MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

Noch sind wir geschockt, aber wir werden unsere Werte nicht aufgeben. Unsere Antwort lautet: mehr Demokratie, mehr Offenheit, mehr Menschlichkeit.

Norwegens Ministerpräsident Jens Stoltenberg, Trauergottesdienst nach dem Terroranschlag im norwegischen Oslo und Utoya, 2011

Medien

Die Geister, die sie riefen…: Islamfeindlichkeit ist Mainstream

„Die Einheitsfront des Rassismus zwischen Teilen der Politik und Medien muss zurückgedrängt werden. Denn es ist kein Wunder, dass sich die Mehrheit der Bevölkerung an einem Bild orientiert, in dem der Islam als Gefahr und Problem in Politik und Gesellschaft in Erscheinung tritt.“, so Sevim Dagdelen, migrationspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion DIE LINKE anlässlich der Debatte um den Mord an Marwa Ali El-Sherbini.

Die Diskussion um Muslime sei in Deutschland seit vielen Jahren verbunden mit Themen der Bedrohung, Terrorismus, Kriminalität, kulturelle Überfremdung und Ausnutzung des Sozialstaats. Laut Dagdelen werde dieser Diskurs von Seiten der Politik immer wieder verstärkt.

Dagdelen weiter: „Rassistische Übergriffe und Propaganda gehören leider zum Alltag dieser Republik. Das reduzierte Gewalt- und Konfliktbild, das den Eindruck vermittelt, dass der Islam weniger eine Religion als vielmehr eine politische Ideologie und einen gesellschaftlichen Wertekodex darstellt, der mit den Moralvorstellungen des Westens kollidiert, ist von der Bundesregierung und von vielen der jetzt in Katzenjammer über das Schweigen politischer Institutionen verfallenden Medien mit erschaffen worden. Durch die Verbindung von Terrorismusbekämpfung und Sicherheit mit der Diskussion um ‚Integration‘ von Muslimen und der Behauptung ihrer ‚kulturellen Fremdheit‘ gegenüber einer deutschen ‚Leitkultur‘ wurden seit Jahren Ängste geschürt und Ressentiments bedient. Der Islam diente dabei als ein Vehikel, um soziale Ausgrenzung, Diskriminierung und Sicherheitswahn mit dem Grundrechtsabbau zu legitimieren.“

Wie ernsthaft die Betroffenheit in der Politik und in den Medien sei, würde man kurzfristig daran sehen, ob es einen Wahlkampf ohne Stereotypen geben werde.

Mittel- und langfristig sei der Umgang mit der größten Krise der letzten 80 Jahre entscheidend. Wissenschaftliche Untersuchungen hätten längst ergeben, dass eine Normalisierung von Rassismus und Ausgrenzung im Zusammenhang mit sozialen Desintegrationsprozessen stehe. Mit der Krise seien millionenfach Arbeitsplätze und Einkommen von Menschen bedroht.

„Aus Erfahrung besteht die Gefahr, dass der Mehrheitsbevölkerung Verantwortliche und Sündenböcke für die sozialen Probleme angeboten werden und somit der Rassismus gegenüber Migrantinnen und Migranten sowie sozial Ausgegrenzten wie beispielsweise Hartz-IV-Empfängern steigt. Mit der zunehmenden Ökonomisierung des Sozialen hat die neoliberale Ideologie in der Gesellschaft bereits Früchte getragen und den Rassismus verstärkt. Diesem gilt es mit einer Politik der sozialen Gerechtigkeit für alle entgegenzuwirken.“, so Dagdelen abschließend.

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:

25 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. Daniel Lee sagt:

    „Tun Sie nur so unwissend, oder hat das Methode?“

    Ja und nein. Ich muss gestehen, ich bin zwar selbst ein Migrant, beschäftige mich aber nicht gezielt mit der Kopftuchproblematik, weil das nicht Teil meiner Welt ist. Daher ist mein Wissen darüber tatsächlich beschränkt. Und in meiner Umgebung erlebe ich hauptsächlich nur Frauen, die ihr Kopftuch sehr selbstbewusst tragen.

