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Migration und Integration in Deutschland

Wenn die deutsche Gesellschaft die Muslime toleriert, hat das noch nichts mit Gleichberechtigung zu tun.

Prof. Dr. Hans-Peter Großhans, MiGAZIN, 20. Januar 2010

Brandenburg

Spätaussiedler und jüdische Migranten dürfen in ihren Berufen arbeiten

Mit einem Pilotprojekt ermöglicht das Land Brandenburg Spätaussiedlern und jüdischen Migranten in ihren erlernten Beruf als Arzt zu arbeiten. Bisher war ihnen dies verwehrt, da die in osteuropäischen Staaten erlangten Abschlüsse von Spätaussiedlern und jüdischen Migranten nicht als gleichwertig anerkannt wurden.

Trotz einer akademischen Ausbildung mussten sich die Betroffenen oftmals mit Ein-Euro-Jobs begnügen oder nur Hartz-IV beziehen.  Nicht einmal ein Praktikum in dem eigentlich erlernten Beruf war möglich. Potentiale und langjährige Erfahrung musste ungenutzt brach liegen bleiben. Während diese zugewanderten Akademiker teilweise schon seit 15 Jahren in Deutschland leben, dürfen sie nicht als Ärzte arbeiten. Veränderungen an dieser Situation waren bisher nicht in Sicht.

Einen ersten Schritt hat nun das Brandenburger Gesundheitsministeriums mit einem bundesweiten Pilotprojekte für Spätaussiedler und jüdische Immigranten aus Russland, Kasachstan, Usbekistan, der Ukraine und Turkmenistan getan. Für das Potsdamer Sozialministerium ist dies ein ungenutztes Potential. Immerhin haben 70 Prozent der jüdischen Migrante studiert, unter anderem auch Medizin. „Ärzte sollen Patienten behandeln und nicht putzen gehen“, erklärte Brandenburgs Integrationsbeauftragte Karin Weiss.

Der Ärztemangel wird laut Landesärztekammer immer dramatischer. Nach einer Studie der Wirtschaftsberatung Ernst & Young ist Brandenburg ins Sachen Qualität bundesweit Schlusslicht. Für 58 Prozent der Befragten hat sich der Umfrage zufolge die Qualität der ärztlichen Versorgung verschlechtert. Unzufrieden sind die Patienten besonders mit der Facharztversorgung und der Entfernung zum nächsten Arzt.

In einigen Regionen gebe es viel zu wenige Hausärzte, aber auch nicht genügend Frauenärzte und Augenärzte, so die Gesundheitsministerin Dagmar Ziegler (SPD).  Dem Mangel will Ziegler unter anderem mit dem Projekt für zugewanderte Mediziner entgegensteuern. Zehn Monate lange wurden 21 Männer und Frauen seit März 2008 auf die Prüfung der Ärztekammer vorbereitet, damit ihr Berufsabschluss in Deutschland als gleichwertig anerkannt wird. 17 von ihnen erhielten letzte Woche ihre Urkunde.

Seit März 2008 wurden die Teilnehmer geschult. Zuerst machten sie einen Kurs in deutscher Fachsprache, dann absolvierten sie Praktika in märkischen Kliniken, schließlich wurden sie intensiv auf die Prüfungen der Ärztekammer vorbereitet. Finanziert wurden die Kosten in Höhe von 150 000 Euro aus dem Europäischen Sozialfonds und aus Landesmitteln .

Das Projekt dürfte auch bundesweit auf Interesse stoßen. Erste Länder zeigen bereits Interesse und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge arbeitet Ziegler zufolge nun an einer deutschlandweiten Regelung für zugewanderte Ärzte. Brandenburg denkt aber schon weiter. Auch für Pädagogen und Sozialwissenschaftler ist derzeit ein ähnliches Programm angedacht.

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