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Migration und Integration in Deutschland

Es wird selbstverständlich sein, dass jemand Mehmet heißt und nicht Hans – wir halten das aus.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), Deutsche Presse-Agentur (18.01.2013)

Islam in Deutschland

Religionensvielfalt löst bei jedem Zweiten Ängste aus

Nahezu jeder zweite Deutsche fühlt sich laut einer Umfrage durch die wachsende Vielfalt der Religionen im Land bedroht. Die große Anzahl religiöser Gruppen sorgt für Unsicherheit unter den Menschen, wie der Münsteraner Soziologe Prof. Dr. Detlef Pollack darlegen.

Viele befürchten demnach einen Verlust der eigenen Identität. 72 Prozent der Befragten in Westdeutschland sehen die religiöse Vielfalt als Ursache für gesellschaftliche Spannungen an; in Ostdeutschland stimmten 69 Prozent der Aussage zu. Pollack will die repräsentative Studie, die von der VolkswagenStiftung gefördert wurde, in diesem Jahr neu auflegen. Er plant eine weitere Erhebung zur Akzeptanz religiöser Vielfalt in ausgewählten europäischen Gesellschaften.

Für Überraschung sorgte unter den Wissenschaftlern, dass sich die Menschen trotz der gefühlten Bedrohung durch fremde Kulturen nicht verstärkt auf die eigene christliche Religion besinnen. Stattdessen wählen sie eine „Strategie der säkularen Abgrenzung“, indem sie eine strikte Trennung von Staat und Kirche als Lösung des Problems bevorzugen, wie Pollack erläutert. In der Befragung lehnten fast zwei Drittel der Bevölkerung in Ost- und Westdeutschland jeglichen religiösen Einfluss auf Politik, Wissenschaft und Forschung ab. Diese gesellschaftlichen Bereiche sollten nach Mehrheitsmeinung frei von einer solchen Beeinflussung bleiben. Grundsätzlich sieht Pollack keine Tendenz zu Intoleranz in der Bevölkerung. Vielmehr würden Abwehr und Skepsis aus Angst vor einer Erschütterung des eigenen Lebens entstehen.

Die religiöse Vielfalt setzt sich nach den Worten des Soziologen aus einer Vielzahl christlicher und außerchristlicher Gruppen zusammen. Dabei deuteten die Daten darauf hin, dass das überwiegend kritische Bild von fremden Religionen in der Bevölkerung in erster Linie durch den Islam geprägt sei. Der muslimische Glaube werde geradezu spiegelbildlich zum Christentum bewertet. Wie auch andere Untersuchungen gezeigt hätten, sähen viele darin Nächstenliebe, Wohltätigkeit und Friedfertigkeit, im Islam dagegen die Benachteiligung der Frau, Rückwärtsgewandheit, Fanatismus und Gewaltbereitschaft.

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50 Kommentare
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  1. Markus Hill sagt:

    Schön, dass wir da nicht weit auseinander liegen. Ich glaube, dass es auch viele, viele Deutsche gibt, die da eine differenzierte Betrachtungsweise haben. Auch Katholiken oder Protestanten distanzieren sich im Gespräch zum Beispiel von Zeugen Johovas oder von bestimmten Freikirchen. Der Schluss liegt nahe, dass alle diese Varianten genauso im Islam wie im Christentum in grosser Vielfalt existieren. Es ist naheliegend, dass ich türkische Freunde von mir, die normal Fastenbrechen (Ramadan etc.) praktizieren, nicht mit dem Iran oder Saudi-Arabien in Verbindung bringe. Dafür hat man viel zu oft miteinander intensiv und fruchtbar, mit grossem Erkenntnisgewinn, diskutiert. Und man hat sie liebgewonnen, zumal ich die Leute nicht als nur durch Religion definiert betrachte – vielmehr: auch nicht erstrangig als Türken (Tufan, Oz, Metin & Co.), es sind einfach liebenswerte Menschen, die hier in Frankfurt leben.:-)
    Vielleicht haben Sie eine sehr hohe Erwartung an das Gegenüber mit dem „Zugeben“. Natürlich, es wäre schöner, wenn das Gegenüber einem das Gefühl vermittelt, dass er auch einmal die eigene Position überdenkt. Oder wenn einem das Gefühl vermittelt wird, dass man zumindest die Dinge einmal prüfen möchte. So wäre das Ideal – wäre ja für alle auch immer angenehm.:-)
    Ich finde die Zustimmung aber nicht als zwingend. So lange mir das Gegenüber zumindest HÖFLICH und bemüht antwortet und trotzdem seine Meinung darstellt (vielleicht überzeugt mich manches nicht heute, aber später – ist oft ein Prozess) kann das schon einmal Erkenntnisgewinn bringen. Wenn gar keine Argumente kommen oder nur persönliche Beschimpfungen oder Unterstellungen (Diskussionsansätze in die Richtung: „Ich bin Gott – ich weiss, was Du in Deinem Innersten denkst!“) ist das weit weniger optimal, als einfach gegenwärtig zu signalisieren, dass man halt anderer Meinung ist.
    Natürlich ergeben sich immer einmal persönliche Spitzen oder Bemerkungen – davon würde auch ich mich nicht freisprechen. Man ist halt Mensch und nicht Gott.:-)
    ich gebe Ihnen Recht: Die Person Ihres Ärgers ist schon ein recht „harter Knochen“. Es spricht für Sie, dass Sie aber noch nicht aufgegeben haben und trotzdem noch positive Aspekte entdeckt haben. Zudem ich das Gefühl habe, dass er über die Zeit etwas „rücksichtsvoller“ im Ton geworden ist.

