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Migration und Integration in Deutschland

Es sei denn, man würde die Lebensverhältnisse der Ausländer in der Bundesrepublik derartig nachhaltig verschlechtern, dass ein Leben am Rande des Existenzminimums in den Herkunftsländern vorteilhafter erschiene.

Forschungsverbund „Probleme der Ausländerbeschäftigung“, 1979

Islam in Deutschland

Religionensvielfalt löst bei jedem Zweiten Ängste aus

Nahezu jeder zweite Deutsche fühlt sich laut einer Umfrage durch die wachsende Vielfalt der Religionen im Land bedroht. Die große Anzahl religiöser Gruppen sorgt für Unsicherheit unter den Menschen, wie der Münsteraner Soziologe Prof. Dr. Detlef Pollack darlegen.

Viele befürchten demnach einen Verlust der eigenen Identität. 72 Prozent der Befragten in Westdeutschland sehen die religiöse Vielfalt als Ursache für gesellschaftliche Spannungen an; in Ostdeutschland stimmten 69 Prozent der Aussage zu. Pollack will die repräsentative Studie, die von der VolkswagenStiftung gefördert wurde, in diesem Jahr neu auflegen. Er plant eine weitere Erhebung zur Akzeptanz religiöser Vielfalt in ausgewählten europäischen Gesellschaften.

Für Überraschung sorgte unter den Wissenschaftlern, dass sich die Menschen trotz der gefühlten Bedrohung durch fremde Kulturen nicht verstärkt auf die eigene christliche Religion besinnen. Stattdessen wählen sie eine „Strategie der säkularen Abgrenzung“, indem sie eine strikte Trennung von Staat und Kirche als Lösung des Problems bevorzugen, wie Pollack erläutert. In der Befragung lehnten fast zwei Drittel der Bevölkerung in Ost- und Westdeutschland jeglichen religiösen Einfluss auf Politik, Wissenschaft und Forschung ab. Diese gesellschaftlichen Bereiche sollten nach Mehrheitsmeinung frei von einer solchen Beeinflussung bleiben. Grundsätzlich sieht Pollack keine Tendenz zu Intoleranz in der Bevölkerung. Vielmehr würden Abwehr und Skepsis aus Angst vor einer Erschütterung des eigenen Lebens entstehen.

Die religiöse Vielfalt setzt sich nach den Worten des Soziologen aus einer Vielzahl christlicher und außerchristlicher Gruppen zusammen. Dabei deuteten die Daten darauf hin, dass das überwiegend kritische Bild von fremden Religionen in der Bevölkerung in erster Linie durch den Islam geprägt sei. Der muslimische Glaube werde geradezu spiegelbildlich zum Christentum bewertet. Wie auch andere Untersuchungen gezeigt hätten, sähen viele darin Nächstenliebe, Wohltätigkeit und Friedfertigkeit, im Islam dagegen die Benachteiligung der Frau, Rückwärtsgewandheit, Fanatismus und Gewaltbereitschaft.

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50 Kommentare
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  1. BiKer sagt:

    was hat meine aussage bitte mit dem zu tun, was sie da von sich geben? und wer hat behauptet, dass für alles der westen veranwortlich ist? aber typische für sie. einfach mal ein weiteres schlachtfeld aufmachen und den leuten unterschwellig etwas zuschieben, was sie gar nicht gesagt haben.

  2. Markus Hill sagt:

    @BIKER
    Anderes Beispiel: Eine alevitische Freundin (türkischstämmig, jetzt Deutsche) sagte mir, dass sich die Aleviten (da wohl scheinbar von irgendwem irgendwie als „fremd“ oder „unrein“ angesehen) beim Betreten einer Moschee einer grösseren Anzahl von Waschungen/Säuberungen unterziehen müssen. Sie war sehr empört und hatte das Gefühl, nicht richtig als Moslem angesehen zu werden. Wie gesagt, Einzelfälle – ich weiss es nicht – auf jeden Fall wohl ein Beleg für verschiedene Strömungen. Bzw. dafür, dass es da wohl doch verschiedene Ausprägungen gibt, also nicht alles SO eindeutig bei der Zuschreibung Moslem oder „nicht Moslem“ erscheint. Wohlgemerkt, dies nur aus externer Betrachtung eines Nicht-Moslem, bin da kein Experte. Wie sagt, es kann natürlich auch ganz anders sein.

  3. BiKer sagt:

    wenn wir uns auf einzelfälle etc. stützen könnte ich auch beispiele bringen, da …

    aber mal zu etwas anderem:

    „Eine alevitische Freundin (türkischstämmig, jetzt Deutsche)“

    nein, sie ist „immer noch türkischstämmig und deutsch“ und nicht „war türkischstämmig, jetzt deutsch.“

  4. berlino sagt:

    Die Überschrift ist falsch. Es ist nicht die Religionsvielfalt, die Ängste auslöst.

