MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

Durch die Möglichkeit der Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer in solchen [einfachen, manuellen] Positionen hat sich die Chance der deutschen Arbeiter, sich beruflich weiterzuentwickeln und in der Betriebshierarchie aufzusteigen zweifellos verbessert.

Bundesanstalt für Arbeit, Repräsentativuntersuchung ’72 über die Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer…, 1973

Cem Özdemir

„Migranten- und Arbeiterkinder werden überall durch das Bildungssystem ausgefiltert“

In einem Interview mit Merkur Online erläutert Grünen-Chef Cem Özdemir, weshalb er für die doppelte Staatsbürgerschaft ist, wie er sich das Bildungssystem vorstellt und unter welchen Bedingungen er eine Volksabstimmung befürwortet.

„Die doppelte Staatsbürgerschaft gibt es doch bereits. Schließlich behält jeder zweite Eingebürgerte seinen früheren Pass. Dies gilt aber nicht für die größte Gruppe von Ausländern, die in Deutschland einen Einbürgerungsantrag stellt: die Türken. Hier wünsche ich mir Gleichbehandlung“, erklärt Cem Özdemir zum Vorstoß von Bundesjustizministerin Brigitte Zypries, die doppelte Staatsbürgerschaft generell einzuführen.

Auf den Einwand, dass dadurch Migranten aus der Pflicht entlassen werden, sich aktiv für Deutschland zu bekennen erwidert er, dass erst durch das Optionsmodell ihr Bekenntnis zu Deutschland infrage gestellt wird. Er bleibe dabei: “Kinder, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind, sollten auch den deutschen Pass haben. In Amerika gilt die Haltung: Der amerikanische Pass ist der wichtige. Warum machen wir es nicht genauso? Viel entscheidender für die Integration ist nicht der Pass, sondern welche Bildungschancen wir Migranten bieten. Hier gibt es noch viel zu tun.“

In Deutschland würden Kinder aus Migranten- und Arbeiterfamilien strukturell benachteiligt werden. Migranten- und Arbeiterkinder würden überall durch das Bildungssystem ausgefiltert. Das sei nicht nur menschlich eine Tragödie. Deutschland könne es sich auch volkswirtschaftlich nicht leisten, einen potenziellen Albert Einstein auf die Hauptschule zu schicken. Daher würden die Grünen gleiche Bildungschancen für alle fordern.

„Ich kann mich noch gut erinnern, wie unser Lehrer am Ende der vierten Klasse fragte, auf welche Schule wir gehen wollen. Bei der Hauptschule habe ich mich nicht gemeldet, bei der Realschule auch nicht. Als ich auf das Stichwort Gymnasium meine Hand hob, brach unser Lehrer in Gelächter aus. Kurz darauf die ganze Klasse. Dieses Lachen werde ich nie vergessen. Ich wünsche mir ein Schulsystem, wo niemand lacht, wenn jemand, der Cem Özdemir heißt, sagt, er will aufs Gymnasium gehen. Ich wünsche mir ein Schulsystem, das alle Kinder ihren Möglichkeiten entsprechend fördert – egal, ob ihre Eltern Professoren oder Hartz-IV-Empfänger sind.“

Auf die Frage, warum die Grünen eine Volksabstimmung in EU-Themen ablehnen, wie sie von der CSU gefordert wird, erwider er, dass die Grünen bereits seit Jahren Volksabstimmungen auf Bundesebene wünschen. Die Union habe dies bislang verhindert. Der aktuelle CSU-Vorschlag ziele vielmehr darauf ab, sich bestimmte Stimmungslagen in der Bevölkerung für die Wahlen zunutze machen.

Die Grünen würden sich Abstimmungen auf der richtigen Ebene wünschen. Landesthemen müssten auf Landesebene abgestimmt werden, Bundesthemen auf Bundesebene und Europathemen auf Europaebene. „Wenn die CSU über die Erweiterung der EU abstimmen will, dann beteiligen wir uns gern an einer europaweiten Volksabstimmung nach dem Prinzip der doppelten Mehrheit, also Mehrheit der Länder und Mehrheit der absoluten Stimmen. Aber dann stimmen wir nicht nur über die Türkei ab, sondern auch über Kroatien.“, so Özdemir.

