildete Türken mit Kindern die problematischen Stadtviertel verlassen, weil sie ihre Kinder nicht auf diese Problemschulen schicken möchten. Also, durchaus eine verständliche Handlungsweise.

  7. Kosmopolit sagt:

    Warum Danke Herr Ekrem Senol ? Krause hat recht!

    Wie das Leben so spielt. Trete ich einem Verein bei, akzeptiere ich die deren Bedingungen. Trete ich freiwillig einer Gesellschaft bei, muss ich wohl oder übel die Rahmenbedingungen beachten oder erfüllen. Wenn nicht, erfolgt keine Aufnahme. Sonderrechte benachteiligen die Mitglieder dieses Vereines/Gesellschaft. Jeder Verein oder Betrieb sucht eine Mitglieder aus, nach ihren Vorschriften und Regeln.
    In der Arbeitswelt (Konzern), wird die Zusammenarbeit quer durch alle Nationalitäten und Religionen durch die Konzern Strategie bestimmt und der einzelne Mitarbeiter für den Konzern typischen Arbeitsrichtlinien geformt. Nach meiner Erfahrung hat die Zusammenarbeit auch relativ gut funktioniert, da die Firmenbibel jedem bekannt war, auch mehrsprachig und man ja die Eingangskriterien für die Arbeitswelt erfüllt hatte.
    Auch die Muslime, halten sich, ohne wenn und aber, an diese Procedure. Die Zeiten, wo man mit dem Gebetsteppich mal schnell beten ging, sind vorbei. Das besorgen schon die Kollegen und die Globalisierungsprozesse. Hier wird von den Muslimen sorgfältig unterschieden und im Zweifelsfall auch die Konsequenzen geprüft. Ein Job ist immer noch besser als Sozialhilfe, da hat sich auch bei diesem Klientel schon herum gesprochen.
    Wenn Bürger dieser Religionsgemeinschaft dann die Öffentlichkeit betreten, war und ist auch heute keine Institution da, die diesen Mitbürgern sagt, wo es lang geht, welche Richtlinien zu beachten sind und auf deren Einhaltung pocht. ( Sensibilität gegenüber der Mehrheitsgesellschaft und deren Traditionen und Gepflogenheiten )
    Nein, man hatte diese sich selbst überlassen, da man meinte, andere Mitbürger anderer Nationen haben sich auch leidlich integriert, also können das die Muslime auch. Diese Fehleinschätzung begründet sich hauptsächlich aus der uns fremden Kultur, mit fremden Traditionen, Bräuchen und einer Religion, die unterschätzt wurde
    Gehe ich freiwillig in ein anderes Land, muss ich mich einigen Anforderungen unterwerfen. Wenn nicht, habe ich mich nicht richtig informiert. Das ist überall so, auch in der Türkei. Die Frage, ob Ungläubige eine Koranschule besuchen dürfen, stelle ich erst gar nicht.

  8. Mehmet sagt:

    Unternehmen = Staat? Welche Unterschiede gibt es Ihrer Meinung nach zwischen diesen beiden Insitutionen?! Von daher ist Ihre ganze Argumenation ein Kartenhaus und Ich habe Ihnen grad gezeigt, dass ganz unten gerade eine Karte umfällt!

    „Das ist überall so, auch in der Türkei. Die Frage, ob Ungläubige eine Koranschule besuchen dürfen, stelle ich erst gar nicht.“

    Macht es Ihnen eigentlich Spaß, eine Miserable Situation mit einer noch miserableren Situation zu rechtfertigen???

  9. D. E. sagt:

    komisch nur, das spd und die grüne auf deutschen boden die islamisierung vorantreiben, allen voran die grünen/b90. nähmlich wenn diese den islam unterricht anstatt türkisch unterricht an deutschen schulen unterstützen und dies auch noch deutlich bei ihren wahlkampf-moschee besuchen zum ausdruck bringen.

    D. E.


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