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Migration und Integration in Deutschland

Wenn Ausländer […] von der einheimischen Bevölkerung als Konkurrenten um Arbeitsplätze […] und als Bedrohung der Sicherheit […] wahrgenommen werden, dann erhöht die vermehrte Sichtbarkeit der Migranten dieses Gefühl […]

Forschungsverbund „Probleme der Ausländerbeschäftigung“ / 1979, 1979

Armin Laschet

„Kultur des Wilkommenseins“

Der Integrationsminister von Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet (CDU), zeigte sich besorgt über die aktuelle Zuwanderungsstatistik. 2008 zogen etwa 682.000 Menschen zu und 738.000 weg, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden letzte Woche mitteilte. Damit gab es zum ersten Mal seit 1984 wieder einen negativen Wanderungssaldo. Die Abwanderungswelle sei ein „Alarmsignal für den Standort Deutschland und ein echtes Problem für die Wirtschaft“, betonte Laschet.

Der Trend, im Ausland nach Arbeit zu suchen, gilt insbesondere für Akademiker. „Unsere Zuwanderer haben meist eine geringe Bildung, unsere Auswanderer dagegen sind hoch qualifiziert“, sagte Laschet. In Nordrhein-Westfalen seien im ersten Halbjahr 2008 nur elf hoch qualifizierte Ausländer zugewandert. „Zugleich sind die meisten jungen Türken, die unser Land wieder verlassen, hoch qualifiziert und machen dann in der Türkei eine tolle Karriere.“ Der Integrationsminister fordert deshalb eine „Kultur des Wilkommenseins“.

Aus einer Untersuchung des Instituts futureorg, die von der Türkisch-Deutschen Unternehmervereinigung im April präsentiert wurde, geht nämlich hervor, dass der Grund für Auswanderung von türkischstämmgen Akademikern insbesondere das bedrückende Gefühl der Benachteiligung und die damit verbundene Unsicherheit ist. Viele der befragten Jungakademiker mit türkischem Migrationshintergrund fühlten sich in Deutschland wegen ihrer Abstammung zurückgewiesen.

Nicht ohne Grund: Das Zentrum für Türkeistudien hatte identische Bewerbungen an deutsche Unternehmen geschickt – mit türkischem und mit deutschem Namen. Das Ergebnis: Bewerber mit deutschem Namen wurden zehnmal häufiger zum Vorstellungsgespräch eingeladen als diejenigen mit türkischem Namen.

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17 Kommentare
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  1. Erkan A. sagt:

    @Bewerber mit deutschem Namen wurden zehnmal häufiger zum Vorstellungsgespräch eingeladen als diejenigen mit türkischem Namen.

    Also wenn das stimmt, dann ist für mich die Abwanderung eine vollkommen verständliche Reaktion. Und da soll auch niemand traurig sein, dass Ihnen die schlauen Köpfe aus dem Land rennen.

  2. Klaus-Dieter Boden sagt:

    Letzlich ist es die CDU, die dem Rassismus in Deutschland Tür und Tor öffnet und geöffnet hat. Was beklagt sich also der Herr Minister ? Soll er sich erstmal seinen Oberguru Schäuble in Berlin zur Brust nehmen !

  3. Schneter sagt:

    Leider gehen nur die gut Ausgebildeten und Integrierten, auch wenn es nur eine Handvoll ist. Die integrationsresistente, bildungsferne Unterschicht fühlt sich hier pudelwohl. Ein Auswandern für diese Leute würde sich auch nicht lohnen, wo sonst sollte es ihnen finanziell besser gehen als im Sozialstaat Deutschland, wo man nicht arbeiten braucht, um eine 10-köpfige Familie gut über die Runden zu bringen. Deswegen sind auch die Rückführungsprogramme gescheitert.

