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Migration und Integration in Deutschland

Die Wirtschaft entschied über die Anzahl der angeworbenen Gastarbeiter wie über deren Verteilung innerhalb der Bundesrepublik.

Ursula Mehrländer, Ausländerpolitik im Konflikt, 1978

Islam in Deutschland

Religionensvielfalt löst bei jedem Zweiten Ängste aus

Nahezu jeder zweite Deutsche fühlt sich laut einer Umfrage durch die wachsende Vielfalt der Religionen im Land bedroht. Die große Anzahl religiöser Gruppen sorgt für Unsicherheit unter den Menschen, wie der Münsteraner Soziologe Prof. Dr. Detlef Pollack darlegen.

Viele befürchten demnach einen Verlust der eigenen Identität. 72 Prozent der Befragten in Westdeutschland sehen die religiöse Vielfalt als Ursache für gesellschaftliche Spannungen an; in Ostdeutschland stimmten 69 Prozent der Aussage zu. Pollack will die repräsentative Studie, die von der VolkswagenStiftung gefördert wurde, in diesem Jahr neu auflegen. Er plant eine weitere Erhebung zur Akzeptanz religiöser Vielfalt in ausgewählten europäischen Gesellschaften.

Für Überraschung sorgte unter den Wissenschaftlern, dass sich die Menschen trotz der gefühlten Bedrohung durch fremde Kulturen nicht verstärkt auf die eigene christliche Religion besinnen. Stattdessen wählen sie eine „Strategie der säkularen Abgrenzung“, indem sie eine strikte Trennung von Staat und Kirche als Lösung des Problems bevorzugen, wie Pollack erläutert. In der Befragung lehnten fast zwei Drittel der Bevölkerung in Ost- und Westdeutschland jeglichen religiösen Einfluss auf Politik, Wissenschaft und Forschung ab. Diese gesellschaftlichen Bereiche sollten nach Mehrheitsmeinung frei von einer solchen Beeinflussung bleiben. Grundsätzlich sieht Pollack keine Tendenz zu Intoleranz in der Bevölkerung. Vielmehr würden Abwehr und Skepsis aus Angst vor einer Erschütterung des eigenen Lebens entstehen.

Die religiöse Vielfalt setzt sich nach den Worten des Soziologen aus einer Vielzahl christlicher und außerchristlicher Gruppen zusammen. Dabei deuteten die Daten darauf hin, dass das überwiegend kritische Bild von fremden Religionen in der Bevölkerung in erster Linie durch den Islam geprägt sei. Der muslimische Glaube werde geradezu spiegelbildlich zum Christentum bewertet. Wie auch andere Untersuchungen gezeigt hätten, sähen viele darin Nächstenliebe, Wohltätigkeit und Friedfertigkeit, im Islam dagegen die Benachteiligung der Frau, Rückwärtsgewandheit, Fanatismus und Gewaltbereitschaft.

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50 Kommentare
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  1. Markus Hill sagt:

    @BIKER
    Sie haben beim Kollegen ja oben das Ausweichen kritisiert.
    Es würde mich interessieren: Stimmt das, was meine alevitische Freundin da über diese „Waschungen“ erzählt? (Ja oder nein – ist Sie Moslem oder nicht? – das war der Ausgangspunkt unserer Diskussion).
    Das würde mich einfach einmal interessieren, da kann man ja einmal eine zweite (Ihre!) Meinung zu hören. Sie können das auch gerne entkräften oder einen ganz neue Sichteweise hier einmal darstellen. Das würde mich interessieren. Ich habe ausdrücklich oben geschrieben, dass ich da kein Spezialist bin.

  2. BiKer sagt:

    keine ahnung. bin kein alevit. dass das aber wohl eine extreme meinung ist, können sie sich doch denken. intensivreinigung nur weil man in der moschee war!? dass sie sowas nicht schon – so kritisch sie sich doch im grunde geben – nicht selbst denken sondern das hier ernsthaft infrage stellen, zeigt mir, dass sie sich klischees gerne hingeben, wenn es gegen muslime geht. ihre alevitische freundin wird ihnen doch auch nicht erzählen können, dass 2×2=5 ist. aber, dass sie sich einer intensivreinigung hingeben muss, weil sie eine moschee betreten hat, daran glauben sie gerne.

  3. BiKer sagt:

    mal angenommen, ich hätte es gelesen. und? wäre es nicht nach wie vor die meinung eines einzelnen? was hat das mit der thematik oben zu tun? es geht um muslime in deutschland von heute!

  4. municipal sagt:

    @ BiKer

    skepsis-gegenuber-dem-islam-religionensvielfalt-lost-bei-jedem-zweiten-angste-aus

    ist das Thema.

    Ist der Islam in Deutschland eine Insel? Gibt es hier keine Moscheen, deren Imame als Hassprediger erkannt und abgeschoben wurden?

    Welches BILD liefert uns der ISLAM fast täglich aus der ganzen Welt ? Ist das alles erfunden und erlogen, böse Unterstellung, Phantasie?

    Wie siehts es aus mit der von Muslimen immer wieder hervorgehobenen Ummah , der Gemeinschaft ALLER Muslime, auch hier in Deutschland ?

    Wie wärs einmal mit etwas ausführlicheren Stellungnahmen, als Ersatz für diese kleinen,
    prätenziösen Zwischenrufe? Hier soll doch diskutiert werden, oder.

    skepsis-gegenuber-DEM-ISLAM ist das Thema hier. Also bitte.

