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Migration und Integration in Deutschland

Letztlich haben einige Industriestaaten ihren Bedarf an zusätzlichen Arbeitskräften … dadurch gedeckt, dass sie bei der Einstellung von irregulären Arbeitsmigranten ein Augen zudrücken.

Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen, Migration in einer interpedenten Welt, 2004

Projekt MOQA

Partizipation durch Elternbildung

In Deutschland leben rund 2.8 Millionen Menschen mit türkischem Migrationshintergrund (MH). Gegenwärtig besuchen mehr als 400.000 Schüler/innen mit türkischem Pass die allgemeinbildende Schule. Acht Prozent aller Jugendlichen in Deutschland verlassen die Schule ohne Abschluss.

Unter Jugendlichen türkischer Herkunft liegt die Quote mehr als doppelt so hoch. Jeder Fünfte bricht die Schule ohne Abschluss ab: Dabei verschlechtert sich die Ausbildungssituation dieser Jugendlichen weiter: 40 Prozent machen keine Berufsausbildung.

Im März 2009 hat die Türkische Gemeinde in Deutschland ein neues Projekt gestartet. Das Projekt wird an drei Standorten in Deutschland (Berlin, Wuppertal, Stuttgart) gemeinsam mit den Landesverbänden vor Ort und in Kooperation mit der Föderation Türkischer Elternvereine in Deutschland, dem Bundesverband Türkischer Studierendenvereine, dem Bund der Türkischen Lehrervereine in Deutschland sowie den regionalen bildungspolitischen Akteuren durchgeführt.

Kenan Kolat, Vorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland (TGD), erklärt: „Die Erziehungs-, Bildungs- und außerschulischen Probleme Kinder und Jugendlicher mit Migrationshintergrund gehören immer noch zu den vordringlichsten gesamtgesellschaftlichen Aufgaben in Deutschland.“

Hauptziel des MOQA Projektes ist es Eltern zu aktivieren, zu motivieren und zu qualifizieren, damit sie für die Bildung ihrer Kinder aktiv werden und sich kompetent für den Bildungserfolg ihrer Kinder einsetzen. „Für eine gleichberechtigte Partizipation müssen nicht nur die Bildungseinrichtungen interkulturell geöffnet werden sondern gleichzeitig die Erziehungsverantwortung der Eltern gefordert und unterstützt werden“ erklärt Frau Berrin Alpbek, Vorsitzende der Föderation Türkischer Elternvereine in Deutschland.

In Workshops und Wochenendseminaren werden türkischstämmige Eltern über das deutsche Schulsystem sowie ihre Mitwirkungsmöglichkeiten, Rechte und Pflichten aufgeklärt. Ferner werden sie in die Lage versetzt als „Bildungsbotschafter/innen der TGD“ andere Eltern in ihrer Region zu unterstützen. „Wir möchten einen Beitrag zur Verbesserung der Berufs- und Bildungschancen der nächsten Generationen leisten“, so Kenan Kolat.

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14 Kommentare
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  1. Krause sagt:

    Da haben Sie Recht und „fordern“ ist das Lieblingswort von Herrn Kolat. Nur in dem konkreten Artikel wird ausnahmsweise nichts vom deutschen Staat gefordert, sondern von den türkischen Eltern. Das ist doch einmal ein Anfang.

  2. G.Keldermann sagt:

    @ Ozan

    Zitat

    die türkische Interessen der in Deutschland lebenden Türken vertreten

    Zitat Ende

    DAS ist der Punkt: TÜRKISCHE Interessen

  3. Markus Hill sagt:

    Ein sachlicher Einwand: Ist die Gruppe der Aussiedler nicht mindestens genauso gross? Liegen da nicht andere, studienswerte Erfahrungen vor?

  4. Markus Hill sagt:

    In vielen Leserbriefen wird von oft von der persönlichen, emotionalen Betroffenheit von türkischen Migranten geschrieben (Ehegattennachzug, Diskriminierung, „das-unberechtigt-in-einen-Topf-geworfen-sein“). Bei mir entsteht der Eindruck dass hier immer Empathie von deutscher Seite eingefordert wird. Oft auch zurecht, als Deutscher geht man halt nicht so oft in den Mokassins eines türkischen Migranten. Was Sie oben schreiben ist hart. Ich glaube, aber dass Sie das Gefühl (nicht Ratio, nicht Gerechtigkeit, nicht Abwägung) im Lande recht gut beschreiben, hart ausgedrück: „Türkische Eltern, türkische Verbände – mit Jammern ist jetzt Schluss, kommt endlich in die Pötte!“. ich weiss nicht, ob sich da so viele türkische Migranten einmal mit der Gefühlslage der Deutschen beschäftigt hat. Immerhin geht es auch um deren liebenswertes Heimatland.
    Es gibt keine bundesdeutsche Verschwörung gegen türkische Migranten. Gefordert ist lediglich mehr Eigeninitiative, kein ständiges Fordern von Geldern. So weit ich weiss, ist migazin.de auch eine private Initiative von engagierten Türken / Deutsch-Türken. Auf solche Zeichen wartet man seit langem. Das schafft Respekt, Interesse und Achtung. Genauso wie erfolreiche, selbstbewusste türkische Mädchen / Frauen!!! (Und keiner verbietet denen hier, miteinander türkisch zu sprechen.:-)


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