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Migration und Integration in Deutschland

Erwerbsquoten der inländischen (43 %) und ausländischen (70,8 %) Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1970.

Friedrich Heckmann, Die Bundesrepublik als Einwanderungsland?, 1981

Theater

Arabboy – Eine Jugend in Deutschland oder das kurze Leben des Rashid A.

Das Theaterstück „Arabboy“, basierend auf der Buchvorlage Güner Yasemin Balci´s und inszeniert von Nicole Order, handelt von einem jungen Araber auf der Identitätssuche in Berlin – Neukölln. Dieses zieht sich auch durch das zweistündige Stück, welches im Heimathafen Neukölln seit Ende Mai aufgeführt wird.

Der Zuschauer erlebt während des ganzen Schauspiels ein Wechselbad der Gefühle. Heitere sowie dramatische und erschreckende Szenen gehen fließend ineinander über und der Zuschauer muss sich innerhalb von Sekunden umorientieren, um überhaupt den ganzen Szenen die volle Aufmerksamkeit schenken zu können. Das Drei-Mann Stück überzeugt durch eine Vielfalt an Charakteren, eindrucksvoll dargestellt unter anderem von Inka Löwendorf und Sinan Al-Kuri, von denen einige nur als Nebenfiguren kurz erscheinen und dennoch einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Einzig und allein an Rashid, beeindruckend gespielt von Hüseyin Ekici, wird dem Zuschauer das ganze Ausmaß der Katastrophe bewusst.

Zwischenzeitlich ist man so schockiert und entsetzt über die Brutalität, dass man am liebsten aufspringen möchte und dem ganzen ein Ende bereiten will. Man wundert man sich über apathische Eltern und Psychologen über ignorante Mitbürger.

Rashid, Sohn einer Palästinenserin und eines libanesischen Kurden, vereint scheinbar alle Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die man so gut aus der Boulevardpresse kennt. Den Räuber, Schläger und Macho, um nur einige zu nennen. Deshalb erscheinen einem auch manchmal die Geschehnisse zu extrem und zu überspitzt, so dass es schwer fällt, diesen Charakter in seiner ganzen Bandbreite nachzuvollziehen. Aber gerade das ist der spannende Teil an dem ganzen Stück. Wer ist nun der wahre Schuldige an Rashids Entwicklung? Klar ist zum Schluss nur, dass Rashid der Leidtragende ist und ein Zurück in die Gesellschaft unmöglich erscheint.

Arabboy: Eine Jugend in Deutschland oder Das kurze Leben des Rashid A. kann man bei Amazon bestellen. Broschiert: 288 Seiten, Verlag: Fischer, Frankfurt; Auflage 1

Die vormals karge Bühne bietet zum Ende hin ein Bild des Chaos. Herumliegende Stühle, Gummibärchen und Federbälle vermitteln dem Zuschauer nur einen Hauch von dem inneren Seelenzustand Rashids.

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