    Brisant wird es nur, wenn Deutschland eines Tages nicht mehr in der Lage ist, diesen sozialen Standard zu halten. Was passiert mit den ganzen Harz4-Empfänger, ob deutsch oder nicht? Da sehe ich schwarz, weil sich hier zuviele in den sozialen Hängematten ausruhen.

  4. […] fordert von Deutschen eine Kultur des Willkommenseins: http://www.migazin.de/2009/07/29/laschet-fordert-%e2%80%9ekultur-des-wilkommenseins%e2%80%9c/ In diesem Artikel ist von einer Studie des Zentrums für Türkeistudien die Rede, laut der […]

  5. Alexis sagt:

    Ich finde, wer seinen Gast willkommen heißt, muß auch wieder loslassen und sich von ihm verabschieden können. Deutschland ist sicherlich ein schönes Land, aber es gibt ja schließlich auch andere schöne und verlockende Flecken Erde auf dieser Welt. Wenn da das Gesamtpaket aus Gehalt, Lebensqualität und Sicherheit stimmt, kann man es niemandem verübeln, daß er Deutschland den Rücken kehrt. Andere Mütter haben eben auch schöne Töchter!;-)

  6. Teleprompter sagt:

    Ich werde die Scharia niemals willkomen heißen …

  7. Erkan A. sagt:

    Schneter
    @Leider gehen nur die gut Ausgebildeten und Integrierten, auch wenn es nur eine Handvoll ist. Die integrationsresistente, bildungsferne Unterschicht fühlt sich hier pudelwohl.

    Also meiner Meinung nach sollte sich Deutschland lieber die Mühe machen, die Anzahl der gut Ausgebildeten und Integrierten zu erhöhen, anstatt diese durch eine unangemessene Ausländerpolitik immer weiter in den Schatten zu stellen.

    Meiner Meinung nach gibt es auch sehr viele Deutsche, die sich nicht in diese Gesellschaft integrieren wollen. Stellt sich nur die Frage, wie man diese dazu bewegen könnte. Diese können i.d.R. auch gut deutsch aber haben keinerlei Motivation oder Ideale. Das Problem spiegelt sich auch in einem steigendem Drogen- und Alkoholkonsum wieder, aber das ist ja ein anderes Thema…

    Das Aufrechterhaltung des Sozialstaates ist bestimmt nicht dadurch möglich, dass man die Ausländer einfach mit der Zeit abschiebt…Oder?

  8. Schneter sagt:

    „Meiner Meinung nach gibt es auch sehr viele Deutsche, die sich nicht in diese Gesellschaft integrieren wollen. Stellt sich nur die Frage, wie man diese dazu bewegen könnte. “

    Zweifellos, da gebe ich Ihnen Recht. Die Gesellschaft an sich ist ja auch nicht unbedingt das ideale. Ich stehe auch am Rande der Gesellschaft, bin aber nicht auf Unterstützung angewiesen.

    „Also meiner Meinung nach sollte sich Deutschland lieber die Mühe machen, die Anzahl der gut Ausgebildeten und Integrierten zu erhöhen, anstatt diese durch eine unangemessene Ausländerpolitik immer weiter in den Schatten zu stellen. “
    Das wäre sicherlich das Beste. Hoffen wir, dass es eines Tages soweit kommen wird. Daran müssen wir alle arbeiten.

