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Migration und Integration in Deutschland

Nur die wenigsten dieser deutschen Arbeiter werden in dieser Situation mit den Ausländern solidarisch sein. Die meisten werden sich aggressiv von den Ausländern abgrenzen und bei ihnen die Verantwortung für die eigene schlechte Position suchen.

Hans-Günter Kleff, Vom Bauern zum Industriearbeiter, 1985

NRW-Einbürgerungskampagne

Doppelpass für Migranten der ersten Generation

Die Nordrhein-Westfälische Landesregierung startet angesichts rückläufiger Einbürgerungszahlen eine Einbürgerungskampagne, mit der man vor allem türkische Staatsbürger ansprechen möchte. Selbst die Duldung der Doppelstaatlichkeit für Migranten der ersten Generation ist im Gespräch.

Zehn Städte, 500 Großflächen, 50 Veranstaltungen. Ende August fällt der Startschuss. Kufen, der Integrationsbeauftragte, will sie alle erreichen. Die Kroaten, die Italiener, die Afrikaner – vor allem aber die Türken. Ab Ende August soll in den zehn Städten in Nordrhein-Westfalen mit dem größten Ausländeranteil die deutsche Staatsbürgerschaft auf Plakatflächen angepriesen werden.

Der Integrationsbeauftragte der Landesregierung, Thomas Kufen (CDU), sagte gegenüber dem Internetportal Der Westen, dass sie den Menschen damit die Vorteile vermitteln wollen, die sie mit einem deutschen Pass haben. Dazu gehöre die freie Berufswahl, die Visa-Freiheit, aber auch die Teilnahme an Wahlen und die Möglichkeit, sich in öffentliche Ämter wählen zu lassen. Die Landesregierung sei sich bewusst, dass man das Thema jetzt verstärkt angehen müsse. Die Einbürgerung sei nämlich ein „Ausdruck gelungener Integration in unserer Gesellschaft.“

Nachholbedarf bestehe insbesondere in der Handhabung mit der ersten Generation. Dabei denkt Kufen etwa daran die Anforderungen der Sprachtests zu senken, um die sprachlichen Hürden, die für alte Menschen oft unüberbrückbar sind, abzubauen. Auch könne darüber diskutiert werden, ob die Ausstellung eines deutschen Passes unter Duldung der Doppelstaatlichkeit für Migranten der ersten Generation eingeführt werden soll.

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56 Kommentare
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  1. Non-EU-Alien sagt:

    „Eine Kombination aus selektiveren Einwanderungsbedingungen und liberaleren Einbürgerungsregeln würde ich befürworten, allerdings muss Deutschland hierfür erst mal wieder fit gemacht werden, damit es für gut ausgebildete Leute überhaupt interessant ist. Nun ja, wenn die SPD in der Opposition sitzt, könnte das vielleicht was werden.“

    –> Ich stimme Ihnen zu, aber die Selektion ergibt sich aus den Anforderungen und Befürfnissen eines Landes. In den 60ern/70ern gab es halt viel Bedarf an ungelernten Fabrikarbeitern, sonst hätten viele Bänder stillgestanden und man hätte nicht so viele Aufträge annehmen können, wie die Wirtschaftslage es erlaubt hat. Jetzt, am Anfang des 21. Jahrhunderts besteht Bedarf an hochqualifizierten Kräften, aber die Anforderungen für Einwanderer sind selbst jetzt viel zu hoch verglichen mit den USA und Kanada. Ich kenne viele ehemalige Studienkollegen, die mit einem Bachelorabschluss in die USA eingewandert sind, weil sie einen Arbeitsvertrag vorweisen konnten. Sowas funktioniert in Deutschland nicht. Hier muss es ein Master mindestens sein und man muss zeigen, dass man um die 80.000 Euro verdienen wuerde. Dann kann hier was draus werden… Aber wer kriegt den heutzutage schon so viel Geld? Selbst die Hälfte dieses Betrages ist für viele ein Traum! Was hier passiert ist, dass den ausländischen Studienabsolventen ein Jahr lang nach dem Studium ein Visum gewährt wird und dann – falls kein Job gefunden – Auf Wiedersehen! So sollte man nicht mit der Intelligenz umgehen, denn von deutschen Hochschulabsolventen weiss man bestimmt besser was gelehrt wurde, als bei indischen / chinesischen Uniabsolventen…

