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Migration und Integration in Deutschland

In allen Zielstaaten der Arbeitsmigration weisen die Eltern der als Migranten erfassten Jugendlichen eine kürzere Schulbesuchszeit und einen geringeren ökonomischen, sozialen und kulturellen Status auf als die Eltern von Nichtmigranten. Nirgendwo ist dieser Unterschied … aber so stark wie in Deutschland.

Konsortium Bildungberichterstattung, Bildung in Deutschland, 2006

Allensbach Studie

Kontakte zwischen Zuwanderern und Deutschen nehmen zu

Die Kontakte zwischen Zuwanderern und Deutschen ohne Migrationshintergrund haben über die Jahrzehnte zugenommen: bevölkerungsrepräsentative Umfragen des Allensbacher Instituts zeigen, dass während 1985 nur 30 Prozent mit Zuwanderern befreundet waren, 2008 bereits 46 Prozent Zuwanderer zu ihrem Freundeskreis zählten.

Die deutsche Gesellschaft ist heute viel heterogener, als sie es vor 30 Jahren war, und insbesondere junge Menschen wachsen bereits in einem kulturell vielfältigeren Umfeld auf. So sind 65 Prozent der jungen Menschen zwischen 16 und 24 Jahren mit Zuwanderern befreundet (2008). Entsprechend geben über 70 Prozent der jüngeren Zuwanderer (16- bis 24-jährige) und der in Deutschland Geborenen an, viele deutsche Freunde zu haben.

Der Freundeskreis der meisten Zuwanderer (43 Prozent) setzt sich sowohl aus Zuwanderern als auch aus Deutschen ohne Migrationshintergrund zusammen. 22 Prozent haben einen Freundeskreis, der sich überwiegend oder ausschließlich aus Deutschen zusammensetzt. Freunde, die ausschließlich oder überwiegend aus Zuwandererfamilien stammen, haben 35 Prozent der Zuwanderer.

Im Vergleich zu anderen Zuwanderergruppen haben Russisch- und Türkischstämmige die wenigsten deutschen Freunde: knapp die Hälfte der russischen und türkischen Zuwanderer hat ausschließlich oder überwiegend einen nichtdeutschen Freundeskreis.

Trotz dem verstärkten freundschaftlichen Kontakt zwischen Zuwanderern und Deutschen ohne Migrationshintergrund scheint die gegenseitige Wahrnehmung auch von Skepsis geprägt zu sein. Die Gesamtbevölkerung empfindet die Zuwanderer als zurückhaltend: 2008 waren 50 Prozent der Meinung, dass die meisten Zuwanderer eher unter sich bleiben wollen, 26 Prozent meinten, dass die meisten den Kontakt zu Deutschen suchen1.

Die meisten Zuwanderer nehmen Deutsche ohne Migrationshintergrund ähnlich zurückhaltend wahr, bescheinigen ihnen aber zugleich, dass sie in den letzten Jahren offener gegenüber Zuwanderer geworden sind. 31 Prozent haben den Eindruck, dass die meisten Deutschen heute offen auf Zuwanderer zugehen, 53 Prozent erleben sie eher als zurückhaltend. 39 Prozent erleben die deutsche Bevölkerung heute offener als noch vor einigen Jahren, während nur jeder Fünfte wachsende Zurückhaltung konstatiert. Die Entwicklung der Deutschen im Umgang mit Zuwanderern in den letzten 10 Jahren wird tendenziell positiv betrachtet, ein fast genau so großer Anteil (33 Prozent) ist jedoch der Ansicht, dass sich kaum etwas in der Einstellung der Deutschen verändert hat. Vor allem die in Deutschland geborenen Zuwanderer haben den Eindruck, dass die Offenheit gegenüber den Zuwanderern wächst (54 Prozent).

Die Einstellungen variieren stark nach Zuwanderergruppe. Wiederum erleben besonders Türkischstämmige die Deutschen zurückhaltender als die anderen Zuwanderer (71 Prozent). Nur italienische Zuwanderer und Zuwanderer aus dem ehemaligen Jugoslawien sind mehrheitlich der Meinung, dass die Deutschen offen auf Zuwanderer zugehen (44 bzw. 45 Prozent).

Autorin: Oya S. Abali ist am Institut für Demoskopie Allensbach für die Durchführung von Zuwandererbefragungen zuständig.

Zur Studie: Die Ergebnisse einer repräsentativen Befragung von 1.581 Zuwanderern, die im Auftrag der Bertelsmann Stiftung vom Institut für Demoskopie Allensbach durchgeführt wurde, geben Aufschluss darüber, wie Zuwanderer ihre Identität definieren, was sie unter Integration verstehen, wie integriert sie sich fühlen und wie sich ihr soziales Umfeld zusammensetzt. Befragt wurden Zuwanderer mit einem Migrationshintergrund aus der Türkei, der ehemaligen Sowjetunion, Polen, dem ehemaligen Jugoslawien, Italien, Spanien und Griechenland. Eine Besonderheit der Studie war, dass nicht nur herkunftssprachliche Fragebogen sondern auch zahlreiche zweisprachige Interviewer eingesetzt wurden, die bei Bedarf die Interviews in der jeweiligen Herkunftssprache durchführen konnten. Insgesamt wurden bei der Befragung der Türkisch-, Polnisch-, Jugoslawisch- und Russischstämmigen 84 Interviewer zweisprachige Interviewer eingesetzt, die selbst einen entsprechenden Migrationshintergrund hatten.

Download: Allensbach-Studie Zuwanderer in Deutschland Langfassung (112 S.), Kurzfassung (32 S.)

Wie sehr Zuwanderer die Deutschen eher als offen oder als zurückhaltend empfinden, ist stark abhängig von der Zusammensetzung der Freundeskreise. Die Zuwanderer, deren Freundeskreise sich überwiegend oder ausschließlich aus anderen Zuwanderern zusammensetzen, und dies ist bei den türkischen Zuwanderern der Fall, schätzen die Deutschen weit zurückhaltender ein (37 Prozent), als diejenigen, deren Freundeskreis sich überwiegend oder ausschließlich aus Deutschen zusammensetzt (72 Prozent).

  1. 16 Prozent waren unentschieden, 8 Prozent gaben an, keine Zuwanderer zu kennen. Allensbacher Archiv, IfD-Umfrage 10018.  []
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