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Migration und Integration in Deutschland

So, wie wir mit den Minderheiten umgehen, die bei uns leben, so erwarten wir auch, dass Titularnationen mit den deutschen Minderheiten umgehen.

Angela Merkel, Aussiedler- und Minderheitenpolitik in Deutschland, 2008

NRW-Einbürgerungskampagne

Doppelpass für Migranten der ersten Generation

Die Nordrhein-Westfälische Landesregierung startet angesichts rückläufiger Einbürgerungszahlen eine Einbürgerungskampagne, mit der man vor allem türkische Staatsbürger ansprechen möchte. Selbst die Duldung der Doppelstaatlichkeit für Migranten der ersten Generation ist im Gespräch.

Zehn Städte, 500 Großflächen, 50 Veranstaltungen. Ende August fällt der Startschuss. Kufen, der Integrationsbeauftragte, will sie alle erreichen. Die Kroaten, die Italiener, die Afrikaner – vor allem aber die Türken. Ab Ende August soll in den zehn Städten in Nordrhein-Westfalen mit dem größten Ausländeranteil die deutsche Staatsbürgerschaft auf Plakatflächen angepriesen werden.

Der Integrationsbeauftragte der Landesregierung, Thomas Kufen (CDU), sagte gegenüber dem Internetportal Der Westen, dass sie den Menschen damit die Vorteile vermitteln wollen, die sie mit einem deutschen Pass haben. Dazu gehöre die freie Berufswahl, die Visa-Freiheit, aber auch die Teilnahme an Wahlen und die Möglichkeit, sich in öffentliche Ämter wählen zu lassen. Die Landesregierung sei sich bewusst, dass man das Thema jetzt verstärkt angehen müsse. Die Einbürgerung sei nämlich ein „Ausdruck gelungener Integration in unserer Gesellschaft.“

Nachholbedarf bestehe insbesondere in der Handhabung mit der ersten Generation. Dabei denkt Kufen etwa daran die Anforderungen der Sprachtests zu senken, um die sprachlichen Hürden, die für alte Menschen oft unüberbrückbar sind, abzubauen. Auch könne darüber diskutiert werden, ob die Ausstellung eines deutschen Passes unter Duldung der Doppelstaatlichkeit für Migranten der ersten Generation eingeführt werden soll.

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56 Kommentare
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  1. municipal sagt:

    @ Non-EU-Alien

    Danke zunächst für Ihre Info über den Herkunftshintergrund.

    Sie schrieben:

    „Aber ich war nicht präzise genug, das gilt nur für die 1. Generation! In der zweiten Generation sind diese Leute wohl besser integriert als die Türken.“

    Sehen Sie, GENAU das ist der Punkt. WARUM ist das so anders bei Türken als bei den anderen Einwanderern? Muß doch eine Begründung haben.

    Was § 3 des GG betrifft, hier können Sie sehen, wie die Väter des GG damals aus der vorhanden Sicht entschieden und festgelegt haben. Abs 2 und 3 sind eigentlich im Widerspruch.

    (2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.

    (3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung………….. seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand ……………

    Damals gab es die Problematik der Religion/IDEOLOGIE ISLAM in Deutschland noch nicht. Der Staat MUSS die „tatsächliche Gleichberechtigung von Frauen und Männern“ DURCHSETZEN. Selbst in der ISLAMISCHEN CHARTA des
    KRM wird aber (sehr subtil) davon gesprochen, das

    10.“Das islamische Recht verpflichtet Muslime in der Diaspora, sich grundsätzlich an die lokale Rechtsordnung zu halten.“

    GRUNDSÄTZLICH. Das beinhaltet Ausnahmen.
    Und weiter

    13. „Das Islamische Recht gebietet, Gleiches gleich zu behandeln, und erlaubt, Ungleiches ungleich zu behandeln. “

    Gleiches gleich und Ungleiches ungleich. DA ist der Knackpunkt. Wenn Frauen UNGLEICH sind, dürfen sie auch ungleich behandelt werden.

    Ich bin da ganz auf der Linie meines Freundes Ralph Giordano: Nicht die Moschee, der Islam ist DAS Problem.
    Insbesondere seine Auslegunsmöglichkeiten.

  2. municipal sagt:

    Nachtrag, hier er Link zur ISLAMISCHEN CHARTA des KRM

    http://www.zentralrat.de/3035.php

  3. Non-EU-Alien sagt:

    Perfekter Kommentar! Sie haben es auf den Punkt gebracht…

  4. Non-EU-Alien sagt:

    Sorry, aber ich kann mit der Charta nichts anfangen, bin kein Moslem, und kannte sie bisher auch nicht. Ich sehe es aber als selbstverständlich an, sich zu integrieren und anzupassen.

    Eine kurze Frage: Warum haben Sie Artikel 3 GG nur in abgekürzter Form mit Pünktchen wiedergegeben?

    „(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung………….. seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand ……………“

    Sie haben damit die Punkte rausgeschnitten, auf die ich mich bezogen habe, nämlich Heimat und Herkunft! So lang war der Satz nicht, dass man selektiv sein muss… Hier das „Original“:

    „(3) [1] Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. [2] Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“

  5. municipal sagt:

    @ Mehmet

    Könnten Sie mir bitte mal erläutern, wie Sie zu DIESEN Zahlen kommen, und worauf sich die Prozente beziehen? […].

  6. municipal sagt:

    @ Mehmet

    Der Bezug zu meinem Kommentar von 15.58 Uhr erschließt sich mir nicht. Wie wärs mit einer Stellungnahme dazu ?