    Na ja, ich finde, dass wenn die SPD in der Opposition sitzen würde es erst Recht nicht dazu kommen würde. Dazu denken noch viel zu viele Köpfe in der Union national-kleinstaatlich und haben „den Schuss nicht gehört“… Man muß halt Realitäten erkennen und darf sich nicht dieser verweigern, und genau das passiert die letzten 20 Jahre im konservativen Lager…

  2. municipal sagt:

    @ Non-EU-Alien

    Wenn Sie sagen, SIE seien kein Türke, machen Sie es einem nicht gerade leicht, Ihre Intentinen einzuschätzen, denn es gibt WIE VIELE andere Länder auf dieser Erde. Ein Hinweis WOHER Sie stammen wäre also hilfreich.

    Nicht ich , sondern der deutsche Staat und die Gesellschaft hat Probleme mit Teilen der Migranten, und das sind nicht Spanier, oder Kanadier, oder Vietnamesen. Meine „Probleme“ mit der Türkei speziell erkenne ich aus meinen Erkenntnissen aus meiner geschäftlichen Tätigkeit dort, ich rede also von Dingen(WIR SIND TÜRKEN,DU BIST EIN TÜRKE, WIR BLEIBEN TÜRKEN , zusammen mit BLUT,BODEN,EHRE= türkischer Nationalismus.), die ich beurteilen kann.

    Womit wir wieder bei „eigenen Erfahrungen sind:
    …….
    Viele südeuropäischen Migranten sind nicht besser integriert als Türken aus meiner eigenen Erfahrung. Sie treten vielleicht nicht so in Erscheinung, aber deshalb sind sie nicht integriertet. Die Türken die ich kenne sprechen alle viel besser deutsch als die Spanier oder Portugiesen, die ich kenne. Das ist nun mal Fakt……
    ……

    Persönliche Erfahrung? Oder Fakt ?
    ……
    …was Sie vom Gleichbehandlungsprinzip halten. Wieso sollte man von diesem abweichen? Weil der Staat das so entschieden hat…
    …….

    Ja. Genau deshalb. Weil der Staat und seine Bürger es MEHRHEITLICH so entschieden hat. Wie in jedem anderenLand der Erde. Hier ist nämlich nicht das Paradies.

  3. Markus Hill sagt:

    Ein spanischer Freund von mir (EU-Bürger!), sagt auch einfach, dass er Spanier ist, aber er aus Deutschland kommt. Wenn sie einen spanischen oder türkischen Namen haben, werden Sie noch lange Zeit nach ihrer Herkunft gefragt. Völlig normal – fremd klingender Name, evtl. noch andere Hauptfarbe als Herr Schmitz aus Duisburg. Das ist nichts Schlimmes. Das ist ein normaler Prozess bei Einwanderungsketten. Bei den meisten jungen Deutschen würde ich unterstellen, dass damit kein Problem besteht. Um es im Extrem auszudrücken: Ein türkisch-stämmiger deutscher Akademiker ist mir in der Regel „näher“ als eine dumm-deutsche Variante von Nazi-Dumpfbacke! Da braucht man überhaupt keine nationalen oder ethnischen Gegensätze zu bemühen.

  4. Non-EU-Alien sagt:

    @municipal

    Ich komme aus dem ehemaligen Jugoslawien, genauer gesagt aus Serbien. Ob das jetzt hilfreich ist oder nicht, müssen Sie selber entscheiden.

    „Persönliche Erfahrung? Oder Fakt ?“ –> Nicht nur Erfahrung, sondern ErfahrungEN, die es mir als Faktum erscheinen lassen. Aber ich war nicht präzise genug, das gilt nur für die 1. Generation! In der zweiten Generation sind diese Leute wohl besser integriert als die Türken, in der 1. Generation bestimmt nicht. Wann ist denn etwas für Sie ein Fakt? 1+1=2 ist ein Fakt, aber hier ist das nicht so leicht… Für mich persönlich ist es ein Fakt, weil es auf über dreissigjährige Erfahrung im Ausländermillieu West- aber auch Ostdeutschlands beruht. Egal, wollen wir uns nicht streiten…