    „Möchten Sie, das schon heranwachsende,kleine Mädchen früh genug darauf “dressiert” werden, das Kopftuch zu tragen, und damit die Unterordnung unter das männliche Geschlecht zu akzeptieren?“

    Nein. Da ich das nicht weiß: Ist es aus Ihrer Sicht so, dass das Kopftuch zwangsläufig immer eine Unterordnung unter das männliche Geschlecht darstellt?
    Aus meiner Sicht werden Kinder in jeder Kultur leider auf ein bestimmtes Verhalten hin „dressiert“. Religiöse Erziehung ist dabei ein besonders heikles Thema.
    Und mit Ihrer Frage sprechen Sie ein höchst komplexes Thema an. Nicht nur das Problem „Unterordnung unter das männliche Geschlecht“ ist komplex, auch eine Lösung hierfür ist in meinen Augen hochkomplex.
    Wann darf und muss ich dabei Partei ergreifen, und wann ist das ein unberechtigtes Einmischen in die Privatsphäre anderer? Das ist für mich vor allem bei der Kopftuchfrage nicht eindeutig. Und solange Frauen sich nicht äußern und um Hilfe bitten oder sich organisieren, habe ich ein Problem damit, wenn der deutsche Staat sich auf Verdacht in die Erziehung islamischer Familien einmischt.

    „SIE reden von Freiwilligkeit ? Gruppendruck sagt Ihnen nichts ?“

    Hmm… habe ich in Sachen Kopftuch von Freiwilligkeit gesprochen? Soweit ich das überblicke, nein. Ihre Frage nach dem Gruppendruck interpretiere ich so, dass in der islamischen Gemeinschaft ein Gruppendruck auf junge Mädchen besteht, ein Kopftuch zu tragen. Wird es besser, wenn von deutscher Seite ein zusätzlicher Druck auf junge Mädchen ausgeübt wird, das Kopftuch nicht zu tragen? Müsste das Problem nicht anders gelöst werden (und wenn ja, wie)?

    „Wenn Sie SO argumentieren, sind Sie sich der Komplexität dieses “Stückchen Stoffes” im Leben von im Islam lebenden Frauen nicht bewußt.“

    Wenn Sie so argumentieren, sind Sie sich dann der Folgen bewusst, wenn die deutsche Gesellschaft oder gar deutsche Politk tatsächlich massiv in dieser Frage intervenieren würde? Das würde erst recht einen Keil zwischen der Mehrheitsgesellschaft und den (türkischstämmigen) Migranten treiben.

  2. Seiko sagt:

    Also mein Persönliche meinung ist das es auf Beiden Seiten Opfer und Täter gibt, ich als Moslem fühle mich zwar nicht bedroht aber ich habe oft das gefühl das wir Muslime so nicht aktzeptiert werden wie wir sind. Ich meine Was spricht dagegen das man in Deutschland eine Moslem ist, für viele sehen darin eine Bedrohung ihrer Kultur gedanken gut usw. Das ist aber für mich wider Purer Rassismus denn im endefeckt bedroht man mit seiner Religion niemand.

    Die Kriminellen Emigranten sind es doch die die Weit von ihrer Religion entfernt sind Jugendlich die kein Bock auf schuhle haben den ganzen Tag Rumhängen usw. Die gibt es Unter Deutsch aber auch unter Muslime und andere Emigranten.
    Während es bei Praktezierende Muslime nicht der Fall ist. Aber genau die werden Steine den Weg gelegt ich kenne so viele Hinterhof Moscheen wo gerne mehr Jugendliche kommen werden aber wo das Geld vorn und Hinten fehlt. Es gibt Moscheen wo am Freitagsgebet die Leute Außerhalb der Moschee auf der Straße Beten weil es keinen Platz in der Moschee gibt. Und ich kenne auch Persönlich viele Jugendliche die auf der SChiefebahn geraten waren und erst durch den Islam von der Straße gekommen sind, gehen sie doch in den Moscheen da werden sei viele Jungendliche sehen, aber Deutsche vermeiden den Kontakt weil sie oft durch den Medien Manipuliert werden das der Islam etwas schlimmes sei der die Welt Regieren möchte usw.

