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Migration und Integration in Deutschland

In allen Zielstaaten der Arbeitsmigration weisen die Eltern der als Migranten erfassten Jugendlichen eine kürzere Schulbesuchszeit und einen geringeren ökonomischen, sozialen und kulturellen Status auf als die Eltern von Nichtmigranten. Nirgendwo ist dieser Unterschied … aber so stark wie in Deutschland.

Konsortium Bildungberichterstattung, Bildung in Deutschland, 2006

Deutsches Schulsystem

Europäische Kommission gegen Rassismus und Intoleranz übt scharfe Kritik

Die „Europäische Kommission gegen Rassismus und Intoleranz“ des Europarates (ECRI) hat gestern ihren aktuellen Deutschlandbericht veröffentlicht. Der Europarat bezeichnet darin den Kampf gegen Rassismus in Deutschland als unzureichend. In dem Bericht wird auch das Kopftuchverbot für Lehrerinnen kritisiert.

Hauptkritikpunkt des Europarates ist die enge Auslegung des Begriffs „Rassismus“. Vor deutschen Gerichten gelte häufig nur derjenige als Rassist, der Kontakt zur rechtsextremen Szene habe, meint die Kommission. Das bestätigt auch das Deutsche Institut für Menschenrechte (DIMR). Zur Veröffentlichung des 4. Deutschland-Berichtes der Europarats-Kommission gegen Rassismus und Intoleranz erklärt der Direktor des DIMR, Heiner Bielefeldt, dass es „hierzulande eine Tendenz besteht, den Begriff Rassismus eng – zu eng – zu fassen und im Wesentlichen mit Rechtsextremismus gleichzusetzen.“ Dass ethnische und kulturelle Minderheiten in Deutschland – abgesehen von rechtsextremistisch motivierten Attacken – alltägliche und strukturelle Formen von Diskriminierung, zum Beispiel auf dem Wohnungsmarkt, im Arbeitsleben oder innerhalb des Schulsystems erlebten, komme aufgrund der zu engen Problemdefinition nicht angemessen in den Blick.

So hätten vor allem bei regionalen Wahlen rassistische und antisemitische Ansichten und Positionen einen Zulauf erfahren. Kritisiert wird auch, dass Asylbewerber, Juden, Schwarze, Sinti und Roma und Muslime im täglichen Leben weiterhin diskriminiert und rechtsextremistische Straftaten oft nicht als solche identifiziert und verfolgt würden. Die Kommission schlägt daher vor, rassistisch motivierte Straftaten strenger zu bestrafen.

Scharfe Kritik übt die Europaratskommission gegen Rassismus auch am deutschen Schulsystem. Kinder mit Migrationshintergrund hätten deutlich geringere Chancen auf schulischen Erfolg als andere Kinder, heißt es in dem Bericht. Besonders bedenklich sei mit Blick auf das dreigliedrige Schulsystem, dass manche Lehrer muslimische Schüler diskriminierten und ihnen deshalb keine Empfehlung fürs Gymnasium gäben. Die Europakommission gibt ferner zu bedenken, dass seit dem Kopftuchverbot für Lehrerinnen in mehreren Bundesländern es für Kopftuchträgerinnen auch im Privatsektor schwieriger geworden sei, einen Arbeitsplatz zu finden. Die Verbote hätten eine Signalwirkung. Die Kommission stellt ferner fest, dass nur wenige Muslime hochrangige Positionen in den politischen Parteien innehaben und nur sehr wenige in den Bundestag gewählt bzw. als Kandidaten aufgestellt werden.

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20 Kommentare
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  1. Patriot sagt:

    Ich kann dieses ganze Geweine langsam nicht mehr hören.
    Die Immigranten, allen voran Türken, Kurden und Libanesen, sollen sich vernünftig integrieren und an unsere gesellschaftlichen und kulturellen Spielregeln halten, und dann wird das was. Aber so lange die meinen, hier leben zu können, wie im Orient, wird das nix. Nicht wir müssen uns ihnen anpassen, sie müssen sich unserer Gesellschaft und Kultur anpassen. Herr Erdogan ist halt gewaltig auf dem Holzweg: Assimilation ist unumgänglich!

  2. Teleprompter sagt:

    Wenn die Lehrerin mit Kopftuch zum Unterricht kommt, dann komme ich mit einem Button mit der Aufschrift „Mohammed war ein Massenmörder“ zum Elternabend. Das wird lustig werden.

  3. ibo sagt:

    Lieber Patriot,

    welche Spielregeln meinen Sie?

    Seine Herkunft, seine Kultur zu vergessen, obwohl Ihr uns Tag für Tag daran erinnert?

    Einen Türken zu assimilieren ist genauso unmöglich, wie einen Pflanze zu züchten ohne Wasser.

    Nach 40 Jahren des Zusammenlebens haben Sie es anscheinend immer noch nicht kapiert. oh jee…

  4. G.Keldermann sagt:

    @ ibo

    Kapiert haben wir es seit langem.
    Aber wir werden es nicht akzeptieren.

  5. Hans Schneter sagt:

    *Nach 40 Jahren des Zusammenlebens… *

    Sie haben es erkannt, Ibo. Die Integration der Türken oder allgemeiner der Muslime ist gescheitert. Zu 100%. Jeder, der noch Hoffnung in diese Unternehmung steckt, ist ein Träumer. Wir sollten sehen, wie wir es schaffen, dass beide Kulturen wenigstens einigermaßen friedlich koexistieren können.

  6. ibo sagt:

    kapiert haben Sie es ganz bestimmt nicht, Sie können ja nicht mal Türken und Islam unterscheiden.

    Solange ein Assimilationskurs gefahren wird, wird eine Integration aller Türken nicht gelingen.

    Da ist es egal ob Sie es akzeptieren oder nicht, da wir uns sowieso durchsetzen werden.

  7. ibo sagt:

    super Vergleich. Sie sind ein Paradebeispiel für stupide Provokationen.

    Ich finde es toll vom Migazin-Team, dass solche Kommentare veröffentlicht werden.

    So kann man das Niveau einiger Mitmenschen in Deutschland (oder sollte ich sagen Unmenschen) allen vorführen.

  8. Teleprompter sagt:

    „Da ist es egal ob Sie es akzeptieren oder nicht, da wir uns sowieso durchsetzen werden.“

    Na endlich mal Klartext.

  9. […] Kopftuchverbot zu schweren sozialen Problemen, stellte etwa Human Rights Watch im Februar fest. Die Europakommission gab im Mai zu bedenken, dass es dadurch für Kopftuchträgerinnen generell schwieriger geworden […]

  10. Markus Hill sagt:

    Für mich klingt diese Argumentation so, als ob die Türken irgendeine besondere „Rasse“ darstellen, die sich in Gastländer nicht integrieren lassen. Halte ich für eine sehr problematische Haltung, erscheint nicht der Integration förderlich. Zudem gibt es viele Türken in diesem Lande, die das Gegenteil beweisen. Ohne Sprachverbot oder kultureller Unterdrückung. Wenn das wirklich so sein sollte („niemals“), ist der „Gegenwind“ von deutscher Seite her stark nachvollziehbar. So eine Form von Einwanderung hat keiner gewollt. Verstösst völlig gegen die eigenen Interessen des Gastlandes. Von einem Chinesen, Inder oder Vietnamesen könnte ich mir so eine Argumentation schwer vorstellen. Wäre sehr befremdet.


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