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:

52 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. Kosmopolit sagt:

    Man merkt, dass sie vom Tuten und Blasen keine Ahnung haben. Gehen Sie mal an den Flughafen Frankfurt und schauen sie sich mal um, wie hoch der Anteil an Ausländer ist?

    Sie müssen sich aber selber fragen, ob diese Art von Populismus zielführend ist. Sie suggerieren, das es grundsätzlich keine Diskrimierung unter Deutschen gibt. Eine fatale und lebensferne Einstellung. Sie sollten, wie viele ihrer Landleute, das Büßerhemd wechseln.

  2. Andreas K sagt:

    Ich lese aus diesen Zeilen nur eins-sie sind benachteiligt,gerade in Deutschland.Nun denn,da muss ich ganz entschieden dagegen halten und frei heraus sagen was ich denke.

    Ich habe die Nase voll von diesen Vorwürfen,ich kann es schon nicht mehr hören.Schaut Euch alleine nur die Poblembereiche in den Großstädten an-Ghettobildung ganz freiwillig.Das Schulwesen dort eine Katastrophe weil die Lehrer nicht respektiert werden,Frauen vor allem nicht.

    Da hilft nur eins-die Eltern dafür verantwortlich machen und zur Rechenschaft zu ziehen.Sie haben ihren Kinder ein Vorbild zu sein,aber wie man sieht,geschieht das nicht.Hier sollte der Staat ganz klar sagen-bis hierher und nicht weiter.Zur Not gerade diese Kinder aus den Familien holen.

    Jetzt kommen sie und wollen Islamunterricht-man lese diesen Koran und mache sich schlau was die da eigentlich fordern.Der türkische Staat hat sich da auch ganz klar heraus zu halten,denn entweder will man in Deutschland leben,oder man läßt es bleiben.

    Das Problem ist eh die Türkei an sich-wo ein Erdogan auftreten kann und sagt,die Türken laßen sich nicht assimilieren kann man auch nichts anderes erwarten.Dann noch Sprüche anbringen wie-die Demokratie ist nur der Zug auf den wir aufspringen…..das sagt schon alles über die Bereitwilligkeit.Die wo lernen wollen und gott sei dank gibts davon auch welche,die gehen ihren Weg und distanzieren sich von dieser Politik.Sie distanzieren sich auch von der gewollten Ghettobildung und schicken gerade ihre Kinder nicht auf diese Schulen.

    Von den anderen Problemen wie Kriminialität fange ich schon garnicht an zu reden,oder das die Türkei auf dem besten Weg is wieder ein islamischer Staat zu werden.

    Diese Unterwanderung der deutschen Gastfreundschaft hat aufzuhören,ansonsten sehe ich in Deutschland keine Zukunft mehr für diese ART DER Bereicherung.Das Sozialwesen liegt darnieder und Millionen von Menschen die sich daraus bedienen-davon ein Großteil aus der Türkei im übrigen.

    So,jetzt könnt Ihr mich zerreisen,aber ich habe das gesagt was zur Zeit abläuft in Deutschland-aber nicht nur hier-ganz Europa wird davon heimgesucht.

  3. elimu sagt:

    Na ja… das Flughafen Beipsiel ist ja wohl schlecht getroffen, oder? Die Luftlinien sind nunmal die Auslandsverbindung… Sicherlich sind dort „Ausländer“. Das ist ja nichts besonderes. Geben Sie doch mal Beispiele über „richtig deutsche Unternehmen“. Mich würde interessieren, wie viele diese beschäftigen.
    Natürlich kann man diese schlecht abgrenzen, denn viele sind ja eigentlich schon Deutsche… Nur sehen sie nicht so aus.. wie Sie schon sagten 🙂

  4. municipal sagt:

    Ein frommer Wunsch zu sagen, der türkische Staat mische sich nicht in die Schule/Erziehung der Kinder in Deutschland ein. Das Gegenteil ist der Fall. Der Staat möchte, das die Kinder
    im Ausland mit dem türkischen Staats- und Kulturverständnis der „vermeintlichen Heimat“ unterrichtet werden.

