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Migration und Integration in Deutschland

Durch die Möglichkeit der Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer in solchen [einfachen, manuellen] Positionen hat sich die Chance der deutschen Arbeiter, sich beruflich weiterzuentwickeln und in der Betriebshierarchie aufzusteigen zweifellos verbessert.

Bundesanstalt für Arbeit, Repräsentativuntersuchung ’72 über die Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer…, 1973

NRW-Einbürgerungskampagne

Doppelpass für Migranten der ersten Generation

Die Nordrhein-Westfälische Landesregierung startet angesichts rückläufiger Einbürgerungszahlen eine Einbürgerungskampagne, mit der man vor allem türkische Staatsbürger ansprechen möchte. Selbst die Duldung der Doppelstaatlichkeit für Migranten der ersten Generation ist im Gespräch.

Zehn Städte, 500 Großflächen, 50 Veranstaltungen. Ende August fällt der Startschuss. Kufen, der Integrationsbeauftragte, will sie alle erreichen. Die Kroaten, die Italiener, die Afrikaner – vor allem aber die Türken. Ab Ende August soll in den zehn Städten in Nordrhein-Westfalen mit dem größten Ausländeranteil die deutsche Staatsbürgerschaft auf Plakatflächen angepriesen werden.

Der Integrationsbeauftragte der Landesregierung, Thomas Kufen (CDU), sagte gegenüber dem Internetportal Der Westen, dass sie den Menschen damit die Vorteile vermitteln wollen, die sie mit einem deutschen Pass haben. Dazu gehöre die freie Berufswahl, die Visa-Freiheit, aber auch die Teilnahme an Wahlen und die Möglichkeit, sich in öffentliche Ämter wählen zu lassen. Die Landesregierung sei sich bewusst, dass man das Thema jetzt verstärkt angehen müsse. Die Einbürgerung sei nämlich ein „Ausdruck gelungener Integration in unserer Gesellschaft.“

Nachholbedarf bestehe insbesondere in der Handhabung mit der ersten Generation. Dabei denkt Kufen etwa daran die Anforderungen der Sprachtests zu senken, um die sprachlichen Hürden, die für alte Menschen oft unüberbrückbar sind, abzubauen. Auch könne darüber diskutiert werden, ob die Ausstellung eines deutschen Passes unter Duldung der Doppelstaatlichkeit für Migranten der ersten Generation eingeführt werden soll.

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56 Kommentare
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  1. Markus Hill sagt:

    PS: Niemand bestreitet, dass man ungebildete Arbeitskräfte angeworben hat. Wichtig waren die Folgen: Die, die eigentlich wieder hätten gehen sollen und selber eigentlich hätten gehen wollen, sind aufgrund der nichtexistenten Zukunftschancen (mangelnde Chancen in der Türkei waren ja auch der Grund zum Verlassen der Türkei) geblieben. So weit, so gut. Die Deutschen haben sich wohl aus falscher „Harmoniesucht“ zurückgehalten mit dem Aufbau von Druck zur Ausreise. Zu bemängeln ist, dass diese 1. Generation der Folgegeneration keine grosse Wertschätzung von Bildung und Ausbildung gegeben hat und meine Generation die finanziellen Folgen von dieser Unterlassung zu tragen hat. Und es ist eben nicht Schuld der deutschen Regierung, wenn ein Vater seine Kinder nicht zum Lernen anhält (Eigenverantwortung). Ich bitte um Verständnis, dass viele in diesem Land verärgert darüber sind, dass diese Leute (auch deren Folgegenerationen) nicht längsam „in die Gänge“ kommen. Es ist nichts Verwerfliches, Rassisistisches oder Diskriminierendes an dieser Haltung, die sehr viele Bürger hier haben. Nicht nur die Deutschen, sondern auch die anderen nicht-türkischen Migrantengruppen (auch die zahlreichen „integrierten“ Türken), die diese Probleme der türkischen Einwanderung mitfinanzieren dürfen. Man ist ja notgedrungenermassen damit einverstanden, dass jetzt nochmals Geld in die Hand genommen wird – aber irgendwie will man das Gefühl haben, dass von der andereren Seite (die hat 40 Jahre Zeit gehabt, andere Einwandergruppen haben so etwas in 5 – 10 Jahren erledigt!) auch irgendwie das Gefühl vermittelt wird, dass man auch selber gefordert ist. Stattdessen gibt es Kolat und Co.:-)

  2. Sandra sagt:

    Oben hat jemand geschrieben, dass man sich aus Loyalitätsgründen als (ehem.) Ausländer für einen Pass entscheiden sollte.
    Warum? Ich sehe kein Problem darin, mehreren Ländern gegenüber loyal zu sein.