    In erster linie muss es mit dem Rassismus aufhören hier hört man Sachen das es nur bei Muslime Schulabrecher gibt und Soziale Probleme dies ist aber nicht der fall. Wissen sie wie Oft Deutsche frauen von ihren Männern verprüglt werden weil der Mann besoffen nach Hause Kommt nur dort ist es eine Tragödie und keine Islamist der am werk ist. Oder wissen sie wie oft es bei Deutschrussen zu gewalttaten in der Familie kommt dort spricht man aber auch nicht davon.

    Und selbst das was man hier in den Komentaren hört dann wird man feststellen das viele vororteile gegen über dem Islam haben.

  3. Seiko sagt:

    Also auf beiden Seiten gibt es Opfer und Täter dies ist mein Persönlicher Meinung und da sie in einen previlegierten Stadtviertel leben dann werden sie auch wenig mit Emigranten zu tun haben aber das zeigt aber auch das sie nicht unbedingt den Kontakt suchen.

    Viele Frauen haben ständig Probleme weil sie einen Kopftuch tragen und was ist so schlimm dadran das eine Frau einen Kopftuch trägt ist es nicht der Rassismus der Deutschen der das ganze so entfacht. Ich persöliche finde es viel schlimmer wenn eine Frau halbnackt auf der Straße ist denn die könnte Autofahrer beim Fahren beeinträchtigen weil sie dadurch nicht auf der Straße achten.

    Die Übergriffe sind wahrscheinlich ganz unterschiedlich ich denke mal im Osten wird man ehr von Deutschen Nazies angegriffen was auch oft der fall war.

  4. Seiko sagt:

    Das sagt aber alles und zwar das es in Berlin ist und nicht überall in Deutschland!!!

    Aber sie versuchen damit das Detuschland aus zu weiten ist aber nicht der fall.

    Frauen die Kopftücher tragen werden auch stark benachteiligt dies haben sogar Menschenrechts Organisationen beschtätigt.

    Und jetzt?

  5. Markus Hill sagt:

    1. Islam – ist das eine Rasse?

    2. Islam – Religion, auch mit gemässiger Ausprägung sehr oft anzutreffen. Natürlich soll man hier seine Religion ausüber dürfen. Kopftücher sind so gesehen auch nichts Schlimmes.

    3. Vorurteile sind normal. Sind kein Verbrechen. Und man kann auch mit Vorurteilen leben. Auch damit, dass manche Menschen andere Menschen nicht mögen. Noch haben wir glücklicherweise noch keinen Zwangsliebe-Erlass. Man setzt sich halt VERBAL mit dem Gegenüber auseinander.

    4. Islam – ist es nicht ein normaler Prozess (wie bei katholischer Kirche), dass man langsam lernt, mit Kritik umzugehen?
    Ist doch kein Beinbruch.:-)

  6. Johanna sagt:

    Zum Osmanischen Reich gehörte die Sharia, wie in anderen islamischen Ländern. Erst durch Atatürk wurde die Türkei zu einem laizistischen Staat gemacht.

    Die zunehmende Islamisierung der Türkei ist schwerlich zu übersehen, angefangen bei der AKP, weiter über Fetullah Gülen etc.

    Säkulare Türken sind mir in Deutschland willkommen, nicht jedoch Jene, die die Türkei und Europa islamisieren wollen. – und derer gibt es Viele. Abzulesen ist dies sehr gut an den nicht enden wollenden „Forderungen“ und den „Empörungen“ allerorten, die letztendlich in der Forderung nach Sharia-gemäßem Leben münden.

    Eine Buchempfehlung für Interessierte:

    […]

  7. Markus Hill sagt:

    Um welches Buch geht es da?

  8. Teleprompter sagt:

    Das würde mich auch interessieren.

  9. Markus Hill sagt:

    @Redaktion bzw. Moderator (direkte Frage)
    Wurde der Titel vergessen anzugeben oder war der Titel „verboten“ (rechliche Bedenken der Redaktion)?

  10. Ekrem Senol sagt:

    Es wurde lediglich ein Link entfernt, dass auf eine Seite verwies, in der wir kein Impressum finden konnten. Dort wurde ein Buch vorgestellt, dass offensichtlich nur als PDF-Download zur Verfügung stand.

    Grundsätzlich werden Links zu Seiten ohne Impressum entfernt. Das ist erforderlich, da wir für Inhalte fremder Seiten haften, auf die ein Link von MiGAZIN aus führt.


Seite 2/3«123»

Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...