    Neue Lehrbücher für den Türkischunterricht
    Durch eine neue Initiative des türkischen Bildungsministeriums sollen die im Ausland lebenden türkischen Kinder ihre Sprache und Kultur anhand von neuen Lehrbüchern lernen. Die kostenlosen Bücher für den Türkischunterricht in der Grundschule sowie in der mittleren Reife werden zunächst in Deutschland und Frankreich und anschließend weltweit verteilt.

    Zitat aus dem Artikel von der Homepage der IGMG:

    Zur besseren Aneignung der eigenen Kultur und Sprache hat das türkische Bildungsministerium für die im Ausland lebenden türkischen Kinder ein neues Projekt unter dem Motto „Unsere Nächsten in der Ferne“ initiiert. Erstmals wird dadurch speziell für die im Ausland lebenden türkischen Kinder Lehrbücher über die türkische Sprache sowie Kultur verfasst.
    …….

    Neben den Kapiteln über die türkische Sprache und Kultur umfassen die Bücher zudem visuelle Elemente. Unter den Kapiteln wie „Meine Türkei“, „die legändere Stadt Istanbul“, „Woher komme ich?“, „Unsere Redensarten“, „Unsere Feste“, „Spuren unserer Kultur“, „Türkische Musik“ sowie „Türkische Küche“ werden Werte über die Türkei vermittelt, während zudem traditionelle und religiöse Bräuche ihren Leser finden.

    Zitate Ende
    Quelle und ges. Artikel
    http://www.igmg.de/nachrichten/artikel/2009/08/27/neue-lehrbuecher-fuer-den-tuerkischunterricht.html

    Ich dacht,die Türkei sei ein laizistischer Staat? Was hat das türkische Bildunsministerium mit der Vermittlung von „religiösen Bräuchen“ zu tun ?

    „Lehrbücher über die türkische Sprache sowie Kultur“. Hat das deutsche Kultusministerium schon seine Hoheitsansprüche abgegeben ?

  5. Mehmet sagt:

    Wo genau sehen Sie von mir Populismus? Ein recht harter Vorwurf wie Ich finde. Ich habe meine Ausführungen mit einer Studie untermauert, die Sie nicht einmal berücksichtigen. Anstatt auf einzelne Punkte einzugehen (Konzerne, KMU) kommen Sie mit einem unverschämten Angriff um die Ecke. Nicht gerade konstruktiv. Aber das ist man ja von Ihnen gewohnt.

  6. Mehmet sagt:

    Dass in der Politik auch zur Abwechslung mal die Position der Minderheit unterstützt wird. Und Stimmenfang 😉

  7. Mehmet sagt:

    „und sagt,die Türken laßen sich nicht assimilieren kann man auch nichts anderes erwarten.“
    Sind Sie dafür, dass man sie assimilieren sollte?

  8. Mehmet sagt:

    „Ich dacht,die Türkei sei ein laizistischer Staat? Was hat das türkische Bildunsministerium mit der Vermittlung von “religiösen Bräuchen” zu tun ?“
    Welcher laizistische Staat geht nicht auf die kulturellen Eigenheiten des eigenen Staates ein?

  9. municipal sagt:

    @ Mehmet

    Ich würde dafür plädieren, das sich JEDER Zugereiste hier integriert ,wie deutscher Staat und Gesellschaft es verstehen, was aber in den Augen einiger Assimilation bedeutet.

    Da liegt der Knackpunkt.

    Was mich immer wieder stört/wundert ist, das HIER GEBORENE meinen, sie gehörten einer anderen Gruppe an, und manche davon sich weigern, sich zu integrieren. WER bringt denen das bei, das sie „anders“ seien ? Die Eltern/Familie ? Die Umgebung ? Die Verbände ?

  10. municipal sagt:

    @ Mehmet

    Ich glaube wir sprachen hier von „RELIGIÖSEN Bräuchen“, oder?

    Und es geht darum, das er (dieses,SEIN Bild) in einem anderen Staat durch die Schulen vermitteln lassen will.

    Wer lesen kann (und will) ist klar im Vorteil.


Seite 2/6«12345»...Letzte Seite

Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...