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Migration und Integration in Deutschland

In allen Zielstaaten der Arbeitsmigration weisen die Eltern der als Migranten erfassten Jugendlichen eine kürzere Schulbesuchszeit und einen geringeren ökonomischen, sozialen und kulturellen Status auf als die Eltern von Nichtmigranten. Nirgendwo ist dieser Unterschied … aber so stark wie in Deutschland.

Konsortium Bildungberichterstattung, Bildung in Deutschland, 2006

Studie

Migration und Gesundheit

In Deutschland sind Menschen mit Migrationshintergrund im Durchschnitt genauso gesund wie Menschen ohne Migrationshintergrund. Dies ist eine der wichtigen Aussagen der Studie „Migration und Gesundheit“, die die Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin veröffentlicht hat.

Die beiden Autoren, Dr. Michael Knipper, Institut für Geschichte der Medizin an der Universität Gießen, und Dr. habil Yasar Bilgin, Medizinische Klinik und Poliklinik III des Universitätsklinikums Gießen/Marburg und Vorsitzender der Türkisch-Deutschen Gesundheitsstiftung, weisen aber gleichzeitig auch auf Defizite hin. So seien etwa erhebliche Hindernisse beim Zugang zum Gesundheitssystem in Deutschland vorhanden. Sie weisen zudem auf schwierige Arzt-Patienten-Verhältnisse, Kommunikationsprobleme sowie auf ein mangelndes Verständnis und Versorgungsmängel hin. Knipper und Bilgin mahnen auch vor Pauschalisierungen. Der Verweis auf den Faktor Migration sei im Zusammenhang mit der Gesundheitsfrage in der Regel ungeeignet und müsse grundsätzlich skeptisch betrachtet werden, zumal der Übergang zur Stereotypie und zu nicht angebrachten Verallgemeinerungen bei derartigen „Antworten” fließend sei.

Aus medizinischer Sicht fordern sie eine Integrationspolitik, die im Sinne der betroffenen Menschen Rahmenbedingungen für eine möglichst konfliktfreie Integration der aus dem Migrationsstatus bzw. der individuellen Migrationserfahrung erwachsenen Vielfalt soziokultureller Erfahrungen, Bedürfnisse und Orientierungen im Alltagsleben erlaubt, etwa im Sinne von Mehrsprachigkeit oder einer trans- oder multinationalen Identität.

Bedeutsam für den konkreten medizinischen Alltag der Gegenwart sei ferner die religiöse Orientierung gerade von „fremden” Patienten. Die Religionszugehörigkeit dürfe nicht als „Problem”, sondern als wichtige Ressource der interkulturellen bzw. interethnischen Zusammenarbeit angesehen werden. Bei Patienten mit einer als „fremd” empfundenen Religion biete das aktive Angebot, einen entsprechenden Geistlichen zu konsultieren und in die Betreuung eines Patienten einzubeziehen, eine hervorragende Möglichkeit, den emotionalen und sozialen Kontext der therapeutischen Beziehung durch ein kleines, aber wirkmächtiges Zeichen des Respekts zu verbessern. Darüber hinaus könnten die im Hinblick auf islamische Patienten nicht selten beschriebenen Konflikte zwischen religiösen Verpflichtungen einerseits, und medizinischen Notwendigkeiten andererseits, in Kommunikation mit einem vom Patienten akzeptierten Geistlichen oftmals überraschend unkompliziert gelöst werden. Ferner biete die Kooperation mit religiösen Gemeinschaften (z.B. Moscheevereinen) wichtige Handlungsmöglichkeiten zum Beispiel für Zielgruppenorientierte Projekte und Initiativen in den Bereichen Gesundheitsaufklärung und Prävention.

Des Weiteren erinnern die Autoren an die Notwendigkeit, dass nicht nur das medizinische Personal, sondern alle direkt oder indirekt mit der gesundheitlichen Versorgung von Patienten mit Migrationshintergrund betrauten Akteure (z. B. in Behörden, Verwaltungen, Krankenkassen etc.) in der Verantwortung stehen, ihre stets gegebenen Handlungsspielräume im Sinne einer Förderung der Gesundheit der betroffenen Menschen zu nutzen. Die gesundheitliche Versorgung für alle Menschen mit Migrationshintergrund auf einem qualitativ hohen Niveau sicher zu stellen, sei daher eine wichtige sozialpolitische Aufgabe.

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