  7. Markus Hill sagt:

    Da gebe ich Ihnen recht. Leider geht das wohl derzeit nicht, weil die Türken (verallgemeinert) ein solches schlechtes Bild in der Bundesrepublik abgegeben haben, dass man staatlicherseits wohl Ärger vermeiden will und sich deshalb querstellt. (Vermutung von mir). Derzeit hat man wohl das Gefühl, dass die Türkei in den 60er-Jahren Ihre sozialen Probleme zum Teil nach Deutschland exportiert hat. (Ich sage meinem türkischen Freund Oz immer: „Stelle Dir einmal vor, die Deutschen hätten plötzlich 400.000 Leute ohne Schulabschluss in die Türkei verfrachtet. Diese würden in heruntergekommenen Stadtvierteln leben, zum Teil von Sozialleistungen leben und dann noch den Schnitt im allgemeinenen Schulniveau massiv verschlechtern. Wie würden die Türken sich damit im eigenen Land fühlen?“. Man hört da wohl auch nie ein Wort des Dankes – die Gastarbeiter der ersten Generation wissen schon, WARUM sie nicht zurückgegangen sind..
    Im Gegenteil, Politiker kommen nach Deutschland und sagen: „Assimilition ist ein Verbrechen“. Und das nach allen „Türken-Problemen“, die man hier hat Da kriegen natürlich viele Leute „einen Hals“ in Deutschland und stellen zunächst einfach auf Sturheit.:-)
    PS: Es tut mir leid, ich bin mir bewusst, dass auch Sie unfairerweise von diesen Entwicklungen betroffen sind.

  8. Markus Hill sagt:

    Ich bin selber Doppelstaatler, ich weiss nicht, ob ich mich da klar ausgedrückt habe. Der Spanier ist EU-Bürger – vielleicht kennen Sie dieses Argument noch nicht. Im Gegensatz zu bestimmten anderen Ländern ist das so etwas wie eine Preferred Partnership (oder wie ein Club etc.). Gegenüber Dritten wird lediglich Ungleiches ungleich behandelt.
    Ich habe nicht darauf abgezielt (ist oben zu lesen!), dass ein Loyalitätskonflikt gegeben ist – ich habe von Identität gesprochen. Ich finde es übrigens auch überhaupt nicht schlimm, wenn jemand nicht die deutsche Staatsangehörigeit annimmt. Solange er der Allgemeinheit hier nicht zur Last fällt (es gibt immer Sonderfälle oder Humanitäres!), seine Steuern zahlt und nicht kriminell wird, habe ich damit keine Probleme. Sollte das nicht so sein, dann sehe ich darin einen massiven Missbrauch von Gastrecht. Dafür müssen viele Bürger (nicht nur die Deutschen) kein Verständnis haben. Jeder kann seinen Pass behalten, vielleicht kommt die Entscheidung für die deutsche Staatsbürgerschaft dann halt erst in der 3. oder 4. Generation. Manche meiner türkischen Freunde werden wohl erst bei ihren Kindern diese Entscheidung eindeutig für die deutsche Staatsangehörigkeit treffen. Ein normaler Prozess. (Genauso normal, als ob irgendwann der deutsche Staat sagt, dass ich mich eindeutig entscheiden muss – dann gebe ich natürlich Deutschland ohne Identitätskonflikt den Vorzug!:-).

  9. municipal sagt:

    @ Non-EU-Alien

    Ich bin auch kein Moslem und auch kein gebürtiger Türke, aber HIER geht es um das Thema, und darum befasse ich mich damit. Sie nicht?

    Die Verkürzung erfolgte nicht zur Verfremdung des Inhalts(ich habe damit keine Probleme), sondern Kürzung des Zitats. Mein Beitrag bezog sich implizit mit der Problematik, warum nehmen Sie DAZU keine Stellung.Lesen Sie doch einfach mal dort, um Ihre Kenntnisse zu erweitern,und zu erkennen,wo der Widerspruch der islamischen Verbände zu einem WICHTIGEN Teil des Grundgesetzes liegt. Nur SO kann man dann auch drüber diskutieren. Sonst macht es wenig Sinn, wenn man unangenehme Dinge einfach „ausblendet“.

  10. Markus Hill sagt:

    „Ich weiß deshalb ehrlich gesagt gar nicht, warum Sie so sehr darauf beharren und immer wieder Parolen wiederholen ohne mit neuen Aspekten aufzuwarten, obwohl die Mehrstaatigkeit auf der Welt in den meisten Ländern erst gar kein Thema ist.“
    Ich weiss nicht worauf Sie sich beziehen. Konstruktiv ist dieser Diskussionsstil nicht. Leider ist es so, dass Sie immer wieder Inhalte – auch in wiederholter Form (siehe die mehrfachen Beiträge von migazin.de zur Visafreiheit OHNE neue Argumente und ohne die geringste neue Erkenntnisse – ebenso bei vielen Leserbeiträgen) – in Diskussionen präsentiert bekommen werden, die Ihnen persönlich nicht passen werden. Die meisten Leute hier haben keinen „Diskussionspunktzähler“ beim Schreiben Ihrer Beiträge dabei. (Sie wahrscheinlich auch nicht – wer im Glashaus sitzt…:-). Man kann das doch so stehen lassen. Sie müssen nicht meine Überzeugung übernehmen, es sind einfach persönliche Statements.


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