    Sondern:

    „Ali Chamenei kündigt einen Feldzug gegen die Geisteswissenschaften an

    Kairo – So sieht es Irans Ayatollah Ali Chamenei: Den Kampf auf den Straßen haben seine Revolutionären Garden erfolgreich ausgefochten. Jetzt muss der Kampf gegen die geistigen Wurzeln der Unruhen folgen – und zwar gegen das subversive westliche Gedankengut, was sich über die Universitäten im Volk ausgebreitet hat. Die meisten Humanwissenschaften „basieren auf materialistischen Philosophien und betrachten den Mensch als ein Tier“, erklärte der Oberste Religionsführer kürzlich in einer Rede vor ausgesuchten Studenten und Professoren. Er zeigte sich „beunruhigt“ darüber, dass zwei Millionen Hörer in geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächern eingeschrieben sind – also 60 Prozent des akademischen Nachwuchses. Wenn man aber solche säkularen Gedanken den jungen Leuten lehre, „werden Zweifel an den islamischen Prinzipien und Misstrauen in unsere Werte gesät”, polterte Chamenei, der offenbar die Freitagspredigt morgen in Teheran zur Ankündigung eines neuen Kulturkampfes gegen „unislamische Einflüsse“ nutzen will….“

    http://www.tagesspiegel.de/politik/international/Iran;art123,2896651

  5. Krause sagt:

    @ berlino.

    Das sind (hoffentlich) die letzten Zuckungen eines ideologlisch wie ökonomisch abgewirtschafteten Regimes. Wie die Geschichte gelehrt hat: wer versucht das Denken zu verbieten, hat verloren. Ich hoffe, dass die jungen, intelligenten Iraner, die von einem reaktionären Islam die Nase voll haben, diesen ideologischen Augiasstall mal ordentlich ausmisten. Vom Iran ist 1979 die islamische Revolution ausgegangen, vielleicht geht vom Iran eine Reformbewegung aus, die dem Islam mal ein wenig Vernunft einbläst. Vor 800 Jahren war man da ja schon weiter.

  6. municipal sagt:

    @ berlino

    Welche Maßnahmen im Iran ergriffen werden:

    Schauprozesse

    Zitat
    So musste einer der brillantesten Vordenker der Reformer, Saeed Hajjarian, in seinem „Geständnis“ öffentlich von Max Weber, Talcott Parsons und Jürgen Habermas abschwören. Das Denken dieser westlichen Soziologen und Philosophen hätte die iranischen Intellektuellen korrumpiert, sagte er und bat das iranische Volk um Verzeihung, dass er solche Theorien für seine „unzutreffenden und wertlosen Analysen“ herangezogen habe.

    Politisch aktive Studenten werden strikt überwacht oder von der Uni verwiesen; Lehrpläne und Lehrkörper der Human- und Sozialwissenschaften durch „entschiedene Verteidiger des Islam“ ideologisch gesäubert. Die Kommission für diese geistige Großzensur ist bereits ernannt. Ihr Chef Hamid Reza Ayatollahi lässt keinen Zweifel daran, wohin die Reise geht. „In unserem Land ist ein großer Teil der Lehrpläne nicht im Einklang mit unserer iranisch-islamischen Kultur”, erklärte er. „Eine Revision ist zwingend notwendig – und zwar auf Basis der Empfehlungen des Religionsführers.”

    Zitat Ende (aus dem Artikel des Tagesspiegel.

    Das hat natürlich ALLES nichts mit dem Islam zu tun. Erklären sie DAS aber mal bitte Herrn Chamenei. DER sieht das GANZ anders.

  7. BiKer sagt:

    typisch municipal,

    nährt sich aus dem ausland und verschließt seine augen in deutschland. es geht um deutschland und muslime in deutschland! halloooo!

  8. berlino sagt:

    Ich empfehle zur Einstiegslektüre:

    23 Jahre – Die Karriere des Propheten Muhammad

    von Ali Dashti. Ali Dashti hatte eine Ausbildung zum islamischen „Gelehrten“, wußte also, wovon er schreibt. Er wurde nach der islamischen Revolution im Iran von den Mullahs zu Tode gefoltert.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Ali_Dashti

  9. Markus Hill sagt:

    Wie im vorherigen Beispiel – kann ein Teil Iher Ausführungen nicht auf eine sehr selektiven Wahrnehmung beruhen? Es ist hier Ihre Unterstellung / Mutmassung/ Ihr „Hineinlesen-in-Dinge“, die zu solchen Statements führt.
    Ich habe bewusst NICHT „war türkischstämmig“ geschrieben, weil ich auf Ihre Herkunft (die wird auch immer so bleiben – kein Mensch in diesem Forum wird dies bestreiten, sie wird immer türkische Wurzeln haben.) hinweisen wollte. Hat man Sie in Ihrer Kindheit oft betrogen, so dass Sie jetzt so extrem misstrauisch sind? (Mehr im Spass gesagt!:-)
    Sie schreiben hier über Ihr Weltbild und Ihre Projektionen. Vermuten Sie doch nicht beim Gegenüber so schnell schlechte Absichten und nehmen Sie sich doch einfach etwas zurück beim Hineininterpretieren und beim Gedankenlesen. Wir sind hier alle im Forum keine Götter und können nur grob vermuten, wie der andere vielleicht im Detail denken mag.:-)
    Wenn Ihnen etwas aufstösst oder etwas komisch erscheint – einfach einmal NETT nachfragen, dann klärt sich so etwas ganz schnell. In der Regel ist man dann angenehm überrascht.

  10. Markus Hill sagt:

    Die Motive etc., da kann nur Mutmassungen anstellen. Fakt ist wohl, dass die mehr islamisch-oriertierten Länder durch solche Dinge im internationalen Wettbewerb im Forschungs- und Technikbereich noch weiter zurückfallen. Das erscheint mir für alle Seiten nicht vorteilhaft. Wenn alle properieren, ist das für alle gut. Schade, dass es da jetzt so einen Rückschlag gibt.


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