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Migration und Integration in Deutschland

Das Beitragsaufkommen [in den Rentenversicherungen beträgt] auf Grund der Beschäftigung der ausländischen Arbeitnehmer jährlich rd. 1,2 Milliarden DM, während sich die Rentenzahlungen an ausländische Arbeitnehmer jährlich auf rd. 127 Millionen DM, also etwa ein Zehntel, belaufen.

Ludwig Kattenstroth, Staatssekretär im Arbeitsministerium, März 1966, Bundesvereinigung der Dt. Arbeitgeberverbände

Hessen

Runder Tisch zum Islamunterricht ohne die Islamische Religionsgemeinschaft?

Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) hatte mitgeteilt, dass die Gespräche am Runden Tisch der Landesregierung zum Islamunterricht ohne die Islamische Religionsgemeinschaft Hessen (IRH) stattfinden sollen. Grund sei ein vier Jahre altes Gerichtsurteil wonach es sich um einen „Interessenverband zur Durchsetzung einzelner Projekte“ handele. Außerdem habe Verfassungsschutzchef Alexander Eisvogel von neuen Äußerungen eines Funktionärs berichtet. Er habe Israel als „Kriegsmaschinerie“ und „Kindermörder“ bezeichnet.

Ramazan Kuruyüz, dem die Worte gehören, sieht der Kritik gelassen entgegen: „Kritik an Israel und einem Krieg muss erlaubt sein.“ Außerdem die IRH mehrere Projekte – die Einführung des muslimischen Religionsunterrichts sei nur eines davon.

Unterstützung bekommt die IRH von der Grünen-Landtagsfraktion:“Wir teilen wirklich nicht alle Auffassungen und Aussagen der IRH, aber die gesellschaftlichen Gruppen, die sie durchaus repräsentiert, dürfen nicht einfach von einem Dialog über islamischen Religionsunterricht ausgeschlossen werden“, so die integrationspolitische Sprecherin der Grünen, Mürvet Öztürk. Integrationsminister Hahn (FDP) hatte erklärt, die IRH nicht einladen zu wollen.

Die Grünen verweisen darauf, dass mit der Einladung an den Runden Tisch keine Vorentscheidung darüber getroffen wird, wer Ansprechpartner für den Religionsunterricht sein werde. „Die IRH vertritt aber unterschiedliche Gruppen von Menschen islamischen Glaubens, die in Hessen leben. Sie wurde vor zehn Jahren explizit zu diesem Zweck, sich für die Einführung eines islamischen Religionsunterrichts einzusetzen, gegründet. Sie jetzt an dem Prozess nicht zu beteiligen, bedeutet, dass wieder Menschen ausgeschlossen werden. Dies ist kein guter Auftakt für einen Neuanfang in der Integrationspolitik. Eine Integrationspolitik, die diesen Namen verdient, bemüht sich ja gerade darum, möglichst Vertreterinnen und Vertreter aller Gruppen einzubeziehen. Dies bedeutet nicht, dass man die Haltung dieser Gruppen teilt. Um den Integrationsprozess voran zu bringen, müssen auch einmal andere Meinungen ausgehalten werden. Dazu scheint die Landesregierung aber auch mit dem neuen Partner FDP nicht in der Lage zu sein“, bedauert Mürvet Öztürk.

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5 Kommentare
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  1. Anne sagt:

    Wann werden die islamischen Verbände geschlossen den deutschen Behörden und Politikern sagen, dass sie auf „Religionsunterricht“ nach solchen Standards verzichten? Warum wenden wir nicht die hier vergeudeten Energien und Mittel lieber für mehr und besseren Islamunterricht in den Moscheen auf? Das, was nach den unzähligen, demütigenden Verhandlungen herauskommt wird doch bestenfalls ein Unterricht in einer vom deutschen Staat genehmigten Religion – aber ob das dann noch Islam ist?

  2. Boli sagt:

    Es wird Muslime geben, die damit zufrieden sind und es wird welche geben, die wohl letztendlich nichts von alledem wollen, geschweige denn akzeptieren. Also die Frage ob das dann noch Islam ist. Das Problem ist das es DEN Islam eh nicht gibt, weil es ca. 70 verschiedene Auslegungen gibt.

  3. Yakamoz sagt:

    Warum 70 verschiedene Auslegungen? Meiner Erfahrung nach gibt es mindestens so viele Auslegungen, wie es Muslime gibt…!

  4. […] wurde anfang des Jahres aus dem Dialog um die Einführung eines islamischen Religionsunterrichts ausgeschlossen, nachdem sie Jahre lang an den Grundlagen mitgearbeitet hatte. Das kam der Ditib gelegen, die sich […]

  5. […] Die Grünen-Landtagsabgeordnete Mürvet Öztürk sagte hingegen, dass „sie (die IRH) einen gewissen Teil der hessischen Muslime vertritt“ und deshalb beteiligt werden sollte. „Sie wurde vor zehn Jahren explizit zu diesem Zweck, sich für die Einführung eines islamischen Religionsunterrichts einzusetzen, gegründet. Sie jetzt an dem Prozess nicht zu beteiligen, bedeutet, dass wieder Menschen ausgeschlossen werden. Dies ist kein guter Auftakt für einen Neuanfang in der Integrationspolitik“, so die Grünen-Politikerin (wir berichteten). […]



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