  5. Markus Hill sagt:

    Sie befinden sich wieder im Vermutungs- und Unterstellungsmodus.:-)
    Ich habe jetzt mehrfach DEZIDIERT festgehalten, dass es (zumindest mir als Person) hier nicht um irgendwelche Islam-Bashing-Diskussionen geht. Das Feld ist mir zu weit, man gerät da schnell auf grosse Abwege. Ich habe EINDEUTIG (!) festgehalten, dass ich glaube, dass die meisten Moslems hier in Deutschland in Frieden Ihre Religion ausüben wollen. Das heisst nicht, dass es da nicht kritisierenswerte Punkte gibt (wie auch beim Christentum, übrigens).
    Ich habe Ihnen aufrichtig eine klare Frage gestellt um einfach einmal eine ergänzende Sichtweise zu erhalten. Es kann durchaus sein, dass die Freundin von mir da auch nur eine bestimmte Perspektive dargestellt hat. Jetzt erhalte ich schon wieder so eine „Betroffenheits-wir-Moslems-sind-immer-verfolgt-und-Ihr-mögt-uns-so-und-so-nicht“-Antwort.
    Ist Ihnen einmal der Gedanke gekommen, dass man andere Menschen vielleicht nicht primär über die Religion definiert sieht? (Dann würde Ihnen ab und an eine einfache, sachliche Anmerkungen vielleichter leichter fallen, weil Sie da nicht ständig das Gefühl hätten, dass Sie jemand in Ihrer Moslem-Eigenschaft ständig beleidigen und diskriminieren möchte).

  6. Mehmet sagt:

    Sie diskutieren nicht. Sie wollen nur Recht haben.

  7. Markus Hill sagt:

    @BIKER
    Die oben angeführten Beispiele für die Verhältnisse im Iran escheinen mir sehr extrem. Teilweise weiss ich auch nicht, ob sie für die Diskussion in Deutschland überhaupt einen konstruktiven Fortschritt bringen. Sie und viele andere Leute in Deutschland sind nicht verantwortlich für die Verhältnisse im Iran und brauchen da auch niemanden zu verteidigen. Was mich aber wundert ist, dass da ausser „schnippischen“ Bemerkungen keine inhaltlich Auseinandersetzung von Ihrer Seite erfolgt. Warum kann man da nicht einfach sagen: „Ja, dass ist eine Ausprägung vom gelebten Islam im Iran. Die Ausprägung in Saudi-Arabien ist wieder unterschiedlich davon. Was das jetzt mit einer Moschee in Köln-Mülheim etc. zu tun haben soll – da sehe ich den Zusammenhang nicht“?
    Diese Klarheit in der Aussage vermisse ich.
    Ich beurteile einige von den von MUNIPICAL angeführten Punkten ganz anders. Wir hatten ja schon die vielen „Ausnahmen“ bzw. die mehr als berechtigte Vermutung, dass die Mehrheit der Muslime in Deutschland gerade NICHT so sind (Presse-„Klischee“), erschöpfend diskutiert.
    Bei MUNIPICAL habe ich zumindest den Eindruck, dass er auf der Inhaltsebene Punkte anführt, die man diskutieren kann. Keinesfalls muss man da seine Meinung teilen. So entsteht da oft der Eindruck, dass die Dinge da oft doch einen wahren Kern haben und es kaum Gegenargumente gibt. Es entsteht dann manchmal den Eindruck, dass da „intellektuell kapituliert“ wird.
    Ich empfinde es als Schade, dass da nicht auch häufiger einmal gegenläufige Sachargumente angeführt werden, man würde da auch als Nicht-Moslem einmal neue Sichtweisen kennenlernen. Das würde auch das gegenseitige Verständnis fördern.

  8. Mehmet sagt:

    „Warum kann man da nicht einfach sagen: “Ja, dass ist eine Ausprägung vom gelebten Islam im Iran. Die Ausprägung in Saudi-Arabien ist wieder unterschiedlich davon. Was das jetzt mit einer Moschee in Köln-Mülheim etc. zu tun haben soll – da sehe ich den Zusammenhang nicht”?
    Diese Klarheit in der Aussage vermisse ich.“

    Genau DIESE Sichtweise vermisse Ich bei den meisten deutschen Bürgern.

    „Bei MUNIPICAL habe ich zumindest den Eindruck, dass er auf der Inhaltsebene Punkte anführt, die man diskutieren kann.“

    Es gibt sicherlich Punkte, bei denen Ich ihm Recht geben würde. Jedoch nervt es einfach irgendwann, wenn eine Person mit negativen Argumenten IMMER Recht haben will. Wenn Sie oder Ich mal etwas positives berichten, dann wäre es angebracht, dann selbst auch mal zuzustimmen. Dies vermissen wir ALLE.

  9. berlino sagt:

    „es geht um muslime in deutschland von heute!“

    Also mir geht es NICHT um die Muslime in Deutschland, mir geht es um den Islam.

    Wenn Sie es aber auf Deutschland beschränken wollen, habe ich Ihnen schon oben einen Link gebracht, wo ein deutscher Konvertit stolz darauf ist, in eine Reihe mit al-Qaradawi gestellt zu werden.

    Damit Sie nicht suchen müsse, hier noch mal der Link:
    http://islam.de/13854.php

  10. municipal sagt:

    @ Mehmet

    Was Sie „nervt“ ist , das Sie meiner Argumentation oft nichts entgegenzusetzen haben. Darum sind aber meine Argumente nicht automatisch negativ.

    „Argumente dienen dazu, andere Menschen von der Richtigkeit oder Falschheit einer These zu überzeugen, und sie sind deshalb ein wesentliches Mittel im Bereich der Wissenschaft, der Kritik, der Diskussion und des Dialoges.“ (Wiki)

    Was die Ihnen fehlende Zustimmung „wenn Sie mal etwas Positives berichten“ betrifft, könnte es daran liegen, das ich es nicht als etwas Positives betrachte.


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