  9. Markus Hill sagt:

    Zitat:
    „Das Aufrechterhaltung des Sozialstaates ist bestimmt nicht dadurch möglich, dass man die Ausländer einfach mit der Zeit abschiebt…Oder?“
    Die Frage ist mir nicht ganz verständlich.
    1. Die Ausländer – da sollte man differenzieren. Da gibt es solche und solche. Welche, die lieber gesehen werden und welche die weniger gern gesehen werden. „Die Ausländer“ gibt es so als homogene Gruppe nicht. Manche haben gute Reputation, manche haben schlechte Reputation. Duch diese Bezeichnung werden die mit guter Reputation oft noch mit „angeschwärzt“. Auch die, die aus einer der bekannten Problemgruppen kommen und erfolgreich integriert sind (wie auch immer man Integration definieren mag – Minimum, vielleicht: werden nicht als Ärgernis empfunden bzw. fallen nicht unangenehm auf).
    2. Problemgruppen bei bestimmten Ausländern verursachen natürlich enorme Kosten und Folgekosten (Rütli-Schulen-Effekt). Diese Kosten sind nur ein Teil der gesamten Sozialkosten. Insofern: Die Gesamtthematik wird nicht gelöst. Es gibt ja auch noch deutsche sozialferne, bildungsresistente Schichten, die Geld kosten (für die fühlen sich die meisten Deutschen wohl gezwungenermassen oder aus Überzeugung verpflicht).
    3. Die Schweiz und andere Einwanderungsländer stellen klare Regeln auf. So weit mir bekannt ist von guten Freunden, wird es in der Schweiz für einen Deutschen recht unangenehm, wenn er nach einer gewissen Zeit keine Arbeitsstelle nachweisen kann. Die Option zur Ausweisung ist wohl gegeben. Natürlich löst die Schweiz für sich gesehen damit ein potentielles Problem.
    4. Gegenwärtig diskutiert man die Optionen bzgl. Ausweisung oder Rückführungsprogramme nicht intensiv. Die meisten Leute in Deutschland (mich eingeschlossen) hängen da wohl noch einem humanitären Gedanken an, man glaubt, dass man die Problematik mit Allianzen, Bildungsoffensiven und Bewusstseinswandel vielleicht noch in den Griff bekommt. Sollte bei den Folgegenerationen in den Problemgruppen dass Problem weiter auftreten, kann ich mir sehr gut vorstellen (wie derzeit in Holland, eigentlich SEHR LIBERALE Leute), dass neue Parteien entstehen bzw. existierende rechtsradikale Parteien dieses Thema aufgreifen werden und mit Nachdruck in die Öffentlichkeit tragen werden. Natürlich würde auf „Knopfdruck“ (Beispiel: Ausweisung von „Problem-Türken“ in die Türkei) von heute auf morgen eine grosse Entlastung erfolgen. Machen wir uns da nichts vor. Nur wäre das Problem dann halt in ein anderes Land getragen. Ist ein Option, natürlich. Will man das? Beim gegenwärtigen Stand der Diskussion wohl nicht. So lange man an konstruktiven Lösungen arbeitet und beide Seiten aufeinander zugehen, gräbt man auch den sehr konservativen (keinesfalls gleichzusetzen mit NAZI, genauso wie nicht alle DIE LINKE-Anhänger Stalinisten sind:-) und rechtsradikalen Parteien in Deutschland das Wasser ab.

  10. Erkan sagt:

    @Markus Hill
    „Natürlich würde auf “Knopfdruck” (Beispiel: Ausweisung von “Problem-Türken” in die Türkei) von heute auf morgen eine grosse Entlastung erfolgen.“

    Aus dieser Aussage heraus schließe auf eine Unkenntnis; denn laut Statistiken der türkischen Behörden sind es schon über 200.000 Menschen, die aus irgendwelchen Gründen aus Deutschland in den vergangenen Jahren abgeschoben wurden. Zu einer vollkommenen Entlastung hat es bestimmt nicht geführt, vielleicht teilweise zu einer finanziellen, jedoch sollte dieser Aspekt nicht separat betrachtet werden. Es gibt da ja noch die Kehrseite des Medaillions. Es führt nämlich zu einer Unzufriedenheit und zu einem Vertrauensverlust auf seiten der noch in Deutschland lebenden ausländischen Mitbürger, die nunmehr bspw. weniger in Deutschland investieren, weniger die deutsche Staatsangehörigkeit annehmen etc.
    Man sollte folglich nicht zu einseitig an die Sache herantreten, sondern die Problematik differenzierter betrachten.


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