    Mein Sohn hat seit Geburt zwei Staatsangehörigkeiten, die deutsche (von mir) und die seines Vaters (der aber inzwischen ebenfalls Doppelstaatler ist).
    Er wird sich zum Glück nie entscheiden müssen und ich glaube nicht, dass er irgendwann ein Problem damit haben wird, zu beiden Ländern loyal zu sein. Und das gleiche gilt doch auch für meinen Mann.

  3. municipal sagt:

    @Mehmet

    Man nehme die Gesamtzahl der Straftaten in Deutschland, und setze sie ins Verhältnis zur Gesamtbevölkerung, dann erhält man den prozentualen Anteil von Straftätern an der Gesamtbevölkerung.

    Man nehme die Gesamtzahl der Straftaten in Deutschland, die von Nicht-deutschen-Straftätern verübt werden, und zergliedere sie nach den verschiedenen Staatsangehörigkeiten, dann erhält man (unter anderen) die Zahl der von türkischen Staatsbürgern verübten Straftaten,nämlich 2008 106 396 = 22,6 % . Der eigentlich hinzuzurechnende Teil von Straftätern mit türkischem Migrationshintergrund wird hier vernachlässigt.

    Ich denke, wir sollten es dabei belassen.

  4. Markus Hill sagt:

    Wg. der Nachvollziehbarkeit, vielleicht Tippfehler?
    Sie schreiben:
    Anteil der Kriminellen Türken = Anzahl der Kriminellen Deutschen / “rein” türkische Gesamtbevölkerung = 6%
    Angelehnt an die Logik der zwei anderen Zahlen, die Sie geschrieben haben, müsste es dann nicht:
    Anzahl der kriminellen Türken : Anzahl der kriminellen Türken / „rein“ türkische Gesamtbevölkerung = x %
    heissen? (Wieviel % wäre das dann?)
    Vielleicht nur ein Versehen, war mir gerade aufgefallen. Könnten Sie da noch einmal nachsehen?

  5. Teleprompter sagt:

    Was ist schlimm an dieser Frage?

  6. Mehmet sagt:

    Ich hatte erst auch eine politische Laufbahn (übrigens auch in der CDU) in Betracht gezogen. Jedoch ist mir die Ausländerfeindlichkeit noch zu sehr ausgeprägt. Hoffentlich können sich nächste Generationen mit einem sicheren Gefühl dafür entscheiden.

  7. Mehmet sagt:

    Die Frage an sich zeigt u.a. auf, dass es Deutsche gibt, die auch nach 30 Jahren Migration es verpasst haben, etwas über die Türkei zu erfahren. „Mehmet“ ist nicht gerade ein ungewöhnlich türkischer Name.

  8. Mehmet sagt:

    ja es sollte so heißen, wie Sie es erkannt haben.

  9. Mehmet sagt:

    Nun kommt es darauf an, was Sie damit messen möchten. Möchten Sie versuchen, das Konfliktpotenzial der Tatverdächtigen nach Herkunftsland gliedern, dann sollten Sie auch den Vergleich mit den deutschen machen. Hier dürfen Sie gern Deutsch / nicht-deutsch nehmen und nach der von Ihnen vorgeschlagenen Methodik würden die deutschen die konflikreichste Gruppe darstellen, was aber schlichtweg nich stimmt. Wenn man die Gruppe der tatverdächtigen Deutschen betrachten will, dann immer zu der jeweiligen Grundgesamtheit “ deutsche Bevölkerung“. Entschuldigen Sie, aber Sie sollten sich echt einmal die deskriptive Statistik zu eigen machen. Und ehrlich: Dass Sie trotz Ihres Unwissens der Methodik krampfhaft das Schema „gewaltsame Türken“ hinwollen…

  10. Mehmet sagt:

    Wir reden hier von Türken. Die müssen sich entscheiden 😉


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