    „Ja. Genau deshalb. Weil der Staat und seine Bürger es MEHRHEITLICH so entschieden hat. Wie in jedem anderenLand der Erde. Hier ist nämlich nicht das Paradies.“ –> Das ist doch das schöne an einer Demokratie nicht wahr? Außerdem haben die Politiker mehrheitlich entschieden, nicht die Bürger. Aber ist ja auch egal, wollen wir uns hierüber auch nicht streiten. Mir ging es vielmehr darum, ob diese Entscheidung beispielsweise mit §3 des GG, welches für alle Menschen gilt (nicht nur für Deutsche) im Einklang steht. Da gibt es wahrscheinlich noch mehr Artikelchen im deutschen Paragraphendschungel…

  5. Markus Hill sagt:

    „In der zweiten Generation sind diese Leute wohl besser integriert als die Türken, in der 1. Generation bestimmt nicht.“
    Einfach, um die Problemketten bei Identiät etc. einmal zu durchbrechen – reicht da nicht einfach einmal „nur“ die eindeutige deutsche Staatszugehörigkeit?

  6. Mehmet sagt:

    Wenn die eindeutige Staatsangehörigkeit reicht, dann können ja alle Ausländer (nicht nur die Türken) auf den Pass aus dem Ursprungsland verzichten.

  7. Non-EU-Alien sagt:

    Die reicht den EU-Ausländern ja auch nicht! Gerade diese Eindeutigkeit, die Sie verlangen, führt zu Identitätskonflikten. Man soll sich eindeutig zu Deutschland bekennen, schön und gut, aber man stammt woanders her, und diese Herkunft soll man verleugnen, obwohl man weiss dass man von Deutschen nie als richtiger Deutscher angesehen würde? Das mag vielleicht in der 3., 4. oder späteren Generation einfacher sein, aber nicht in der 1. und 2. Generation. Da fühlt man sich noch ziemlich zweiheimisch. Das hat nichts mit Loyalitätskonflikten zu tun, denn ich bin überzeugter Pazifist, sondern mit Identitätsverlust. Man bekennt sich doch eindeutig zu Deutschland, indem man entschieden hat hier sein Lebtag zu verbringen und als ordentlicher Bürger zu leben. Man weiss was seine Rechte und Pflichten sind und unterliegt in Deutschland den deutschen Gesetzen.

    Wenn ihr spanischer Freund, den Sie oben erwähnt haben, sich einbürgern liesse, dann würde man von ihm keine eindeutige deutsche Staatszugehörigkeit verlangen, sondern die Doppelstaatigkeit gewähren. Schon mal darüber nachgedacht?

    Ich weiß deshalb ehrlich gesagt gar nicht, warum Sie so sehr darauf beharren und immer wieder Parolen wiederholen ohne mit neuen Aspekten aufzuwarten, obwohl die Mehrstaatigkeit auf der Welt in den meisten Ländern erst gar kein Thema ist. Selbst in Deutschland eigentlich nicht mehr, weil durch die letzte Reform der Grundsatz der Vermeidung weitestgehend aufgehoben wurde und es sich somit gar nicht mehr um einen Grundsatz handelt, sondern eher um eine Ausschließung einiger weniger. Lassen Sie uns doch einfach konstruktiv diskutieren. Selbst renommierte DEUTSCHE Migrationsforscher halten die momentane Situation für nicht gut, auch Frau Rita Süssmuth hat sich gegen die Praxis ausgesprochen. Mich wundert, dass die Stimmen von solchen Spezialisten in diesem Bereich nicht von der Politik ernst genommen werden. Wenn es um wirtschaftspolitische Fragen geht, dann greift man gerne auf Spezialisten außer Haus zurück, bei integrationspolitischen Fragen ignoriert man die Meinung der Leute, die sich mit der Materie auskennen.

  8. Mehmet sagt:

    Eine Hispanic war es, die mir erzählt hat, dass sie nie nach Ihrem Ursprung gefragt wurde, außer in Deutschland.

  9. Mehmet sagt:

    Da sie mal mit Kriminalitätstatistiken argumentiert haben:

    6 % der Bevölkerung mit türkischem Migrationshintergrund ist kriminell. Die Italiener liegen bei 12 % und und Serben bei ca 8-9%. Im Vergleich: Die Deutschen liegen bei 2%.

  10. Mehmet sagt:

    Oh: Dieser Kommentar war auf Antwort auf Municipals Kommentar gedacht.


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