  2. Kosmopolit sagt:

    Sie sollten sich mit der strategischen Ausrichtung ihrer Religion beschäftigen. Aber das wurde von mir an anderer Stelle schon erwähnt, bezw. leider nicht veröffentlicht. Die Richtlinien ihrer politischen Religion sind in diesem Beitrag gut verpackt.
    http://www.faz.net/s/RubC3FFBF288EDC421F93E22EFA74003C4D/Doc~E8D907A2243D44E1BB6F26A34B25FD79E~ATpl~Ecommon~Scontent.html
    Daraus:
    ……Ihre Grundposition besagt, dass die Muslime die Integration in die westlichen Gesellschaften vermeiden und ihre eigenen Gemeinschaften auf der Basis der Scharia bilden sollen. Ausgehend von der religiösen Freiheit im Westen fordern sie ihr Recht auf eine islamische Lebensweise und hoffen langfristig, die schariakonforme Änderung unserer säkularen Gesetze zu erreichen.
    …….Deshalb ist Ramadan gegen das freie Denken, das er als das größte Risiko für den freien, selbstverantwortlichen Menschen betrachtet, wenn dieser denkt, mit seinem Intellekt allein die Welt lesen und verstehen zu können.
    Nicht vergessen, das grüne Buch ist für alle gleich, man unterscheidet sich nur in Nuancen.

  3. BiKer sagt:

    danke mehmet, danke municipal und vor allem kosmopolit!

    ich denke mehmet hat recht. sobald jemand was auszusetzen hat, stürzt sich jeder drauf aber niemand nickt, wenn man mal gleicher meinung ist. das wird unkommentiert stehengelassen, weshalb der eindruck entsteht, als habe man nur und ausschließlich differenzen. man müsste auch einfach mal schlicht recht geben können oder zumindest mal zustimmen, wenn auch partiell.

    dass dies nicht im sinne von municipal und kosmopolit ist, zeigt deren reaktion auf das kommentar von mehmet. municipal schwingt die keule weiter, die er sowieso immer bei sich trägt und kosmopolit macht so weiter wie bisher: er saugt sich aus eine frei zugänglichen quelle eine passage raus, die wieder einmal pauschal auf den islam eindrischt, ohne zusammenhang, ohne sinn und ohne verstand.

  4. Mehmet sagt:

    Sie haben von einem Prozess gesprochen. Genau diesen vermisse Ich aber. 😉 Ich hoffe, dass sich das bessert…

  5. Mehmet sagt:

    „Was Sie “nervt” ist , das Sie meiner Argumentation oft nichts entgegenzusetzen haben.“

    Wenn Ich nichts schreibe, dann heißt es nicht, dass Ich dem nichts entgegenzusetzen hätte. […]

  6. municipal sagt:

    @ BiKer

    Im Kommentar von KOSMOPOLIT werden Zitate( mehr ist hier bei MIGAZIN nicht erwünscht, auch aus presserechtlichen und urheberrechtlichen Gründen) aus einem Artikel (der frei zugänglich ist, also lesen Sie bitte den ganzen Text, bevor Sie urteilen) der FAZ zu einer schillernden Figur des sog. „Reform-Islam“ , Tariq Ramadan.

    Sie werden feststellen, das (richtig) über den Islam gesprochen wird, und zwar kritisch,mit viel Sinn, und viel Verstand.

    Solche Analysen sind es, die kritische Denker (und auch den lesenen Bürger) aufhorchen lassen. Dies alles mit einem Wisch als „pauschal auf den Islam eindreschend“ abzuqualifizieren, ist billig, aber nicht zielführend.

  7. Mehmet sagt:

    So ein Gequatsche wird immer lustiger. Ich habe vollen Respekt Ihnen gegenüber, aber Ihre Kommentare sind einfach sinnfrei.

  8. Markus Hill sagt:

    Die Dinge gehen voran. Es sieht wirklich nicht schlecht aus.:-):-)

  9. Markus Hill sagt:

    Das klingt zwar nicht böse, aber auch nicht direkt nett.:-)
    Was genau erscheint Ihnen da so vollendet sinnfrei in seinen Ausführungen?

  10. Mehmet sagt:

    „Sie werden feststellen, das (richtig) über den Islam gesprochen wird, und zwar kritisch,mit viel Sinn, und viel Verstand.

    Solche Analysen sind es, die kritische Denker (und auch den lesenen Bürger) aufhorchen lassen. Dies alles mit einem Wisch als “pauschal auf den Islam eindreschend” abzuqualifizieren, ist billig, aber nicht zielführend.“

    „zwar kritisch,mit viel Sinn, und viel Verstand.“
    „abzuqualifizieren, ist billig, aber nicht zielführend.“

    Diese sind Begriffe, die seine Meinung unterstützen sollen, aber jedoch inhaltlich leere Worthülsen.

    „Solche Analysen sind es, die kritische Denker (und auch den lesenen Bürger) aufhorchen lassen“
    Ich sag nur: Wenn man im Glashaus sitzt….


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